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Buchwidmungen der Frühen Neuzeit als Quellen der Stadt-, Sozial- und Druckgeschichte

Kritische Analyse der Dedikationen in volkssprachlichen Mainzer Drucken des 16. Jahrhunderts- Unter Verwendung statistischer, netzwerkanalytischer und textinterpretatorischer Methoden

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Andre Horch

Widmungen stellen eine Form von Paratexten des Buches dar, deren historische Aussagekraft bislang nicht ausreichend gewürdigt erscheint. Am Beispiel der deutschsprachigen Druckproduktion der Stadt Mainz im 16. Jahrhundert weist der Autor 178 Dedikationen nach, die er durch eine Kombination bewährter texthermeneutischer wie auch innovativ-statistischer und netzwerkanalytischer Untersuchungsmethoden auswertet. Die Untersuchung liefert neue Einblicke in die soziale, ökonomische und religiöse Struktur der Mainzer Stadtgesellschaft der Frühen Neuzeit. Sie versteht sich durch Anwendung computergestützter Analysetechniken als Beitrag zur schrittweisen Entwicklung jener Wissenschaftskonzeption, die weltweit unter dem Stichwort Digital Humanities diskutiert wird.
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3 Dedikationen der Frühen Neuzeit am Beispiel der Stadt Mainz

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3. Dedikationen der Frühen Neuzeit am Beispiel der Stadt Mainz

3.1 Historischer Überblick

Früheste Formen von symbolischen Übereignungen literarischer Texte lassen sich bereits für das dritte vorchristliche Jahrhundert nachweisen. Antike Autoren wie Aristoteles, Horaz, Vergil und Properz versahen ihre Werke mit Widmungen und nutzten diese Form als Ausdrucks­möglichkeit für Freundschaft und Nähe.249 Um 100 vor Christus entstand in Rom der Beruf des Verlegers. Dieser entlohnte die kopierenden Lohnschreiber und Korrektoren. Die eigentlichen Verfasser erhielten häufig kein Honorar.250 Während die römischen Autoren Tacitus und Cicero nicht auf finanzielle Zuwendungen angewiesen waren, hofften weniger vermögende Autoren durch die ideelle Zueignung ihrer literarischen Werke an eine höhergestellte, einfluss­reiche Person einen Gönner und Förderer zu finden. Die Figur des Kunstfreundes, Förderers und Gönners fand sich beispielsweise in Gaius Maecenas (70–8 v. Chr.). Er unterstützte unter anderem die Dichter Horaz, Vergil und Properz, die ihm zum Dank ihre literarischen Werke widmeten. Maecenas wurde dadurch zum Synonym für literarische Patronage schlechthin.251 Genette bemerkt hinsichtlich der Anfänge des Zueignungsgebrauchs in der Antike:

„Es handelte sich bereits um das klassische Verfahren der Zueignung als Huldigung an einen Beschützer und/oder Wohltäter (sei es ein gewonnener oder ein erhoffter, den man durch eben diese Huldigung zu gewinnen sucht) […].“252

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