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Buchwidmungen der Frühen Neuzeit als Quellen der Stadt-, Sozial- und Druckgeschichte

Kritische Analyse der Dedikationen in volkssprachlichen Mainzer Drucken des 16. Jahrhunderts- Unter Verwendung statistischer, netzwerkanalytischer und textinterpretatorischer Methoden

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Andre Horch

Widmungen stellen eine Form von Paratexten des Buches dar, deren historische Aussagekraft bislang nicht ausreichend gewürdigt erscheint. Am Beispiel der deutschsprachigen Druckproduktion der Stadt Mainz im 16. Jahrhundert weist der Autor 178 Dedikationen nach, die er durch eine Kombination bewährter texthermeneutischer wie auch innovativ-statistischer und netzwerkanalytischer Untersuchungsmethoden auswertet. Die Untersuchung liefert neue Einblicke in die soziale, ökonomische und religiöse Struktur der Mainzer Stadtgesellschaft der Frühen Neuzeit. Sie versteht sich durch Anwendung computergestützter Analysetechniken als Beitrag zur schrittweisen Entwicklung jener Wissenschaftskonzeption, die weltweit unter dem Stichwort Digital Humanities diskutiert wird.
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4 Personen- und netzwerkanalytische Dedikationsauswertung

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4. Personen- und netzwerkanalytische Dedikations­auswertung

Buchdedikationen liefern einen historischen Nachweis für soziale Beziehungen zwischen Dedikationsverfassern und ihren –empfängern. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob Personen, die in diesem Zusammenhang besonders häufig in Erscheinung traten, auch eine herausgehobene Stellung innerhalb der frühneuzeitlichen Gesellschaft inne hatten. Dies wäre der Fall, sofern nur politischen, gesellschaftlichen oder ökonomisch einflussreichen Personen dediziert wurde oder nur jene Personen Dedikationen verfassten, die unter dem besonderen Schutz einer dieser einfluss­reichen Personen standen.

Ein weiteres Argument zugunsten der Gültigkeit des Zusammenhangs von Dedikations­häufigkeit und gesellschaftlichem Einfluss kann anhand der Reziprozität menschlicher Beziehungen vorgebracht werden. Vereinfacht gesagt, hängt die Stabilität und Dauerhaftigkeit menschlicher Beziehungen vom Grad ihrer Ausgeglichenheit, dem wechselseitigen und möglichst gleich­wertigen Austausch von Gaben, Hilfen und Diensten ab.359 Je mehr Beziehungen ein Individuum unterhält, desto wahrscheinlicher ist es, dass er auf Ausgleich bedacht ist. Nur vor diesem Hintergrund wird verständlich, was auf dem Gebiet der modernen Netzwerk­theorie sowie der allgemeinen Soziologie unter dem Begriff des Sozialkapitals360 verstanden wird: das individuelle Vermögen, soziale Beziehungen zum eigenen Vorteil zu nutzen. Menschen mit vielen sozialen Beziehungen, insbesondere mit Beziehungen zu einflussreichen Personen, verfügen über ein besonderes Maß an gesellschaftlichem Einfluss und daher über ein hohes Maß an Sozialkapital. Da das Mobilisieren zwischenmenschlicher Hilfen und Unter­stützungs­maßnahmen die Bereitschaft und Befähigung voraussetzt, die erhaltenen Hilfen zu einem späteren...

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