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Antun Gustav Matoš

Ein Klassiker der kroatischen Moderne

Dubravka Oraic Tolic

Das Buch ist eine umfassende Abhandlung über einen der größten kroatischen Schriftsteller: Antun Gustav Matoš (1873-1914). Der Band ist in zwei methodologisch unterschiedliche Hauptkapitel aufgeteilt, in alte und neue Lektüren. Die alten Lektüren wurden unter dem Vorzeichen der Stilanalyse und der strukturellen Semiotik geschrieben. In diesem Teil liegt der Schwerpunkt auf Matoš’s Beziehungen zur Avantgarde sowie auf den stilistischen Merkmalen seiner Prosa. Die neuen Lektüren wurden nach 2010 verfasst und sind von der epistemologischen Wende im Fach gekennzeichnet. Diese Texte sind am Schnittpunkt von Kulturwissenschaften, Anthropologie und Imagologie entstanden. Hier geht es um Matoš’s Geopoetik, um seine Geschlechterimagologie, seine Poetik des Traums und seine Idee der Nation. Aus der Perspektive beider Methodologien kristallisieren sich zwei Phasen in Matoš’s Leben und Werk heraus: die frühe Phase seiner europäischen Emigration (Einheit der ästhetizistischen Stile und Merkmale der expressionistischen Poetik, liberalere Weltsicht) und die Phase nach seiner Rückkehr nach Kroatien (Stärkung der ästhetizistischen Stile, konservativere Weltsicht).
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Camao

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Fünfzehn Novellen, unter ihnen auch viele aus Anthologien (Nekad bilo – sad se spominjalo/Es war einmal – jetzt existiert es nur noch in Erzählungen, Balkon, Cvijet sa raskršća/Die Blume von der Kreuzung, Put u ništa/Die Reise ins Nichts, Samotna noć/Eine einsame Nacht), hat Matoš während seines Pariser Aufenthalts zwischen 1899 und 1904 geschrieben. Die erste in dieser Reihe ist Camao.

Die Novelle entstand mitten in Matoš’s Flüchtlingsleben unmittelbar nach seiner spektakulären Ankunft in Paris. Matoš kam Anfang August 1899 im Stil eines Bohèmiens von Genf aus in Paris an: mit einem Frauenhut auf dem Kopf, mit dem Reisepass seines Bruders Leon, in Pantoffeln statt in Schuhen und mit der Zeitung Obzor (Horizont) anstelle von Strümpfen. Der Frauenhut war ein Andenken an die letzte Freundin, sein Bruder hatte ihm den Reisepass aus Paris zugeschickt, wohin er aus Zagreb zu Fuß gekommen war, und die Pantoffeln und die Zeitung anstelle von Schuhe und Strümpfe waren die Folge der unbezahlten Miete, denn der Vermieter, der ahnte, was geschehen könnte, hatte ihm die Schuhe versteckt.

Im Jahre 1899 spricht Matoš in drei Briefen an Vladimir Tkalčić von der Novelle. Vladimir Tkalčić ist der Bruder seiner engen Freunde, des Pianisten Ivica und des Violoncellisten Jurica („Vagabunden“, wie er sie nannte). Im Brief vom 23. August 1899 schreibt er an Vladimir Tkalčić, es passe ihm, dass sein Bruder Leon abgereist sei und er jetzt endlich arbeiten...

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