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Antun Gustav Matoš

Ein Klassiker der kroatischen Moderne

Dubravka Oraic Tolic

Das Buch ist eine umfassende Abhandlung über einen der größten kroatischen Schriftsteller: Antun Gustav Matoš (1873-1914). Der Band ist in zwei methodologisch unterschiedliche Hauptkapitel aufgeteilt, in alte und neue Lektüren. Die alten Lektüren wurden unter dem Vorzeichen der Stilanalyse und der strukturellen Semiotik geschrieben. In diesem Teil liegt der Schwerpunkt auf Matoš’s Beziehungen zur Avantgarde sowie auf den stilistischen Merkmalen seiner Prosa. Die neuen Lektüren wurden nach 2010 verfasst und sind von der epistemologischen Wende im Fach gekennzeichnet. Diese Texte sind am Schnittpunkt von Kulturwissenschaften, Anthropologie und Imagologie entstanden. Hier geht es um Matoš’s Geopoetik, um seine Geschlechterimagologie, seine Poetik des Traums und seine Idee der Nation. Aus der Perspektive beider Methodologien kristallisieren sich zwei Phasen in Matoš’s Leben und Werk heraus: die frühe Phase seiner europäischen Emigration (Einheit der ästhetizistischen Stile und Merkmale der expressionistischen Poetik, liberalere Weltsicht) und die Phase nach seiner Rückkehr nach Kroatien (Stärkung der ästhetizistischen Stile, konservativere Weltsicht).
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Um Lobor herum

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In dem Reisebericht Oko Lobora (Um Lobor herum) beschreibt Matoš einen Ausflug nach Hrvatsko zagorje im Frühjahr 1907, als er als Deserteur während seines zweiten Belgrader Exils heimlich seine Heimat besuchte. Der Reisebericht wurde erstmals in Hrvatsko pravo (Kroatisches Recht) vom 2., 3. und 4. April 1908 veröffentlicht. Matoš hat ihn an den Anfang seines sechsten Buches Naši ljudi i krajevi (Unsere Leute und Landschaften, 1910) gestellt, mit einem Untertitel, der das Prinzip der Landschaft als eines der thematischen bzw. Genreaspekte heraushebt: „Portraits und Paysagen“. Detaillierte Angaben über die Entstehung des Textes sind nicht bekannt.

Unbestimmtheit des Genres, Prinzip der Landschaft, stilistischer Pluralismus

Die Reisebeschreibung Um Lobor herum nimmt innerhalb des Matoš’schen Opus einen besonderen Platz ein. In jeder Anthologie mit Matoš’s Texten wird sich diese lyrisch-feuilletonistische Beschreibung unweigerlich finden lassen; jeder Leser, der wenigstens halbwegs mit Matoš’s Kunst vertraut ist, merkt sofort, dass genau in dieser Reisebeschreibung „jenes gewisse Etwas“ enthalten ist, durch das wir Matoš wiedererkennen und das in einer merkwürdigen Weise überzeugend seine Person und sein Werk repräsentiert. Wie alle feuilletonistische Reiseprosa ist dies ein vom Genre her unbestimmter und offener Text. Es gibt keine klaren Grenzen zwischen lyrischen und prosaischen Ausdrucksweisen, zwischen Literatur und Journalismus. Auch das Prinzip der Landschaft ist hier vertreten, das so charakteristisch für das gesamte Matoš’sche Opus ist, insbesondere aber für die feuilletonistische Reiseliteratur. Schließlich sind in diesem Text wie in keinem anderen...

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