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Antun Gustav Matoš

Ein Klassiker der kroatischen Moderne

Dubravka Oraic Tolic

Das Buch ist eine umfassende Abhandlung über einen der größten kroatischen Schriftsteller: Antun Gustav Matoš (1873-1914). Der Band ist in zwei methodologisch unterschiedliche Hauptkapitel aufgeteilt, in alte und neue Lektüren. Die alten Lektüren wurden unter dem Vorzeichen der Stilanalyse und der strukturellen Semiotik geschrieben. In diesem Teil liegt der Schwerpunkt auf Matoš’s Beziehungen zur Avantgarde sowie auf den stilistischen Merkmalen seiner Prosa. Die neuen Lektüren wurden nach 2010 verfasst und sind von der epistemologischen Wende im Fach gekennzeichnet. Diese Texte sind am Schnittpunkt von Kulturwissenschaften, Anthropologie und Imagologie entstanden. Hier geht es um Matoš’s Geopoetik, um seine Geschlechterimagologie, seine Poetik des Traums und seine Idee der Nation. Aus der Perspektive beider Methodologien kristallisieren sich zwei Phasen in Matoš’s Leben und Werk heraus: die frühe Phase seiner europäischen Emigration (Einheit der ästhetizistischen Stile und Merkmale der expressionistischen Poetik, liberalere Weltsicht) und die Phase nach seiner Rückkehr nach Kroatien (Stärkung der ästhetizistischen Stile, konservativere Weltsicht).
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Matoš’s Metropolen – Matoš’s Provinzen

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Die moderne Kultur durchlebte am Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert ihre erste Krise. Diese Krise artikulierte sich in der Kunst im Abrücken von der realistischen Repräsentation der Wirklichkeit und der absoluten naturalistischen Mimesis in Richtung ästhetischer Konstruktionen der Realität. Der Konflikt zwischen „gesellschaftlicher“ und „ästhetischer Modernität“ (Calinescu, 1977) erreichte in der Kunst um 1900 ihren Höhepunkt (Moderne im Sinne einer künstlerischen Epoche, Wiener Moderne, kroatische Moderne, Epoche des Ästhetizismus, fin de siècle). Die Welten, die die Künstler um 1900 imaginierten, sind häufig „Gegenwelten“ (Batušić, Kravar und Žmegač, 2001) jenseits der modernen Zivilisation, des technischen Fortschritts und der Urbanisierung, egal ob es sich dabei um künstliche Welten, vitalistische Projekte eines ursprünglichen Lebens, Imaginationen der Natur, um eine Rückkehr zur Tradition oder um eine Verlebendigung von Utopien und Mythen handelte. In der Repräsentation solcher unmoderner oder protomoderner Wirklichkeitsbilder bedienen sich die Künstler des fin de siècle eines Pluralismus ästhetischer Stile: Impressionismus, Symbolismus, Neoromantizismus, Dekadenz, Sezession u. a. Dies führt zu einem tiefgreifenden Widerspruch: Stilistische Modernisten waren häufig ideologische Antimodernisten (Antimodernismus im Sinne von Kravar, 2003).

Derart tiefe Widersprüche zwischen dem stilistischen Modernismus und dem ideologischen Antimodernismus finden einen starken Ausdruck in den Imaginationen der Metropolen und der Provinzen innerhalb der feuilletonistischen Reiseprosa A. G. Matoš’s. Matoš’s feuilletonistische Reiseliteratur basiert auf der einen Seite auf seiner Biographie, auf der anderen Seite auf der Poetik der künstlerischen...

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