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Das Museum als Kompensation?

Eine Ausstellungsanalyse des Bachhauses in Eisenach

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Patricia Kemmer

Die Kompensationstheorie nach Hermann Lübbe und Odo Marquard beeinflusste den Museumsdiskurs nachhaltig und stellt eine zunächst nachvollziehbare Erklärung für den seit den 1980er Jahren diagnostizierten Museumsboom dar. Auf welchen Gedankengängen die Kompensationstheorie beruht, wird in einer analytischen Wiedergabe wichtiger Schriften der Theoretiker nachvollziehbar. Als Kernanliegen wird eine Fallstudie durchgeführt, die nach konkret sichtbaren Spuren der Kompensation im Museum fragt und das Konzept der Kompensationstheorie mit Rückgriff auf Aleida Assmanns Gedächtnistheorie in den Kontext der Erinnerungskultur einordnet. Dabei wird sich zeigen, dass ein Verständnis des Museums als Kompensation zu kurz greift und erst die Abwendung von ihr zu zahlreichen Besonderheiten im Ausstellungskonzept führt.
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1 Einführung: Bachhaus, Museen, Kompensation

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Im Zentrum dieser Arbeit steht das Museum Bachhaus Eisenach, das mit den Mitteln einer Ausstellungsanalyse im Rahmen einer Fallstudie untersucht wird. Es ist ein spannendes, hoch frequentiertes Museum mit jährlich etwa 60.000 Besuchern, das den Ort des Gedenkens an den Komponisten Johann Sebastian Bach an dessen Geburtsort Eisenach repräsentiert. Hinter dem Beethoven-Haus in Bonn ist es das zweitmeist besuchte Musikermuseum Deutschlands.1 In seiner momentanen Erscheinung beherbergt es eine 2007 neu konzipierte Ausstellung, in deren Entstehungsrahmen das Museum um einen Neubau erweitert wurde. Es soll in dieser Arbeit auf seine Möglichkeiten der Kompensation hin untersucht werden, um Klarheit über das Konzept der Kompensationstheorie zu erhalten: Lässt sich mit einer Analyse belegen, dass ein konkretes Museum als ein Ort der Kompensation bezeichnet werden kann?

Die Theorie der Kompensation ist die spannende, jedoch ebenso konservative Überlegung der Ritter-Schüler Odo Marquard und Hermann Lübbe, die unter dem Namen der Kompensationstheorie nachhaltigen Einfluss auf das Museums- oder Ausstellungswesen ausgeübt und im Rahmen dessen Einzug in die kulturwissenschaftliche Disziplin der Europäischen Ethnologie erhalten hat. Sie wird im Zusammenhang mit der Debatte zur Musealisierung von Lübbe rezipiert und als zunächst einleuchtende Erklärung dafür angebracht, dass Museen seit den 1980er Jahren in zunehmendem Maße aus dem Boden sprießen; eine Entwicklung, die in der Literatur gerne als ‚Museumsboom‘2 bezeichnet wird. Wie könnte man ← 11 | 12 → nun einen Beitrag zur Klärung der Frage leisten, ob Lübbes Theorie der...

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