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Das Museum als Kompensation?

Eine Ausstellungsanalyse des Bachhauses in Eisenach

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Patricia Kemmer

Die Kompensationstheorie nach Hermann Lübbe und Odo Marquard beeinflusste den Museumsdiskurs nachhaltig und stellt eine zunächst nachvollziehbare Erklärung für den seit den 1980er Jahren diagnostizierten Museumsboom dar. Auf welchen Gedankengängen die Kompensationstheorie beruht, wird in einer analytischen Wiedergabe wichtiger Schriften der Theoretiker nachvollziehbar. Als Kernanliegen wird eine Fallstudie durchgeführt, die nach konkret sichtbaren Spuren der Kompensation im Museum fragt und das Konzept der Kompensationstheorie mit Rückgriff auf Aleida Assmanns Gedächtnistheorie in den Kontext der Erinnerungskultur einordnet. Dabei wird sich zeigen, dass ein Verständnis des Museums als Kompensation zu kurz greift und erst die Abwendung von ihr zu zahlreichen Besonderheiten im Ausstellungskonzept führt.
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5 Die andere Sicht: Kommentare des Ausstellungsmachers

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Die ‚Brille der Kompensation‘, durch die wir das Museum bei der Analyse betrachtet haben, hat uns auf bestimmte Objekte, Texte, architektonische Aspekte und Besonderheiten des Museums aufmerksam werden lassen. Um dieser Fallstudie noch eine weitere Sicht auf das Museum hinzuzufügen, werde ich im Folgenden die Zusammenfassung eines Gesprächs mit dem für das Bachhaus verantwortlichen Ausstellungsmacher Felix Becker wiedergeben. Er stand mir in den Räumen des Atelier Brückner in Stuttgart zusammen mit der Sprecherin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für ein Gespräch über die Ausstellungsgestaltung zur Verfügung. Es fand erst statt, nachdem die Ausstellungsanalyse bereits durchgeführt worden und ihre Ergebnisse festgehalten waren.

Das Atelier Brückner gestaltet Ausstellungen und Museen mit den Mitteln der Szenografie. Zu diesem Begriff schreibt Thomas Geisler:

„Der aus dem romanischen Sprachgebrauch ins Deutsche übernommene Begriff Szenografie bezeichnet abstrakt die Lehre bzw. Kunst der Inszenierung im Raum. Architektur, Design, Licht- und Medienplanung in Bezug auf temporäre oder permanente Einrichtungen im Museum, insbesondere der Ausstellung, umfassen das interdisziplinäre Methodenrepertoire, das als Weiterentwicklung der klassischen Bühnengestaltung verstanden werden kann. Als Arbeitsgrundlage entsteht meist ein Storyboard, ähnlich der dramaturgischen Grundlage bei Film- und Theaterproduktionen, jedoch greifen SzenografenInnen auch auf freiere Ansätze der Performance- und Installationskunst zurück. Mit dem Boom der musealen Inszenierungen seit den 1980er-Jahren kam es zu einer theoretischen und praktischen Professionalisierung der Szenografie.291

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