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Fünfzig deutsche Gedichte des 20. Jahrhunderts, textnah interpretiert

Von Stefan George bis Ulla Hahn

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Christoff Neumeister

An fünfzig lyrischen Gedichten deutscher Autoren des 20. Jahrhunderts wird eine Methode textnaher Interpretation vorgeführt. Grundlage ist dabei immer eine genaue sprachliche Analyse des betreffenden Textes, wobei auch die von ihm suggerierte Kommunikationssituation, sein Aussage-, Ausdrucks- und Appellcharakter sowie sein durch bestimmte Hervorhebungsmittel erzeugtes Wichtigkeitsrelief berücksichtigt werden. In der Regel wird auch die Lebenssituation des Autors, aus der das Gedicht hervorgegangen ist, in die Betrachtung mit einbezogen. Das Ergebnis erhebt nicht den Anspruch, die allein richtige Interpretation zu sein, wohl aber den, sich konsequent innerhalb des durch den Textbefund gesetzten Verständnisrahmens zu halten und insofern einen diesem angemessenen Deutungsvorschlag zu machen.
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10 Benn, Einsamer nie – (mit Exkurs: Benn über das Entstehen eines lyrischen Gedichts).

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Einsamer nie –

Einsamer nie als im August:Erfüllungsstunde – im Geländedie roten und die goldenen Brände,doch wo ist deiner Gärten Lust?

Die Seen hell, die Himmel weich,die Äcker rein und glänzen leise,doch wo sind Sieg und Siegsbeweiseaus dem von dir vertretenen Reich?

Wo alles sich durch Glück beweistund tauscht den Blick und tauscht die Ringeim Weingeruch, im Rausch der Dinge –:dienst du dem Gegenglück, dem Geist.

Benn war, als er dieses Gedicht verfaßte, gerade 50 geworden, ein Lebensdatum, bei dem man sich in der Regel die Frage stellt, was man bis dahin erreicht habe. Er war einer der prominentesten Dichter der Weimarer Zeit gewesen, hatte 1933 zwar vorübergehend mit dem Nationalsozialismus sympathisiert, was ihm die Verachtung der emigrierten Gegner des Regimes eingebracht hatte, hatte sich dann jedoch schnell wieder davon distanziert und sah sich deswegen nun auch immer heftigeren Angriffen von dessen Anhängern ausgesetzt: Hetzartikel gegen ihn erschienen in der Parteizeitung „Völkischer Beobachter“ und im SS-Organ „Das Schwarze Korps“, und seines Namens wegen wurde er sogar verdächtigt, Jude zu sein. Anfang 1935 zog er sich deshalb in eine besondere Art innerer Emigration zurück: Er trat wieder in die Armee ein, in der er im ersten Weltkrieg als Feldarzt gedient hatte, und tat nun als Oberstabsarzt im Majorsrang bei der Heeres-Sanitäts-Inspektion Hannover Dienst. Es war meist öde Verwaltungsarbeit, die er zu erledigen hatte, und von der er...

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