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Fünfzig deutsche Gedichte des 20. Jahrhunderts, textnah interpretiert

Von Stefan George bis Ulla Hahn

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Christoff Neumeister

An fünfzig lyrischen Gedichten deutscher Autoren des 20. Jahrhunderts wird eine Methode textnaher Interpretation vorgeführt. Grundlage ist dabei immer eine genaue sprachliche Analyse des betreffenden Textes, wobei auch die von ihm suggerierte Kommunikationssituation, sein Aussage-, Ausdrucks- und Appellcharakter sowie sein durch bestimmte Hervorhebungsmittel erzeugtes Wichtigkeitsrelief berücksichtigt werden. In der Regel wird auch die Lebenssituation des Autors, aus der das Gedicht hervorgegangen ist, in die Betrachtung mit einbezogen. Das Ergebnis erhebt nicht den Anspruch, die allein richtige Interpretation zu sein, wohl aber den, sich konsequent innerhalb des durch den Textbefund gesetzten Verständnisrahmens zu halten und insofern einen diesem angemessenen Deutungsvorschlag zu machen.
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19 Kaschnitz: Ostia antica

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Ostia antica

Durch die Tore: niemandTreppen: fort ins BlauAuf dem Estrich: ThymianAuf den Tischen: Tau.Zwiegespräch aus StilleTod aus KäferzugAbendrot im TellerAsche im Krug.AsphodeloswieseFledermäusekreisDiesseits oder drübenWer das weiß –

Aus den 1957 veröffentlichten „Neuen Gedichten“, verfaßt während der Jahre 1952–1956, als die Dichterin in Rom lebte. Ihr Mann, Ordentlicher Professor für Klassische Archäologie an der Universität Frankfurt, war damals Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom.

Zwölf Kurzverse, abwechselnd weiblich oder männlich endend. Vom Reimschema her lassen sie sich, obwohl fortlaufend gedruckt, in drei kreuzweise gereimte Vierergruppen einteilen. Die Verse der ersten Gruppe sind allesamt durch einen Doppelpunkt zweigeteilt. Die der zweiten enden jeweils mit einer Präpositionalgruppe, erst zweimal mit „aus“, dann zweimal mit „in“. Die dritte Gruppe beginnt mit zwei Einwort-Versen. Erster und dritter Vers einer jeden Gruppe sind durch Halbreim (mehr oder weniger große Lautähnlichkeit der Schlußworte)1 verknüpft, zweiter und vierter durch Vollreim. Das den Versen zugrundeliegende rhythmische Gitter ist auftaktlos zweisilbig (anders ausgedrückt: trochäisch) mit drei Hebungen. Nur die Endverse der zweiten und der dritten Versgruppe weichen davon ab: Vers 8 hat nur noch vier Silben, nämlich zwei Hebungen, durch eine doppelte Senkung getrennt („Ásche im Krúg“); Vers 12 hat nur drei Silben, die man alle betont und mit einer Intonation zwischen Ausruf und Frage lesen sollte: „Wér dás weíß …“. Versschema: ← 186 | 187 →2

Auf...

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