Show Less
Restricted access

Fünfzig deutsche Gedichte des 20. Jahrhunderts, textnah interpretiert

Von Stefan George bis Ulla Hahn

Series:

Christoff Neumeister

An fünfzig lyrischen Gedichten deutscher Autoren des 20. Jahrhunderts wird eine Methode textnaher Interpretation vorgeführt. Grundlage ist dabei immer eine genaue sprachliche Analyse des betreffenden Textes, wobei auch die von ihm suggerierte Kommunikationssituation, sein Aussage-, Ausdrucks- und Appellcharakter sowie sein durch bestimmte Hervorhebungsmittel erzeugtes Wichtigkeitsrelief berücksichtigt werden. In der Regel wird auch die Lebenssituation des Autors, aus der das Gedicht hervorgegangen ist, in die Betrachtung mit einbezogen. Das Ergebnis erhebt nicht den Anspruch, die allein richtige Interpretation zu sein, wohl aber den, sich konsequent innerhalb des durch den Textbefund gesetzten Verständnisrahmens zu halten und insofern einen diesem angemessenen Deutungsvorschlag zu machen.
Show Summary Details
Restricted access

27 Celan: (Ich kenne dich ... )

Extract

(ICH KENNE DICH, du bist die tief Gebeugte,ich, der Durchbohrte, bin dir untertan.Wo flammt ein Wort, das für uns beide zeugte?Du – ganz, ganz wirklich. Ich – ganz Wahn.)

Das Gedicht sollte ursprünglich Schlußgedicht der 1965 als Privatdruck erschienenen Sammlung „Atemkristall“ sein,1 bekam dann aber die Mittelposition der diese Sammlung abschließenden Dreiergruppe zugewiesen. Es nimmt allein schon durch seine Position eine Sonderstellung ein. Sie ist auch daran erkennbar, daß es vom Dichter in Klammern gesetzt ist, und daß es, im Unterschied zu allen anderen Gedichten der Sammlung, eine ganz konventionelle Form hat.2

Gereimte Verse in rein jambischem Rhythmus, mit abwechselnd weiblichem und männlichem Schluß, die ersten drei Verse aus fünf Jamben, die vierte dann überraschend nur noch aus vieren bestehend. Schema der Reime, Versschlüsse und der Vers-Silbenzahlen:

Auch die Verseinteilung ist ganz konventionell: Sie folgt der syntaktischen Einteilung.

Der Sprecher wendet sich wie in „WORTAUFSCHÜTTUNG“ an ein Du. Es ist aber, wie sich gleich erweisen wird, ein anderes als das dort angesprochene, welches wir als “Geist der Sprache” bezeichnet hatten. Auf diesen Wechsel der Anrederichtung aufmerksam zu machen könnte eine der Funktionen der Klammern sein.

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.