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Fünfzig deutsche Gedichte des 20. Jahrhunderts, textnah interpretiert

Von Stefan George bis Ulla Hahn

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Christoff Neumeister

An fünfzig lyrischen Gedichten deutscher Autoren des 20. Jahrhunderts wird eine Methode textnaher Interpretation vorgeführt. Grundlage ist dabei immer eine genaue sprachliche Analyse des betreffenden Textes, wobei auch die von ihm suggerierte Kommunikationssituation, sein Aussage-, Ausdrucks- und Appellcharakter sowie sein durch bestimmte Hervorhebungsmittel erzeugtes Wichtigkeitsrelief berücksichtigt werden. In der Regel wird auch die Lebenssituation des Autors, aus der das Gedicht hervorgegangen ist, in die Betrachtung mit einbezogen. Das Ergebnis erhebt nicht den Anspruch, die allein richtige Interpretation zu sein, wohl aber den, sich konsequent innerhalb des durch den Textbefund gesetzten Verständnisrahmens zu halten und insofern einen diesem angemessenen Deutungsvorschlag zu machen.
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28 Celan: Weggebeizt

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WEGGEBEIZT vomStrahlenwind deiner Sprachedas bunte Gerede des An-erlebten – das hundert-züngige Mein-gedicht, das Genicht.

Aus-gewirbelt,freider Weg durch den menschen-gestaltigen Schnee,den Büßerschnee, zuden gastlichenGletscherstuben und –tischen.

Tiefin der Zeitenschrunde,beimWabeneiswartet, ein Atemkristall,dein unumstößlichesZeugnis.

Schlußgedicht der die Sammlung „Atemkristall“ abschließenden Dreiergruppe.

Das Gedicht besteht aus drei ungleich langen (6, 8 und 7 Zeilen umfassenden) Versgruppen mit unregelmäßigem Rhythmus. Die Verse umfassen z. T. nur ein Wort, einmal sogar nur einen Wortteil. Jede Versgruppe ist ein Satz. Die beiden ersten dieser Versgruppen-Sätze sind elliptisch: Sie haben als Prädikat ein Partizip II (“weggebeizt”, “ausgewirbelt”), zu dem ein “ist” ergänzt werden kann. Der abschließende dritte Versgruppen-Satz hat dann aber eine finite Verbform (“wartet”) als Prädikat. Die Versgrenzen trennen wiederholt syntaktisch eng zusammenhängende Textelemente voneinander (dreimal eine Präposition und einmal ein Attribut von dem zugehörigen Substantiv, fünfmal sogar zwei Teile ein und desselben Worts).

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