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Fünfzig deutsche Gedichte des 20. Jahrhunderts, textnah interpretiert

Von Stefan George bis Ulla Hahn

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Christoff Neumeister

An fünfzig lyrischen Gedichten deutscher Autoren des 20. Jahrhunderts wird eine Methode textnaher Interpretation vorgeführt. Grundlage ist dabei immer eine genaue sprachliche Analyse des betreffenden Textes, wobei auch die von ihm suggerierte Kommunikationssituation, sein Aussage-, Ausdrucks- und Appellcharakter sowie sein durch bestimmte Hervorhebungsmittel erzeugtes Wichtigkeitsrelief berücksichtigt werden. In der Regel wird auch die Lebenssituation des Autors, aus der das Gedicht hervorgegangen ist, in die Betrachtung mit einbezogen. Das Ergebnis erhebt nicht den Anspruch, die allein richtige Interpretation zu sein, wohl aber den, sich konsequent innerhalb des durch den Textbefund gesetzten Verständnisrahmens zu halten und insofern einen diesem angemessenen Deutungsvorschlag zu machen.
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29 Aichinger: Gebirgsrand / In einem

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Gebirgsrand

Denn was täte ich,wenn die Jäger nicht wären, meine Träume,die am Morgenauf der Rückseite der Gebirgeniedersteigen, im Schatten.

1958 verfaßt und 1959 als Einzelgedicht veröffentlicht,1 1978 dann in der Sammlung „Verschenkter Rat“ als Eröffnungsgedicht verwendet.

Ein einziger Satz ist über fünf Verse ungleicher Länge verteilt. Der Rhythmus ist ohne erkennbare Regelmäßigkeit. Die Versgliederung entspricht zunächst der syntaktischen Gliederung: Die erste Versgrenze trennt den einleitenden Hauptsatz von einem ihm nachfolgenden kondizionalen Nebensatz, die zweite diesen Nebensatz von einem ihm untergeordneten Relativsatz. Dessen Prädikat wird nun durch drei Adverbialbestimmungen, eine der Zeit, eine des Ortes und eine modale des näheren Umstandes präzisiert. Die ersten beiden bilden je einen eigenen Vers, die dritte teilt sich mit dem Prädikat den letzten Vers und ist durch Nachstellung (statt „im Schatten niedersteigen“) und Endposition im Text stark hervorgehoben. Aber auch das Prädikat ist hervorgehoben, nämlich dadurch, daß es durch die kleine Pause vor der nachgestellten Modalbestimmung in eine Contre-Rejet-ähnliche Stellung kommt.2 Die auffälligste Besonderheit des Gedichtes ist jedoch, daß der Hauptsatz, mit dem er beginnt, durch eine kausale Konjunktion („Denn …“) eingeleitet wird, ohne daß gesagt wird, was da begründet werden soll.

Wir lassen die Überschrift und das erste Wort des Textes, eben dieses rätselhafte „Denn“, zunächst einmal außer acht.

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