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Fünfzig deutsche Gedichte des 20. Jahrhunderts, textnah interpretiert

Von Stefan George bis Ulla Hahn

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Christoff Neumeister

An fünfzig lyrischen Gedichten deutscher Autoren des 20. Jahrhunderts wird eine Methode textnaher Interpretation vorgeführt. Grundlage ist dabei immer eine genaue sprachliche Analyse des betreffenden Textes, wobei auch die von ihm suggerierte Kommunikationssituation, sein Aussage-, Ausdrucks- und Appellcharakter sowie sein durch bestimmte Hervorhebungsmittel erzeugtes Wichtigkeitsrelief berücksichtigt werden. In der Regel wird auch die Lebenssituation des Autors, aus der das Gedicht hervorgegangen ist, in die Betrachtung mit einbezogen. Das Ergebnis erhebt nicht den Anspruch, die allein richtige Interpretation zu sein, wohl aber den, sich konsequent innerhalb des durch den Textbefund gesetzten Verständnisrahmens zu halten und insofern einen diesem angemessenen Deutungsvorschlag zu machen.
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37 Fritz, Aber dann?

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Aber dann?

Das Gedicht stehtin dem Buch?Schlag auf, lies.Gut, es hälteinen Augenblick still.Aber dann?Siehst du nicht,wie es sich rührt,die Seite verläßt,schwebt, fliegtund allmählichunsichtbar wird,ehe es sichin dir niederläßt?

Aus der 1983 veröffentlichten Gedichtsammlung „Werkzeuge der Freiheit“. Ich präsentiere das Gedicht hier u. a. auch deshalb, weil es besonders schön die Möglichkeiten vorführt, auch in der Einzelrede eines lyrischen Gedichts eine Dialogsituation zu suggerieren, d. h. den durchgängig von ein und demselben Sprecher gesprochenen Text trotzdem zu „dialogisieren“.1

Vierzehn kurze (nur zwei bis vier Wörter umfassende) Zeilen. Viermal zerschneidet eine Versgrenze einen relativ engen syntaktischen Zusammenhang („ steht| in dem Buch|“; „hält| … still“; „ allmählich| unsichtbar wird“; „sich| in dir niederläßt||“).

Die Überschrift ist eine Frage. Faßt man sie zunächst einmal für sich allein ins Auge (d. h. ohne schon auf den folgenden Text vorzugreifen), so kann man sagen: Gefragt wird nach etwas, was auf etwas anderes folgt, während über das, was vorausgeht, offenbar Einigkeit zu bestehen scheint. Daß sie „Aber dann?“ lautet (und nicht „Was dann?“), läßt erkennen, daß der Befragte sie sich noch gar nicht gestellt hat, ja vielleicht sogar der Meinung ist, daß auf das Vorausgehende, das so unstrittig zu sein scheint, nichts anderes mehr folge, so daß er erst aufgefordert werden muß, sich die Frage nach dem Was und dem Ob...

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