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Fünfzig deutsche Gedichte des 20. Jahrhunderts, textnah interpretiert

Von Stefan George bis Ulla Hahn

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Christoff Neumeister

An fünfzig lyrischen Gedichten deutscher Autoren des 20. Jahrhunderts wird eine Methode textnaher Interpretation vorgeführt. Grundlage ist dabei immer eine genaue sprachliche Analyse des betreffenden Textes, wobei auch die von ihm suggerierte Kommunikationssituation, sein Aussage-, Ausdrucks- und Appellcharakter sowie sein durch bestimmte Hervorhebungsmittel erzeugtes Wichtigkeitsrelief berücksichtigt werden. In der Regel wird auch die Lebenssituation des Autors, aus der das Gedicht hervorgegangen ist, in die Betrachtung mit einbezogen. Das Ergebnis erhebt nicht den Anspruch, die allein richtige Interpretation zu sein, wohl aber den, sich konsequent innerhalb des durch den Textbefund gesetzten Verständnisrahmens zu halten und insofern einen diesem angemessenen Deutungsvorschlag zu machen.
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40 Kirsch: Ich bin sehr sanft

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Ich bin sehr sanft

Ich bin sehr sanft nennMich KamilleMeine Finger sind zärtlich baunKirchen in deiner Hand meine NägelFlügelschuppen von Engeln liebkosen ich binDer Sommer der Herbst selbst der Winter im FrühlingMöchte ich bei dir sein duZeigst mir das Land wir gehenVon See zu See da braucht esEin langes glückliches LebenDie Fische sind zweiDie Vögel baun Nester wirStehn auf dem selben Blatt

Aus Sarah Kirschs erster Gedichtsammlung „Landaufenthalt“ (1967).

Dreizehn unterschiedlich lange reimlose Verse. Unregelmäßiger Rhythmus. Völliges Fehlen jeder Interpunktion: Nicht einmal die Satzenden sind markiert. Die Verseinteilung dagegen ist außer durch den Zeilensprung auch noch durch Großschreibung am Versanfang hervorgehoben. Sehr auffällig ihre extreme Verschiebung gegenüber der syntaktischen Gliederung: Von der Syntax her würde man folgende Zeileneinteilung erwarten:

Ich bin sehr sanftNenn mich KamilleMeine Finger sind zärtlichBaun Kirchen in deiner HandMeine Nägel Flügelschuppen von Engeln liebkosenIch bin der Sommer der Herbst selbst der WinterIm Frühling möchte ich bei dir seinDu zeigst mir das LandWir gehen von See zu SeeDa braucht es ein langes glückliches LebenDie Fische sind zweiDie Vögel baun NesterWir stehn auf dem selben Blatt

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