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Fünfzig deutsche Gedichte des 20. Jahrhunderts, textnah interpretiert

Von Stefan George bis Ulla Hahn

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Christoff Neumeister

An fünfzig lyrischen Gedichten deutscher Autoren des 20. Jahrhunderts wird eine Methode textnaher Interpretation vorgeführt. Grundlage ist dabei immer eine genaue sprachliche Analyse des betreffenden Textes, wobei auch die von ihm suggerierte Kommunikationssituation, sein Aussage-, Ausdrucks- und Appellcharakter sowie sein durch bestimmte Hervorhebungsmittel erzeugtes Wichtigkeitsrelief berücksichtigt werden. In der Regel wird auch die Lebenssituation des Autors, aus der das Gedicht hervorgegangen ist, in die Betrachtung mit einbezogen. Das Ergebnis erhebt nicht den Anspruch, die allein richtige Interpretation zu sein, wohl aber den, sich konsequent innerhalb des durch den Textbefund gesetzten Verständnisrahmens zu halten und insofern einen diesem angemessenen Deutungsvorschlag zu machen.
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42 Novak: ach ich stand an der Quelle

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ach ich stand an der Quelle

Aus der dreigeteilten Sammlung „Margarete mit dem Schrank“, welche Gedichte der Jahre 1976–1978 enthält. Das Gedicht eröffnet den zweiten Teil, der seinerseits den Titel trägt: „kann nicht steigen nicht fallen“.

Wie in allen Texten der Verfasserin fehlen Satzzeichen. Nicht einmal Fragen und Ausrufe sind als solche gekennzeichnet. Auch sind weder die Satzanfänge noch die Versanfänge durch Großbuchstaben markiert, ganz regelgerecht jedoch die Substantive. Eingefügte wörtliche Rede wird durch Gedankenstrich statt durch Anführungszeichen angekündigt.   Dreiundzwanzig ungleich lange Verse, durch Leerzeilen in drei Versgruppen von 10, 7 und 6 Versen gegliedert. Der vorletzte Vers wiederholt die Überschrift. Auf Abstand finden sich einige Reimentsprechungen (2/6: vergessen/gesessen; 10/14/18/22: Quelle/Helle/Hölle/Quelle“; 19/23: gesunken/getrunken). Überwiegend weibliche Versenden. Unregelmäßiger, lockerem Gesprächston angenäherter Rhythmus: Manche Verse beginnen mit drei oder sogar vier unbetonten Silben. Die ← 308 | 309 → Versgrenzen fallen weitgehend mit den Grenzen von Wortgruppen, Teilsätzen oder Sätzen zusammen. Ausnahmen: Das Interrogativadverb „|warum|“ ist von dem Fragesatz, den es einleitet, durch eine Versgrenze abgetrennt und bildet überdies einen eigenen Einwort-Vers; zwei adjektivische Attribute sind durch Versgrenze von ihrem Bezugswort abgetrennt: „in der feuchten| Wölbung“, „unter den dornigen| Ranken“. Auffällig auch der Zweiwort-Vers „|spüre ich|“. An der Wortwahl fallen zwei Kolloquialismen auf („ich bin dich los“, „raus aus der Hölle“). Keine ungewöhnliche Wortverwendung. Jedoch ist sofort klar, daß der Text insgesamt symbolisch gemeint sein muß, d. h. da...

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