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Fünfzig deutsche Gedichte des 20. Jahrhunderts, textnah interpretiert

Von Stefan George bis Ulla Hahn

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Christoff Neumeister

An fünfzig lyrischen Gedichten deutscher Autoren des 20. Jahrhunderts wird eine Methode textnaher Interpretation vorgeführt. Grundlage ist dabei immer eine genaue sprachliche Analyse des betreffenden Textes, wobei auch die von ihm suggerierte Kommunikationssituation, sein Aussage-, Ausdrucks- und Appellcharakter sowie sein durch bestimmte Hervorhebungsmittel erzeugtes Wichtigkeitsrelief berücksichtigt werden. In der Regel wird auch die Lebenssituation des Autors, aus der das Gedicht hervorgegangen ist, in die Betrachtung mit einbezogen. Das Ergebnis erhebt nicht den Anspruch, die allein richtige Interpretation zu sein, wohl aber den, sich konsequent innerhalb des durch den Textbefund gesetzten Verständnisrahmens zu halten und insofern einen diesem angemessenen Deutungsvorschlag zu machen.
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43 Novak: solange noch Liebesbriefe eintreffen

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solange noch Liebesbriefe eintreffen

solange noch Liebesbriefe eintreffenist nicht alles verlorensolange noch Umarmungen und Küsseankommen und sei es in Briefenist nicht alles verlorensolange ihr noch in Gedankennach meinem Verbleib fahndetist nicht alles verloren

Aus der 1999 erschienenen Sammlung gleichen Titels, in welcher Gedichte aus den Jahren 1979–1985 zusammengestellt sind.

Die Überschrift, ein temporaler Nebensatz, ist mit der ersten Gedichtzeile identisch; die zweite Gedichtzeile liefert den zugehörigen Hauptsatz nach.   Der Text besteht aus drei derartigen Satzgefügen. Die vorgeschalteten Temporalsätze sind allesamt durch „solange noch“ eingeleitet. Beim dritten Mal ist zwischen diese beiden Wörter jedoch noch ein „ihr“ gesetzt, das dadurch besonders auffällt. Der nachfolgende Hauptsatz jedoch ist alle drei Male der gleiche.   Zweimal schneidet eine Versgrenze auffällig in einen syntaktischen Zusammenhang ein, trennt nämlich Subjekte von ihrem Prädikat („ … Umarmungen und Küsse| ankommen“) bzw. trennt ein modales Adverbiale vom Prädikatskomplex („ … in Gedanken| nach meinem Verbleib fahndet“).

Ganz schlichter Text, kaum einer Erläuterung bedürftig. Doch ist es vielleicht nicht überflüssig, auf einige Implikationen der Formulierung hinzuweisen.

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