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Fünfzig deutsche Gedichte des 20. Jahrhunderts, textnah interpretiert

Von Stefan George bis Ulla Hahn

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Christoff Neumeister

An fünfzig lyrischen Gedichten deutscher Autoren des 20. Jahrhunderts wird eine Methode textnaher Interpretation vorgeführt. Grundlage ist dabei immer eine genaue sprachliche Analyse des betreffenden Textes, wobei auch die von ihm suggerierte Kommunikationssituation, sein Aussage-, Ausdrucks- und Appellcharakter sowie sein durch bestimmte Hervorhebungsmittel erzeugtes Wichtigkeitsrelief berücksichtigt werden. In der Regel wird auch die Lebenssituation des Autors, aus der das Gedicht hervorgegangen ist, in die Betrachtung mit einbezogen. Das Ergebnis erhebt nicht den Anspruch, die allein richtige Interpretation zu sein, wohl aber den, sich konsequent innerhalb des durch den Textbefund gesetzten Verständnisrahmens zu halten und insofern einen diesem angemessenen Deutungsvorschlag zu machen.
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44 Novak: keine Mutter nährte mich

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keine Mutter nährte mich

keine Mutter hat mich je genährtauch nur ein Hemd an mir gewechseltdie mich entband die fühlte nurihren eigenen schmerzmich gab es für sie nichtso frei war ich drei Tage altwar gut mich zeitig freizugebenmich konnte nehmen wer mich sahlächelnd war ich niemandem verpflichtetich bin so frei und ohne Dankseit meinem dritten Tag gewesenjetzt da mich endlich keiner willmit fünfzig ists ein andres Lächelnund keine Liebe geht mir nun zur HandHeimat und Landstrich längst verlorenganz ohne Vater immer schonder sprengte seinen Kopf beizeitenmit einem Schuß so bin ich frank und frei

Verfaßt 1985, veröffentlicht 1999 in der Sammlung „solange noch Liebesbriefe eintreffen“.

Achtzehn ungleich lange reimlose Verse, teils mit Auftakt, teils ohne Auftakt, und mit einem insgesamt eher unregelmäßigen Rhythmus: Zwar wiegen zweisilbige Taktgruppen vor, aber mehrfach folgen zwei oder gar drei unbetonte Silben aufeinander, oder zwei betonte Silben stehen unmittelbar nebeneinander. Unregelmäßig ist auch der Wechsel zwischen männlichen und weiblichen Versenden. Der Gesamteindruck ist der einer spontanen, gelegentlich in eine gewisse Erregtheit sich hineinsteigernden Äußerung.   Nur an zwei Stellen schneidet eine Versgrenze auffällig in eine syntaktische Einheit ein: nach der dritten Zeile, wo sie das einschränkende Modaladverb „nur“ vom Rest des Satzes trennt; und am Ende der vorletzten, wo sie die genauere Angabe, wie der Vater „seinen Kopf sprengte“, erst am Anfang der nächsten Zeile folgen läßt, so daß sie wie eine...

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