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Fünfzig deutsche Gedichte des 20. Jahrhunderts, textnah interpretiert

Von Stefan George bis Ulla Hahn

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Christoff Neumeister

An fünfzig lyrischen Gedichten deutscher Autoren des 20. Jahrhunderts wird eine Methode textnaher Interpretation vorgeführt. Grundlage ist dabei immer eine genaue sprachliche Analyse des betreffenden Textes, wobei auch die von ihm suggerierte Kommunikationssituation, sein Aussage-, Ausdrucks- und Appellcharakter sowie sein durch bestimmte Hervorhebungsmittel erzeugtes Wichtigkeitsrelief berücksichtigt werden. In der Regel wird auch die Lebenssituation des Autors, aus der das Gedicht hervorgegangen ist, in die Betrachtung mit einbezogen. Das Ergebnis erhebt nicht den Anspruch, die allein richtige Interpretation zu sein, wohl aber den, sich konsequent innerhalb des durch den Textbefund gesetzten Verständnisrahmens zu halten und insofern einen diesem angemessenen Deutungsvorschlag zu machen.
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48 Hahn: Blinde Flecken

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Blinde Flecken

Daß wir so uneins sind hält uns zusammendu dort ich hier – wir sind auf andrer Fahrt:Dein Istgewesen mein Eswirdnochkommenzwei blinde Flecken in der Gegenwartdie uns gehört wie Träume vorm Erwachenwenn wir schon wissen dass wir Träumer sinddie mit uns spielt ein Weilchen in den Windenbis jedes hier und dort sich wiederfindt.

Aus der 1981 erschienenen Sammlung „Herz über Kopf“.

Acht Fünfheber. Die Reime gliedern das Gedicht in zwei Vierzeiler, die aber nicht durch Leerzeile voneinander geschieden sind, vielleicht, weil der zweite syntaktisch sehr eng an den ersten gebunden ist: Er besteht aus zwei Relativsätzen, welche sich an das letzte Wort des ersten anschließen („ … Gegenwart| die uns gehört … | die mit uns spielt …“). Die jeweils ersten und dritten Verse der Strophen enden weiblich und sind durch Halbreim, die jeweils zweiten und vierten männlich und sind durch Reim miteinander verknüpft. Reimschema also (Halbreime in Klammern gesetzt):

An der Wortwahl fallen die beiden Satz-Substantivierungen „dein Istgewesen“ und „mein Eswirdnochkommen“ auf.

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