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Zur Semantik von «rike» in der Sächsischen Weltchronik

Reden über Herrschaft in der frühen deutschen Chronistik – Transformationen eines politischen Schlüsselwortes

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Meike Pfefferkorn

Wie lässt sich die Versprachlichung eines Abstraktums wie Herrschaft in der deutschen Sprache fassen? Insbesondere in einer Zeit, die noch stark vom Lateinischen geprägt ist? Die Untersuchung des Wortgebrauchs von rike innerhalb der ersten deutschsprachigen Prosaweltchronik, der Sächsischen Weltchronik, nähert sich dieser Frage anhand detaillierter Handschriftenauswertungen. Dank der breiten und teils sehr disparaten Überlieferung der Sächsischen Weltchronik ist es möglich, in einem Querschnitt zu erschließen, wie stabil das Reden über Herrschaft in diesem Text ist. Die in der Analyse gemachten Beobachtungen werden abschließend synthesen- und überblicksartig mit bestehenden Beobachtungen zu Herrschaftsvorstellungen in der Entstehungszeit der Sächsischen Weltchronik verknüpft.
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II. Analyse

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A. Kookkurrenzen

Kapitel 2 rike in der Sächsischen Weltchronik – ein Schlüsselterminus?

Der Ausgangspunkt für die Annahme, dass wir mit rike eine Vokabel fassen, in deren Kontext Herrschaft verhandelt wird, ist einer klassisch hermeneutischen Beobachtung geschuldet: Anders als in anderen frühen volkssprachigen Chroniken305, fehlen in der Sächsischen Weltchronik die gewohnten ausführlichen Tugendkataloge und die Referenzen auf diese. Die Herrscher in der SW werden so gut wie nie mit konkreten Aussagen zu ihrer Persönlichkeit bedacht, ganz im Gegensatz zur Kaiserchronik306. Wenn aber gute oder schlechte Herrschaft eines Königs betont werden soll, dann finden sich fortwährend Aussagen und Handlungen in Bezug auf rike. Entweder wird der besondere Umgang des Herrschers mit rike geschildert: keiser hainrichen von sachsen der selber wert sich der ungern und hohet wol daz rike [Bl. 41v] oder aber rike selber reagiert auf den Herrscher: do von wart genideret romisch rike harte ser also daz ez sich nimmer mer erholen mohte [Bl. 52r]. Beide Varianten legen nahe, dass mit rike etwas zum Ausdruck gebracht werden kann, was in Verbindung zu Herrschaft steht. Zusammen mit den in der Einleitung geschilderten Phänomenen, dass anders als im Lateinischen, die Volkssprache keine vom Herrscher ausgehende morphologische Gruppe von Worten ausgebildet hat, denen man Nähe zum Bedeutungsfeld ‚Herrschaft‘ zusprechen kann, ist zu überprüfen, ob rike allein durch seine Verwendung im Text und die im selben Satz stehenden Vokabeln als Herrschaftsterminus in Frage kommt. Diese Ausgangsbeobachtungen sollen nun...

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