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Zur Semantik von «rike» in der Sächsischen Weltchronik

Reden über Herrschaft in der frühen deutschen Chronistik – Transformationen eines politischen Schlüsselwortes

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Meike Pfefferkorn

Wie lässt sich die Versprachlichung eines Abstraktums wie Herrschaft in der deutschen Sprache fassen? Insbesondere in einer Zeit, die noch stark vom Lateinischen geprägt ist? Die Untersuchung des Wortgebrauchs von rike innerhalb der ersten deutschsprachigen Prosaweltchronik, der Sächsischen Weltchronik, nähert sich dieser Frage anhand detaillierter Handschriftenauswertungen. Dank der breiten und teils sehr disparaten Überlieferung der Sächsischen Weltchronik ist es möglich, in einem Querschnitt zu erschließen, wie stabil das Reden über Herrschaft in diesem Text ist. Die in der Analyse gemachten Beobachtungen werden abschließend synthesen- und überblicksartig mit bestehenden Beobachtungen zu Herrschaftsvorstellungen in der Entstehungszeit der Sächsischen Weltchronik verknüpft.
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Das Verb verschwindet – eine Einleitung

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a) Das Verb verschwindet – Reden über Herrschaft in der deutschen Chronistik

„[...] vn waren sin wartent also daz er solt wider rîchesen mit solchem gewalt und hêrschaft als er wol drev vn drizzich iar getan het1“

Hier ist von Kaiser Friedrich II. die Rede, von dem es in dieser Erzählung heißt, dass er durch vergiftete Weintrauben zu Tode kam. Die Zeit seiner Regierung – jene dreiunddreißig Jahre – wird mit gewalt und hêrschaft attribuiert, er solle mit eben jenen wieder rîchesen. Eine mögliche Übersetzung wäre: «und warteten auf ihn, dass er erneut mit solcher Macht und Würde herrschte, wie er es in den dreiunddreißig Jahren zuvor getan hatte». In diesem Zitat aus der Sächsischen Weltchronik (kurz: SW) stehen als Verhaltenswünsche an Kaiser Friedrich II. gewalt und hêrschaft sowie das Verb rîchesen, also drei Vokabeln, die sich mit Herrschaft in Verbindung bringen lassen. Werden hier die zentralen Vokabeln für das Konzept Herrschaft in der deutschsprachigen Chronistik des Mittelalters eingeführt?

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