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Außenpolitische Deutungsverwaltung im SED-Regime

Das Institut für Internationale Beziehungen der DDR

Marcus Beyer

Marcus Beyer befasst sich mit dem Institut für Internationale Beziehungen der DDR (IIB) und der Frage nach dessen Aufgaben im Herrschaftsapparat der SED. Das IIB präsentierte sich als eine die außenpolitische Praxis beratende Forschungseinrichtung, de facto bestand seine Hauptaufgabe in der Absicherung der ideologischen Deutungsmacht der Parteiführung. Freiräume für kritische Analysen galten als unerwünscht und standen dem Selbstverständnis des SED-Regimes entgegen. Um die Funktion des IIB besser fassen zu können, wird der Begriff der Deutungsverwaltung eingeführt, die eine wesentliche Voraussetzung für den Ideologietransfer bildete. Auf Grundlage der zahlreich überlieferten Dokumente vom und zum IIB weist der Autor nach, dass sich Forschung am Institut auf Deutungsverwaltung reduzierte.
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2. Entstehungsgeschichte

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2.  Entstehungsgeschichte

2.1  Von den Anfängen an der DVA bis zur Babelsberger Konferenz 1958

Für den Aufbau des außenpolitischen Apparates wollte die DDR nach ihrer Gründung 1949 keine ehemaligen Diplomaten und Beamten des Auswärtigen Amtes rekrutieren. Außer Gerhard Kegel, der von 1935 bis 1943 an den deutschen Botschaften in Warschau und Moskau sowie in der Zentrale in Berlin tätig war, fanden sich keine Mitarbeiter aus der Zeit vor 1945 in bedeutenderen Funktionen des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten. Auf diese Weise beabsichtigte man, sich positiv von der Bundesrepublik abzusetzen, die beim Aufbau ihres Auswärtigen Amtes durchaus auf alte Kräfte setzte.146 Bei diesem „Bruch mit dem Faschismus“ ging es allerdings nicht nur darum, alte Nazis von der Außenvertretung des ostdeutschen Staates fernzuhalten,147 sondern auch um die politische Zuverlässigkeit im Sinne des Kaderdenkens der SED.148 Wesentlich für die meisten Anstellungen im MfAA waren somit in erster Linie eine proletarische Herkunft und die entsprechenden politischen Voraussetzungen der Bewerber.149 Zwar wurden zunächst in gewissem Umfang auch Angehörige der Blockparteien und Parteilose berücksichtigt, nicht zuletzt wegen der scheinbaren Pluralität der sozialistischen Demokratie, die eigentliche Kontrolle lag aber in den Händen der SED. So war der eigentliche Chef im Ministerium nicht CDU-Minister Georg Dertinger, sondern der Staatssekretär und Kandidat des Politbüros Anton Ackerman.150 Grundsätzlich konnten sämtliche Personalentscheidungen von Anfang an nur mit Zustimmung der zuständigen Stellen im ← 37...

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