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Außenpolitische Deutungsverwaltung im SED-Regime

Das Institut für Internationale Beziehungen der DDR

Marcus Beyer

Marcus Beyer befasst sich mit dem Institut für Internationale Beziehungen der DDR (IIB) und der Frage nach dessen Aufgaben im Herrschaftsapparat der SED. Das IIB präsentierte sich als eine die außenpolitische Praxis beratende Forschungseinrichtung, de facto bestand seine Hauptaufgabe in der Absicherung der ideologischen Deutungsmacht der Parteiführung. Freiräume für kritische Analysen galten als unerwünscht und standen dem Selbstverständnis des SED-Regimes entgegen. Um die Funktion des IIB besser fassen zu können, wird der Begriff der Deutungsverwaltung eingeführt, die eine wesentliche Voraussetzung für den Ideologietransfer bildete. Auf Grundlage der zahlreich überlieferten Dokumente vom und zum IIB weist der Autor nach, dass sich Forschung am Institut auf Deutungsverwaltung reduzierte.
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3. Das IIB – eine Einrichtung außenpolitischer Forschung?

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3.  Das IIB – eine Einrichtung außenpolitischer Forschung?

Der vertrauliche Ministerratsbeschluss vom März 1969, der das IIB zum Leitinstitut für die außenpolitische Forschung in der DDR bestimmte, nannte bei den zu behandelnden Hauptforschungsthemen unter anderem die „Erarbeitung von Analysen und Prognosen der Entwicklungstendenzen und -perspektiven der internationalen Beziehungen“.262 Die Anforderung mit wissenschaftlichen Expertisen internationale Prozesse einzuschätzen, findet sich immer wieder in Dokumenten, die die außenpolitische Forschung des Instituts betreffen.263 Um eine solche Aufgabenstellung wirklich erfüllen zu können, wären hier jedoch Freiräume für kritische Analysen notwendig gewesen. Diesen stand aber schon die absolute Geltung des Marxismus-Leninismus entgegen. Gerade in Bereichen einer ‚politischen Forschung‘ galt das feste Prinzip, ausschließlich vom so genannten Klassenstandpunkt der Arbeiterklasse aus zu urteilen.264 Und selbst eine Einbeziehung der Wissenschaftler in die Deutung marxistisch-leninistischer Theorien, die ihnen die Möglichkeit gegeben hätte, alternative Positionen zu formulieren, verhinderte das Deutungsmonopol, das letztlich bei der SED-Führung lag, und dessen Absicherung entscheidend für den Machterhalt dieser Gruppe war. Die eigentliche Funktion des IIB als außenpolitische Forschungseinrichtung bestand darin, einen wesentlichen Beitrag zur umfassenden Immunisierung der herrschenden Deutung gegen Kritik zu leisten. Die Mitarbeiter des Instituts sollten hierzu die Gültigkeit der aus der Deutung resultierenden Bewertungen internationaler Prozesse oder gesellschaftlicher Zustände mit scheinbar wissenschaftlich fundierten Abhandlungen erhärten. Spezifische Entwicklungen und Ereignisse hatten sie dabei so zu bearbeiten, dass die von der Parteispitze vorgenommenen ideologischen Einschätzungen des Weltgeschehens bestätigt wurden....

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