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Außenpolitische Deutungsverwaltung im SED-Regime

Das Institut für Internationale Beziehungen der DDR

Marcus Beyer

Marcus Beyer befasst sich mit dem Institut für Internationale Beziehungen der DDR (IIB) und der Frage nach dessen Aufgaben im Herrschaftsapparat der SED. Das IIB präsentierte sich als eine die außenpolitische Praxis beratende Forschungseinrichtung, de facto bestand seine Hauptaufgabe in der Absicherung der ideologischen Deutungsmacht der Parteiführung. Freiräume für kritische Analysen galten als unerwünscht und standen dem Selbstverständnis des SED-Regimes entgegen. Um die Funktion des IIB besser fassen zu können, wird der Begriff der Deutungsverwaltung eingeführt, die eine wesentliche Voraussetzung für den Ideologietransfer bildete. Auf Grundlage der zahlreich überlieferten Dokumente vom und zum IIB weist der Autor nach, dass sich Forschung am Institut auf Deutungsverwaltung reduzierte.
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4. Die Außenwirkung des IIB

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4.  Die Außenwirkung des IIB

Das IIB unterhielt eine Vielzahl von wissenschaftlichen Kontakten nach Westen. Sie dienten allerdings nicht dem Meinungsaustausch oder der Verständigung, sondern der Propaganda und der Informationsabschöpfung. Multilaterale Konferenzen nutzten die Genossen, um für die politischen Ziele der SED-Führung zu werben und ein positives Bild von der DDR zu zeichnen. Daneben sahen sie das internationale Parkett als eine Arena für den ideologischen Schlagabtausch mit den ‚reaktionärsten‘ Vertretern imperialistischer Länder. Die bilateralen Kontakte zu einzelnen Wissenschaftlern oder Forschungseinrichtungen im nichtsozialistischen Ausland zielten zunächst auf Ausspähung und dann auf Beeinflussung ab.503 Personen aus kapitalistischen Staaten wurden zum Teil systematisch ausgekundschaftet, und man versuchte auf empfänglich erscheinende Gesprächspartner in politischer und ideologischer Hinsicht einzuwirken. Um abweichendes Verhalten von Anfang an auszuschließen, wurde die Kontaktarbeit der Babelsberger Wissenschaftler umfassend reglementiert und überwacht. Letztlich konnten sich die Kader des Instituts so nur als Informanten und Agitatoren im Dienste der SED betätigen. Stephen Scala fand eine solche Sichtweise zu einseitig, denn für ihn führten die Kontakte mit Experten kapitalistischer Länder im Laufe der Jahre bei den ostdeutschen Wissenschaftlern zu einem besseren Verständnis des Westens.504 Und auch offizielle Aufgabenstellungen an die Reisekader scheinen seine Schlussfolgerung zu bestätigen: „Die sich dabei [bei Dienstreisen ins kapitalistische Ausland, M.B.] ergebenden gezielten Kontakte mit außenpolitischen Institutionen nichtsozialistischer Länder sind für die offensive Darlegung der sozialistischen Außenpolitik der DDR sowie die analytische Arbeit im...

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