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Außenpolitische Deutungsverwaltung im SED-Regime

Das Institut für Internationale Beziehungen der DDR

Marcus Beyer

Marcus Beyer befasst sich mit dem Institut für Internationale Beziehungen der DDR (IIB) und der Frage nach dessen Aufgaben im Herrschaftsapparat der SED. Das IIB präsentierte sich als eine die außenpolitische Praxis beratende Forschungseinrichtung, de facto bestand seine Hauptaufgabe in der Absicherung der ideologischen Deutungsmacht der Parteiführung. Freiräume für kritische Analysen galten als unerwünscht und standen dem Selbstverständnis des SED-Regimes entgegen. Um die Funktion des IIB besser fassen zu können, wird der Begriff der Deutungsverwaltung eingeführt, die eine wesentliche Voraussetzung für den Ideologietransfer bildete. Auf Grundlage der zahlreich überlieferten Dokumente vom und zum IIB weist der Autor nach, dass sich Forschung am Institut auf Deutungsverwaltung reduzierte.
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6. Weitere Ausbildungsaufgaben

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6.  Weitere Ausbildungsaufgaben

6.1  Die Ausbildung von Ausländern

Westlichen Staatsbürgern, die es allenfalls im Zusammenhang mit ihren Forschungsvorhaben nach Babelsberg zog, blieb der uneingeschränkte Zugang zum Institut natürlich verwehrt. Wenn sich dennoch einmal Studienaufenthalte ergaben, bedingt durch die Kontaktpflege mit ausländischen Wissenschaftlern, waren die Möglichkeiten demnach äußerst begrenzt. Im Jahr 1975 weilte ein graduierter Student der Universität Berkeley im Rahmen der Arbeit an seiner Dissertation für zwei Wochen am IIB. Er beschäftigte sich mit der Außenpolitik der DDR und wollte dazu Materialstudien und Konsultationen durchführen. Außerdem beabsichtigte er den Besuch von Lehrveranstaltungen. Sein hauptsächliches Interesse galt laut eines Berichts „DDR-Meinungsumfragen zur Identifizierung der DDR-Bevölkerung mit der Außenpolitik der DDR, der Außenpolitik der sozialistischen Staatengemeinschaft und speziell der Außenpolitik der DDR gegenüber der BRD.“891 Die Zielstellung der Bearbeitung umschrieb der berichtende Institutsmitarbeiter wie folgt: „Im Kern liefen seine Studien- und Konsultationsabsichten darauf hinaus, den Platz und Spielraum der DDR-Außenpolitik innerhalb der abgestimmten Außenpolitik der sozialistischen Staatengemeinschaft einzuschätzen und die Legitimität der DDR-Außenpolitik am Ergebnis von Meinungsumfragen in der DDR-Bevölkerung einzuschätzen.“ Dem Gast wurde dann erklärt, dass derartige Meinungsumfragen in der DDR nicht existierten. Er beschränkte sich auf das Studium von offiziellen Materialien und nahm Einblick in die Dissertationsschriften von Werner Hänisch und einem weiteren Mitarbeiter. Außerdem absolvierte er vier Konsultationen mit wissenschaftlichen Mitarbeitern des IIB. „Sein...

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