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Außenpolitische Deutungsverwaltung im SED-Regime

Das Institut für Internationale Beziehungen der DDR

Marcus Beyer

Marcus Beyer befasst sich mit dem Institut für Internationale Beziehungen der DDR (IIB) und der Frage nach dessen Aufgaben im Herrschaftsapparat der SED. Das IIB präsentierte sich als eine die außenpolitische Praxis beratende Forschungseinrichtung, de facto bestand seine Hauptaufgabe in der Absicherung der ideologischen Deutungsmacht der Parteiführung. Freiräume für kritische Analysen galten als unerwünscht und standen dem Selbstverständnis des SED-Regimes entgegen. Um die Funktion des IIB besser fassen zu können, wird der Begriff der Deutungsverwaltung eingeführt, die eine wesentliche Voraussetzung für den Ideologietransfer bildete. Auf Grundlage der zahlreich überlieferten Dokumente vom und zum IIB weist der Autor nach, dass sich Forschung am Institut auf Deutungsverwaltung reduzierte.
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7. Schluss

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7.  Schluss

Die kritische Betrachtung der wissenschaftlichen Arbeit des IIB hat gezeigt, dass sich die so genannte außenpolitische Forschung im Wesentlichen auf Deutungsverwaltung beschränkte.951 Die Hauptaufgabe der Wissenschaftler des Instituts bestand jedenfalls darin, die Gültigkeit der aus der herrschenden Deutung resultierenden Bewertungen internationaler Prozesse oder gesellschaftlicher Zustände mit scheinbar wissenschaftlich fundierten Analysen zu erhärten. Dabei hatten sie spezifische Phänomene so zu ‚untersuchen‘, dass die parteioffiziellen (grundsätzlichen) ideologischen Einschätzungen des Weltgeschehens bestätigt wurden. Hierdurch erbrachten sie einen wichtigen Beitrag zur umfassenden Immunisierung der aktuellen Deutung der Parteispitze gegen Kritik und damit letztlich zur Absicherung deren Deutungsmacht über den Marxismus-Leninismus. Etwas anderes konnten die Babelsberger Wissenschaftler schon aufgrund der starken Reglementierung und Kontrolle ihrer Arbeit kaum leisten. Sich über die vorgegebenen Grenzen trotzdem hinwegzusetzen, hätte eine nicht unerhebliche Gefahr für die eigene Karriere bedeutet. Kritische Auffassungen zu Papier zu bringen, kam für die Kader des Instituts so nicht in Frage, denn auch bei sehr spezifischen internen Abhandlungen blieb der Leserkreis für die Verfasser unüberschaubar. Und selbst bei mündlichen Äußerungen außerhalb der vertrauten Umgebung mussten sie immer damit rechnen, dass ein aufmerksamer Zuhörer Entstellungen von Ideologie und Politik der Partei erkannte. Die Folgen abweichenden Handelns verdeutlichten die Fälle „Bollinger“ und IMS „Kay“.952 Die Aussage des ehemaligen Mitarbeiters Wolfram Wallraf über seine Zeit am IIB beschreibt die Haltung vieler Kader deswegen wohl treffend: „Ich war also ‚drin‘, dachte und redete doppelzüngig...

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