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Goethes Wanderjahre in Lateinamerika und der Südsee

Dieter Strauss

«Wie gern möchte ich nur einmal Humboldten erzählen hören», so ein Seufzer Ottilies in Goethes Wahlverwandtschaften. Aber auch die anderen großen Lateinamerika-Reisenden und Weltumsegler seiner Zeit waren Goethe bekannt. So zum Beispiel Georg Forster, der die zweite Weltumsegelung Kapitän Cooks mitgemacht hatte, oder auch der Vater des brasilianischen Bergbaus Wilhelm von Eschwege und berühmte Brasilienforscher wie Prinz Wied zu Neuwied oder die Bayern Spix und Martius. Diese Entdecker verführten ihn fast zu einer Auswanderung, es blieb jedoch bei Gedankenreisen nach Lateinamerika und in die Südsee – Träume, die sich auch in seinem Werk widerspiegeln. Mehr noch: Der Reisende und Wanderer Goethe ist mit seiner Begeisterung für die Neue Welt in Werken späterer Schriftstellerkollegen selbst zur literarischen Figur geworden.
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„Kennst Du das Land wo die Zitronen blühn?“

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„Kennst Du das Land, wo die Zitronen blühn?“

Einführung

Kennst Du das Land, wo die Zitronen blühn, Im grünen Laub die Goldorangen glühn, Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht, Die Myrte stille und froh der Lorbeer steht, Kennst Du es wohl? Dahin! Dahin Möcht‘ ich mit Dir, o mein Geliebter, ziehn! (1)

Ein Loblied auf den Süden, das die geheimnisvolle Mignon in Goethes „Theatralischer Sendung“ so hinreißend vortrug, dass Wilhelm Meister ganz gebannt war. Ob er es kenne, wollte sie wissen. Und der dachte natürlich spontan an Italien. Dass auch südlichere Länder gemeint sein könnten, zeigt Alexander von Humboldts Bemerkung an Goethe: … und am rauen Winterabend wandelt man ja wohl gerne einmal in einem schön belaubten Tropenwald umher. (2) Und das gilt natürlich ganz besonders für Goethe, den man ja während seiner Straßburger Zeit den Wanderer (3) nannte und den Ernst Feder bei den Feierlichkeiten zu Goethes 200. Geburtstag in Rio de Janeiro im August 1949 sogar zum Brasilianer machte. (4) Der Journalist des „Berliner Tageblatts“ Feder musste vor den Nazis nach Brasilien fliehen und lernte schnell so gut portugiesisch, dass er für brasilianische Zeitungen schreiben konnte. Er war Schachpartner des berühmteren Emigranten Stefan Zweig in Petropolis bei Rio de Janeiro und der Letzte, der Zweig vor dessen Selbstmord im Februar 1942 gesehen hatte. Eine Brasilienbe-geisterung, die sogar der „Nordländer...

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