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Goethes Wanderjahre in Lateinamerika und der Südsee

Dieter Strauss

«Wie gern möchte ich nur einmal Humboldten erzählen hören», so ein Seufzer Ottilies in Goethes Wahlverwandtschaften. Aber auch die anderen großen Lateinamerika-Reisenden und Weltumsegler seiner Zeit waren Goethe bekannt. So zum Beispiel Georg Forster, der die zweite Weltumsegelung Kapitän Cooks mitgemacht hatte, oder auch der Vater des brasilianischen Bergbaus Wilhelm von Eschwege und berühmte Brasilienforscher wie Prinz Wied zu Neuwied oder die Bayern Spix und Martius. Diese Entdecker verführten ihn fast zu einer Auswanderung, es blieb jedoch bei Gedankenreisen nach Lateinamerika und in die Südsee – Träume, die sich auch in seinem Werk widerspiegeln. Mehr noch: Der Reisende und Wanderer Goethe ist mit seiner Begeisterung für die Neue Welt in Werken späterer Schriftstellerkollegen selbst zur literarischen Figur geworden.
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„Da kommen sie und fragen, welche Idee ich in meinem ‚Faust‘ zu verkörpern gesucht. Als ob ich das selber wüsste und aussprechen könnte“

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(1)

Zusammenfassung

Dass wir ein Resümee versuchen, hat seinen Grund vor allem in unserem schnellen Vergessen bei erster Lektüre. Ein Vergessen, das auch Goethe bestätigte: Denn da ich immer vorwärts strebe, so vergesse ich was ich geschrieben habe, wo ich denn sehr bald in den Fall komme, meine Sachen als etwas durchaus Fremdes anzusehen. (2)

Gleicherweise soll der Poet nach mannigfaltiger Kenntnis streben; denn die ganze Welt ist sein Stoff, den er zu handhaben und auszusprechen verstehen muss. (3) Ein „Glaubensbekenntnis“ Goethes vom April 1825, nach dem er sich richtete.

Bereits unser erstes Kapitel „Goethes Prädisposition für Reisen“ zeigt, wie er sich zum Kartenstudium und zur Lektüre von Reisebeschreibungen hingezogen fühlte, ständig seine Weltkenntnis vergrößert hat. Sein Studium war breit, er studierte das „Leben“, genoss die offene Messestadt Frankfurt, den Kreuzpunkt der Kulturen in Straßburg und konnte selbst in der Weimarer Enge Öffnungen in die Welt finden, mit dem Musenhof Anna Amalias, der russischen Zarentochter Maria Pawlowna und den Kontakten nach Amerika.

Dass Goethe Reisen gelernt hat, dass die Fahrten ihn nachhaltig belehrt haben und dass er dabei zum Lernen bereit war, bringt der zweite Abschnitt Goethes „Eigene Reisen“. Ja, sogar, dass ihn seine eigenen Fahrten zu weiteren Traumreisen inspirierten.

Die wurden aber vor allem durch seine Leidenschaft für ferne Länder und Ethnologie, durch die vielen Besucher Weimars, durch seine Spione in der Welt, durch...

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