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Semantik der Leere in deutschen und polnischen Kulturtexten zur Shoah

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Dominika Gortych

Die Autorin beschäftigt sich mit kritischen künstlerischen und literarischen Manifestationen des kulturellen Shoah-Gedächtnisses in Deutschland und Polen vor dem Hintergrund öffentlicher Debatten. Besonderes Augenmerk legt sie auf die vielfältigen semantischen Dimensionen der Leere als zentraler ästhetischer Kategorie in Kulturtexten. Sie fragt nach der Beschaffenheit der Erinnerungskulturen, dem Zusammenhang von Gedächtnis, bewohntem Ort und kollektiven Identitätskonstruktionen sowie dem Trauma der Täter, Zeugen und Nachgeborenen. Die neuen Poetiken der analysierten Werke ermöglichen eine Annäherung an die Shoah und ihre anhaltenden Folgen für alle beteiligten Gruppen. Die Katastrophe erscheint dort als absent und zugleich unterschwellig präsent, als eine am Ort und im Raum erlebbare Leere.
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1. Theoretische und methodologische Grundlagen der Arbeit

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1.1 Einführung in den Diskussionsstand und die Terminologie

Die Erörterung der Frage nach den möglichen Bedeutungen der Leere als ästhetischer Kategorie in literarischen Texten und künstlerischen Werken zur Shoah bedarf mit Blick auf die komparatistische Ausrichtung dieser Arbeit einer multiperspektivischen Herangehensweise. Die Vergleichsachsen beziehen sich, erstens, auf Texte aus Deutschland und Polen sowie, zweitens, auf Texte aus den jeweiligen Subsystemen der Kultur. Deswegen ist es äußerst schwierig, den Forschungsstand in diesem Bereich zusammenhängend darzustellen. Innerhalb von siebzig Jahren der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Thema entstanden zahlreiche Monographien, Anthologien und Sammelbände zur Shoah-Literatur (zieht man die Texte aus den beiden Ländern sowie grenzüberschreitende Arbeiten in Betracht). Auch die Kunst „nach der Shoah“, die sich auf Symptome dieser Grenzerfahrung und ihre Konsequenzen konzentriert, wurde bereits Gegenstand der Forschung. Alle diese Abhandlungen (die zumeist als Aufsätze in Sammelbänden erschienen) samt ihren Ergebnissen zu erwähnen, würde den Rahmen der vorliegenden Studie sprengen. Viel sinnvoller erscheint es, sich auf diejenigen Veröffentlichungen zu beziehen, die im Zuge der eigenen Erforschung des Themas sich als relevant für die hier verfolgte Fragestellung erwiesen und in den analytischen Kapiteln mehrmals zitiert werden oder in den jeweiligen länderspezifischen Shoah-Diskursen bereits eine kanonische Rolle spielen.

Die Aufgabe wird dadurch erschwert, dass es kaum (oder gar keine) Besprechungen gibt, in deren Fokus die Kategorie der Leere steht. Die einzige Veröffentlichung mit dem Titel Semantik der Leere stammt von...

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