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Semantik der Leere in deutschen und polnischen Kulturtexten zur Shoah

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Dominika Gortych

Die Autorin beschäftigt sich mit kritischen künstlerischen und literarischen Manifestationen des kulturellen Shoah-Gedächtnisses in Deutschland und Polen vor dem Hintergrund öffentlicher Debatten. Besonderes Augenmerk legt sie auf die vielfältigen semantischen Dimensionen der Leere als zentraler ästhetischer Kategorie in Kulturtexten. Sie fragt nach der Beschaffenheit der Erinnerungskulturen, dem Zusammenhang von Gedächtnis, bewohntem Ort und kollektiven Identitätskonstruktionen sowie dem Trauma der Täter, Zeugen und Nachgeborenen. Die neuen Poetiken der analysierten Werke ermöglichen eine Annäherung an die Shoah und ihre anhaltenden Folgen für alle beteiligten Gruppen. Die Katastrophe erscheint dort als absent und zugleich unterschwellig präsent, als eine am Ort und im Raum erlebbare Leere.
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2. Die Leerstellen der Shoah-Diskurse in Deutschland und Polen

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Auschwitz ist ein Niemandsland des Verstehens, ein schwarzer Kasten des Erklärens, ein historiographische Deutungsversuche aufsaugendes, ja außerhistorische Bedeutung annehmendes Vakuum. Nur ex negativo, nur durch den ständigen Versuch, die Vergeblichkeit des Verstehens zu verstehen, kann ermessen werden, um welches Ereignis es sich bei diesem Zivilisationsbruch gehandelt haben könnte. Als äußerster Extremfall und damit als absolutes Maß von Geschichte ist dieses Ereignis wohl kaum historisierbar (Diner 1987: 73).

In der Fachliteratur zum Shoah-Diskurs begegnet man zahlreichen eingehenden und sehr komplexen Analysen, die die deutsche und die polnische Erinnerungskultur nach dem Zweiten Weltkrieg zum Gegenstand haben. Sie werden im Folgenden mehrmals angeführt. Es fehlt jedoch an Texten, die sich einer vergleichenden Perspektive bedienen, was für die vorliegende Abhandlung von grundlegender Bedeutung ist. Will man die auf die Erfahrung der Shoah rekurrierenden Kulturtexte aus den beiden Ländern komparatistisch untersuchen, muss man sich auf die jeweiligen nationalen Diskurse in ihren Unterschieden und Ähnlichkeiten beziehen. Ohne eine solche Kontextualisierung vor dem Hintergrund der öffentlichen Debatten wäre eine kultursemiotisch angelegte Analyse literarischer und künstlerischer Artefakte nicht komplett.10 Diesem Bedürfnis kommt das folgende Kapitel entgegen. Es stellt Fragen nach den Spezifika der beiden Erinnerungskulturen, untersucht sie aber auch hinsichtlich der Ereignisse und Phänomene, die für sie eine gleiche oder zumindest vergleichbare Funktion erfüllen. Die jeweiligen Charakteristika der deutschen und der polnischen Erinnerungskulturen nach 1945 sowie die wechselhafte Stellung der Erinnerung an die Shoah im Rahmen dieser Erinnerungskulturen stehen im...

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