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Semantik der Leere in deutschen und polnischen Kulturtexten zur Shoah

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Dominika Gortych

Die Autorin beschäftigt sich mit kritischen künstlerischen und literarischen Manifestationen des kulturellen Shoah-Gedächtnisses in Deutschland und Polen vor dem Hintergrund öffentlicher Debatten. Besonderes Augenmerk legt sie auf die vielfältigen semantischen Dimensionen der Leere als zentraler ästhetischer Kategorie in Kulturtexten. Sie fragt nach der Beschaffenheit der Erinnerungskulturen, dem Zusammenhang von Gedächtnis, bewohntem Ort und kollektiven Identitätskonstruktionen sowie dem Trauma der Täter, Zeugen und Nachgeborenen. Die neuen Poetiken der analysierten Werke ermöglichen eine Annäherung an die Shoah und ihre anhaltenden Folgen für alle beteiligten Gruppen. Die Katastrophe erscheint dort als absent und zugleich unterschwellig präsent, als eine am Ort und im Raum erlebbare Leere.
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Einleitung

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Überblickt man die zahlreich vorliegenden Publikationen zum Thema der Judenvernichtung, so gewinnt man den Eindruck, die Shoah sei das am ausführlichsten beschriebene Phänomen des vorigen Jahrhunderts. Obwohl die letzten Öfen in den Krematorien von Auschwitz vor siebzig Jahren erloschen sind, versuchen weiterhin zahlreiche Historiker, Schriftsteller, Künstler, Literatur-, Kultur-, Sozialwissenschaftler und Psychologen sich mit dieser Katastrophe auseinanderzusetzen. Die Anzahl der veröffentlichten Texte, geschaffenen Kunstwerke und mit wissenschaftlicher Akribie verfassten Aufsätze ist mittlerweile ins Unübersichtliche ausgeufert. Und dennoch zeigt sich immer wieder, dass es noch Fragen gibt, die einer Erörterung bedürfen.

Insbesondere auf dem Gebiet der Literatur- und Kulturwissenschaft besteht nach wie vor ein derartiges Fragepotential. Mit dem Generationenwechsel meldeten sich Schriftsteller und Künstler zu Wort, die in der Auseinandersetzung mit der familiären Geschichte oder aus ethischem Pflichtgefühl in ihrem Schaffen auf unterschiedliche Art und Weise auf die Shoah rekurrieren; damit lassen sich neue Tendenzen innerhalb der Literatur und Kunst „nach der Shoah“ beobachten. Gemeinsam haben die Vertreter dieser jüngeren Generation von Autoren, Theater- und Filmemachern sowie Künstlern das Bewusstsein einer Leere als Distanz, die sie von den Ereignissen trennt, die aber auch ganz neue Präsentations- und Rekonstruktionsversuche der Vernichtung ermöglicht (vgl. Young 2002: 7f.). Doch nicht die primäre Erfahrung der ersten Generation der Überlebenden, sondern die in höchstem Maß vermittelte Erinnerung an sie sowie die Formen des Umgangs mit dieser Erinnerung stehen im Mittelpunkt der kulturellen Texte der nachgeborenen Generationen...

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