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Kinder- und Jugendliteraturforschung 2013/2014

Herausgegeben von Bernd Dolle-Weinkauff, Hans-Heino Ewers und Carola Pohlmann

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Edited By Bernd Dolle-Weinkauff, Hans-Heino Ewers and Carola Pohlmann

Die zwanzigste Folge des Jahrbuchs im Gedenkjahr 2014 bietet Beiträge zur deutschen und zur französischen Kinder- und Jugendliteratur des 1. Weltkriegs von Hans-Heino Ewers und Jana Mikota sowie in Übersetzung einen Auszug aus der wegweisenden Studie La guerre des enfants 1914-1918 des französischen Historikers Stéphane Audoin-Rouzeau. Mit Ramona Herz konnte eine Romanistin gewonnen werden, die eine Spezialistin für das Werk der Autorin Jeanne-Marie Leprince de Beaumont ist. Den Forschungsbericht über die Pixi-Bücher haben zwei Buchwissenschaftlerinnen verfasst. Den Kreis der Beiträger schließen ein Germanist aus Irland mit einer Untersuchung zu den Märchen Wilhelm Matthießens, eine baskische Übersetzungswissenschaftlerin sowie eine Wiener und eine Moskauer Germanistin.
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„… die Lehren dieser Zeit erlauschen.“ Anmerkungen zur Kinder- und Jugendliteratur des 1. Weltkriegs

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← 40 | 41 →Hans-Heino Ewers (Frankfurt am Main)

Die während des 1. Weltkriegs erschienenen Bilder-, Kinder- und Jugendbücher und -zeitschriften sind in der Literaturgeschichtsschreibung bislang eher am Rande beachtet und der Wilhelminischen Kinder- und Jugendliteratur als deren Schlussphase untergeordnet worden. So groß die Kontinuitäten auch gewesen sein mögen, so haben sich doch Akzentverschiebungen ergeben, die es durchaus erlauben, von einer neuen und eigenständigen Etappe der Kinder- und Jugendliteraturgeschichte zu sprechen.1 Auffällig ist zunächst einmal die unmittelbar nach Kriegsausbruch einsetzende außerordentlich umfangreiche Produktion von Kriegsbüchern und Kriegsliteratur für Kinder und Heranwachsende, an der sich nahezu alle Kinder- und Jugendbuchverlage beteiligten. Wir haben es hierbei mit keiner staatlich bzw. behördlich veranlassten Buchproduktion, mit keiner politisch bzw. militärisch verordneten Propaganda zu tun, wie auch die offenkundig vorhandene Nachfrage nach solchen Angeboten mitnichten ‚von oben’ induziert worden war. Das Bedürfnis, auch die Kinder mit dem Kriegsgeschehen zu konfrontieren, scheint in den bürgerlichen Kreisen, die zu den vorwiegenden Käufern von Bilder-, Kinder- und Jugendbüchern gehörten, groß gewesen zu sein. Die Einbindung auch des ganz jungen Nachwuchses in die Zeitereignisse galt dem Bürgertum in dieser als historisch empfundenen Ausnahmesituation als wesentlicher Bestandteil einer patriotischen bzw. nationalen Erziehung.2

Die Kinder- und Jugendliteratur des Kaiserreichs bestand aus einer Vielzahl unterschiedlicher Strömungen. Die progressiven Tendenzen suchten die Kinder- und Jugendliteratur auf die Darstellung kindlicher bzw. jugendlicher Sichtweisen und Erfahrungswelten zu verpflichten. Sie wandten sich gegen jegliche politische,...

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