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Globalisierung, interkulturelle Kommunikation und Sprache

Akten des 44. Linguistischen Kolloquiums 2009 in Sofia

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Edited By Maria Grozeva-Minkova and Boris Naimushin

Dieser Band umfasst 56 Beiträge in deutscher, englischer und französischer Sprache, die auf dem 44. Linguistischen Kolloquium im September 2009 an der Neuen Bulgarischen Universität in Sofia gehalten wurden. Vortragende aus Europa, Asien und Australien behandelten unter dem Thema Globalisierung, interkulturelle Kommunikation und Sprache die vielschichtigen Einflüsse der Globalisierung und der neuen Medien auf die Sprache aus unterschiedlichen Perspektiven. Fragestellungen der gegenseitigen Beziehungen zwischen Sprache und Politik, Sprache und Kultur, Sprache und Gesellschaft werden in Bezug auf die interkulturelle Kommunikation und die Entwicklungstendenzen der Sprache analysiert.
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Identitäten und Identitätskrisen in „Kakanien“

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← 18 | 19 → Dietmar Goltschnigg (Graz)

Die vielfältigen politischen und gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Modernisierungsprozesse hatten im Europa des 19. Jahrhunderts einerseits erfolgreiche Vereinheitlichungen zur Folge (zum Beispiel die Bildung von Nationalstaaten wie Deutschland und Italien), denen andererseits – wie vor allem im Habsburgerreich – massive Heterogenitäten entgegenstanden, und zwar nicht nur soziale, sondern vor allem auch ethnische, kulturelle, religiöse und sprachliche Pluralitäten (Deutsche, Ungarn, Tschechen, Slowaken, Polen, Italiener, Ruthenen, Rumänen, Kroaten, Serben, Bosnier, Slowenen und Juden, um nur die zahlenmäßig größten Volksgruppen zu erwähnen). Diese komplexen Differenziertheiten wurden von der länger ansässigen Bevölkerung in den urbanen Zentren der Donaumonarchie tagtäglich mit wachsenden Ängsten wahrgenommen, die Zugewanderten wurden als identitäts- und existenzbedrohende Fremdkörper empfunden. Ein Vergleich mittelost- und westeuropäischer Migrationsbewegungen erhellt diese Problematik.1 Während um 1900 der Anteil der „Fremden“, das heißt nicht vor Ort Geborenen, in Paris nur 6,3 Prozent der Gesamtbevölkerung betrug, machte er in Wien mit mehr als 60 Prozent etwa das Zehnfache aus. Die nach Wien zugewanderten Bevölkerungsgruppen kamen aus Böhmen und Mähren, aus Ungarn, Galizien und der Bukowina, aber auch aus anderen, vorzugsweise östlichen und südöstlichen Regionen des Habsburgerreichs. Die verstärkte Ausbildung und Wahrnehmung „vertikaler“ und „horizontaler“ Differenziertheiten hatte hier vielfältige politisch-nationale und ethnisch-kulturelle Spannungen und Konflikte zur Folge, individuelle und kollektive fremdenfeindliche Phobien, vor allem auch antisemitische Projektionen, die sich in ebenso mannigfaltigen Identitäts- und Existenzkrisen manifestierten. Die...

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