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Identitätskonstruktionen russlanddeutscher Mennoniten im Spiegel ihrer Literatur

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Lilli Gebhard

Russlanddeutsche Mennoniten gehen in der öffentlichen Wahrnehmung in der Gruppe der Russlanddeutschen und Aussiedler auf. In ihren Selbstbeschreibungen grenzen sie sich jedoch stark von anderen ab. Ihre Besonderheiten zeigen sich in der Menge dessen, was innerhalb der Gruppe gesagt und gedacht werden kann, und finden ihren Niederschlag in ihrer Literatur. Für die Analyse dieser Identitätskonstruktionen wird der diskursanalytische Zugang mit einer Dichten Beschreibung (Clifford Geertz) verknüpft. Mit der Dichten Beschreibung der Literatur wird ein Instrument gewonnen, mit dem der Referenzrahmen bestimmt werden kann, der sich hinter der verwendeten Kollektivsymbolik verbirgt. Damit wird ein bisher unbekannter Textkorpus mit einer innovativen Methodik erstmals untersucht.
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1. Einleitung und forschungsleitende Überlegungen

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1. Einleitung und forschungsleitende Überlegungen

Außerhalb der Sprache findet sich kein endgültiger Bezugspunkt (Ian Chambers, 1996, S. 32)

Was ist das Eigene? Was ist fremd? Fragen nach der Identität sind immer aktuell gewesen und werden es wohl auch bleiben. So ist es kein Wunder, dass sich die Literaturwissenschaft mit dieser Frage auseinandersetzt – dabei jedoch vorwiegend der offensichtlichen Grenzziehung folgt: Aus der eigenen Kultur herausblickend, betrachtet die interkulturelle Literaturwissenschaft andere Kulturen und deren jeweilige Literatur.1 Sie fokussiert sich auf nationale oder ethnische Unterschiede und Gemeinsamkeiten.2 Eine interkulturelle Perspektive auf die eigene Kultur zu richten, eben nicht das vermeintlich Fremde vorwiegend hinter den Landesgrenzen in den Blick zu nehmen, kann für kulturelle Zusammenhänge sensibilisieren und damit ein erweitertes Verstehen ermöglichen. Es könnte beispielsweise überhaupt erst festgestellt werden, dass sich innerhalb einer als homogen angenommenen Gruppe kulturelle Unterschiede verbergen. Somit kann eine interkulturelle Perspektive in die eigene Kultur hinein zu einem tieferen Verstehen beitragen.

Ein solcher Blick wird im Rahmen dieser Arbeit auf die in Deutschland lebenden russlanddeutschen Mennoniten gewagt. Damit wird eine Gruppe betrachtet, die sich selbst auf den ersten Blick relativ homogen als einmalig beschreibt, die klare Verbindungslinien zur umgebenden Landeskultur benennt, aber gleichzeitig auf einem eigenen Identitätskern besteht. Von außen als Gruppe kaum wahrgenommen, geht sie sowohl in der öffentlichen Diskussion als auch in wissenschaftlichen Veröffentlichungen weitgehend in der großen Gruppe der Russlanddeutschen, Aussiedler oder Spätaussiedler auf. Unter diesen Voraussetzungen können...

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