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Identitätskonstruktionen russlanddeutscher Mennoniten im Spiegel ihrer Literatur

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Lilli Gebhard

Russlanddeutsche Mennoniten gehen in der öffentlichen Wahrnehmung in der Gruppe der Russlanddeutschen und Aussiedler auf. In ihren Selbstbeschreibungen grenzen sie sich jedoch stark von anderen ab. Ihre Besonderheiten zeigen sich in der Menge dessen, was innerhalb der Gruppe gesagt und gedacht werden kann, und finden ihren Niederschlag in ihrer Literatur. Für die Analyse dieser Identitätskonstruktionen wird der diskursanalytische Zugang mit einer Dichten Beschreibung (Clifford Geertz) verknüpft. Mit der Dichten Beschreibung der Literatur wird ein Instrument gewonnen, mit dem der Referenzrahmen bestimmt werden kann, der sich hinter der verwendeten Kollektivsymbolik verbirgt. Damit wird ein bisher unbekannter Textkorpus mit einer innovativen Methodik erstmals untersucht.
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4. Analyse der Identitätskonstruktionen

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4. Analyse der Identitätskonstruktionen

Im Folgenden werden anhand einer Dichten Beschreibung Identitätskonstruktionen als Diskursformationen herausgearbeitet. Als für Identitätskonstruktionen russlanddeutscher Mennoniten bedeutsame Kategorien werden die Begriffe Heimat, Himmel, Heimatlosigkeit und Sehnsucht sowie das Selbstverständnis, die Abgrenzung von Anderen und die Sprache beschrieben. Jedem folgenden Kapitel ist ein kurzer Einblick in ausgewählte Ausschnitte der gegenwärtigen Forschungslage in Bezug auf die jeweilige Kategorie vorangestellt. Diese Vorgehensweise soll lediglich dem besseren Verständnis der spezifischen Ausprägung dienen, nicht jedoch die notwendige noch zu leistende Kontextualisierung im Rahmen der Kultur als Kontext von Literatur vorwegnehmen.

Es gibt bereits Untersuchungen zur Heimat-Konzeption bei Russlanddeutschen. Annelore Engel-Braunschmidt benennt Heimat neben Sprache als eines der Schlüsselworte in der russlanddeutschen Literatur, das sich auf Schlüsselkonzepte beziehe, die auch „operativ wirken, d.h. bestimmte Verhaltensweisen einfordern oder steuern“.209 Heimat wird also auch in anderen Untersuchungen als bedeutsame Kategorie für das Anzeigen und Bewahren von Sinn innerhalb einer Gruppe beschrieben.210 Allerdings ist fraglich, ob von der allgemeinen Gruppe der Russlanddeutschen auf gleiche Ergebnisse bei den russlanddeutschen Mennoniten geschlossen werden kann. ← 75 | 76 →

Ljuba Kirjuchina untersuchte diesen Begriff in der sowjetdeutschen Lyrik.211 Kirjuchina weist in ihrer Untersuchung darauf hin, dass die Beziehung von Heimat und Individuum „durch ein tiefes und unerschütterliches Vertrauen gekennzeichnet“ sei.212 Sie verwendet die untersuchte Lyrik als sowjetdeutsche, ohne weitere Hintergründe der Verfasser zu spezifizieren. Sowjetdeutsche Lyrik ist bei ihr jegliche in deutscher Sprache in der Sowjetunion verfasste Lyrik. Dabei...

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