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Prädiktoren von Aggression

Eine Untersuchung der Faktoren Wahrnehmung und Regulation von Emotionen, Ambiguitätstoleranz, Selbstwertschätzung und Selbstwertdiskrepanz bei Patienten aus der Forensischen und der Allgemeinen Psychiatrie

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Christian Fischer

Aggression ist ein Phänomen, mit dem sich bereits zahlreiche Disziplinen der Psychologie beschäftigt haben. Auch wenn in der aktuellen Berichterstattung der Medien der Eindruck entstehen mag, dass aggressives Verhalten ein Merkmal der aktuellen Gesellschaft ist und fortwährend zunimmt, so nimmt Aggression keine Sonderrolle im menschlichen Verhaltensspektrum ein. Ebenso wenig handelt es sich um ein Phänomen der aktuellen Zeit. Dennoch stellt sich die Frage, warum einige Personen vermehrt zur Aggression neigen. Nach einer Übersicht zu psychologischen Theorien zur Erklärung von Aggression und Methoden zur Aggressionsmessung, wird mit den Ergebnissen einer Untersuchung bei Patienten aus der Forensischen und der Allgemeinen Psychiatrie das komplexe Zusammenspiel einzelner Persönlichkeitsmerkmale wie Selbstwertschätzung, Impulsivität, Ambiguitätstoleranz sowie der Faktoren Wahrnehmung und Regulation von Emotionen aufgezeigt. Neben dieser wechselseitigen Beeinflussung der einzelnen Prädiktoren, die von der oftmals trivialen Betrachtung von 1:1-Beziehungen einzelner Prädiktoren von Aggression abrät, ergaben sich weitere Ergebnisse. Diese gehen teilweise über die gängige Literatur hinaus und geben sowohl Anstöße für weitere Untersuchungen von Aggression als auch für die Praxis bei Diagnostik und Therapie (z. B. die Unterscheidung zwischen funktionaler und dysfunktionaler Impulsivität, Einfluss der Ambiguitätstoleranz).
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1 Einleitung

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„Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen Ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“

Beim Lesen dieses Zitates mag man dem sofort zustimmen und glauben, dass es sich um eine Beschreibung der aktuellen gesellschaftlichen Situation handelt. Dem ist jedoch nicht so, vielmehr handelt es sich um ein Zitat des antiken griechischen Philosophen Sokrates (um 469 v. C.–399 v. C.). Es zeigt sich, dass es Fehlverhalten in der menschlichen Gesellschaft schon seit der Antike und letztendlich seit Bestehen der menschlichen Gesellschaft gibt.

Betrachtet man die aktuelle Berichtserstattung der Medien, entsteht der Eindruck einer Gesellschaft, in der Fehlverhalten und insbesondere gewalttätiges Verhalten zur Tagesordnung gehören. Nahezu täglich lassen sich Reportagen über Gewaltstraftaten finden, wodurch das Gefühl einer drastischen Zunahme der Gewalt innerhalb der Gesellschaft entsteht. Bei Betrachtung der Kriminalstatistik und deren Entwicklung in den letzten Jahren zeigt sich jedoch ein deutlich differenzierteres Bild. Im Vergleich zu den 1990er Jahren kam es bis zum aktuellen Tage durchaus zu einem Anstieg bei den verübten Straftaten. Neben den verzeichneten Delikten, die unbestrittener Weise an erster Stelle für die Zahlen verantwortlich zeichnen, gibt es aber auch noch andere Einflussfaktoren, die bei der Zunahme der registrierten Straftaten...

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