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Prädiktoren von Aggression

Eine Untersuchung der Faktoren Wahrnehmung und Regulation von Emotionen, Ambiguitätstoleranz, Selbstwertschätzung und Selbstwertdiskrepanz bei Patienten aus der Forensischen und der Allgemeinen Psychiatrie

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Christian Fischer

Aggression ist ein Phänomen, mit dem sich bereits zahlreiche Disziplinen der Psychologie beschäftigt haben. Auch wenn in der aktuellen Berichterstattung der Medien der Eindruck entstehen mag, dass aggressives Verhalten ein Merkmal der aktuellen Gesellschaft ist und fortwährend zunimmt, so nimmt Aggression keine Sonderrolle im menschlichen Verhaltensspektrum ein. Ebenso wenig handelt es sich um ein Phänomen der aktuellen Zeit. Dennoch stellt sich die Frage, warum einige Personen vermehrt zur Aggression neigen. Nach einer Übersicht zu psychologischen Theorien zur Erklärung von Aggression und Methoden zur Aggressionsmessung, wird mit den Ergebnissen einer Untersuchung bei Patienten aus der Forensischen und der Allgemeinen Psychiatrie das komplexe Zusammenspiel einzelner Persönlichkeitsmerkmale wie Selbstwertschätzung, Impulsivität, Ambiguitätstoleranz sowie der Faktoren Wahrnehmung und Regulation von Emotionen aufgezeigt. Neben dieser wechselseitigen Beeinflussung der einzelnen Prädiktoren, die von der oftmals trivialen Betrachtung von 1:1-Beziehungen einzelner Prädiktoren von Aggression abrät, ergaben sich weitere Ergebnisse. Diese gehen teilweise über die gängige Literatur hinaus und geben sowohl Anstöße für weitere Untersuchungen von Aggression als auch für die Praxis bei Diagnostik und Therapie (z. B. die Unterscheidung zwischen funktionaler und dysfunktionaler Impulsivität, Einfluss der Ambiguitätstoleranz).
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2 Begriffsklärung und Definition von Aggression

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Als erstes soll zwischen den Begriffen Aggressivität und Aggression unterschieden werden. Während sich der Begriff Aggression auf ein beobachtbares Verhalten bezieht, bezeichnet die Aggressivität eine stabile Bereitschaft zu aggressiven Verhaltensweisen. Aggressivität wird in der Regel von einem offen beobachteten Verhalten abgeleitet (Selg, 1974).

Aggression gilt als Phänomen, von dem angenommen wird, dass es art- und kulturübergreifend vorhanden ist. Aggressionen hat somit jeder Mensch. Des Weiteren kann der Aggression eine zentrale Bedeutung im Zusammenleben der menschlichen Gesellschaft zugeschrieben werden. Nach Selg (1974) besteht Aggression aus einem gerichteten Austeilen von schädlichen Reizen gegen Organismen, dies kann offen (verbal und körperlich) oder verdeckt (fantasiert) geschehen. Aggression kann positiv (von der Kultur gebilligt) oder negativ (missbilligt) sein. Die Unterscheidung zwischen positiven und negativen Aggressionen wird auch von Weidner und Kilb (2004) aufgegriffen. Laut den Autoren gelten positive Aggressionen als konstruktiv, sie dienen unter anderem der Erreichung eigener Ziele und der Selbstbehauptung. Im Sinne der Sublimierung werden sie auch im Sport ausgelebt. Aggression ist demnach also nicht automatisch mit gewalttätigem Verhalten gleichzusetzen. Dem gewalttätigen Verhalten werden die negativen Aggressionen zugeordnet, sie gelten als destruktiv und werden in der Regel von der Gesellschaft nicht gebilligt.

Von Buss (1961; zitiert nach Selg, 1974) erfolgt eine Einteilung in verbale und körperliche Aggression. Der körperlichen Aggression werden objektivierbare Verletzungen sowie Schmerzen zugeschrieben. Im Gegensatz zur verbalen Aggression ist sie direkt beobachtbar, während die verbale Aggression für Außenstehende oftmals...

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