Show Less
Restricted access

Wissenschaftliche Positionen zum Staatskirchenrecht der frühen Bundesrepublik Deutschland (1949-1969)

Series:

Fabio Borggreve

Gegenstand des vorliegenden Buches ist die Diskussion um das Staatskirchenrecht in der frühen Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1969. Grundsätzlich musste nach der Inkorporation der Weimarer Kirchenrechtsartikel durch Art. 140 GG die Frage geklärt werden, wie das Verhältnis zwischen Staat und Kirche im neuen grundgesetzlichen Kontext zu sehen war. Der Autor Fabio Borggreve vollzieht zentrale wissenschaftliche Positionen dieser Zeit nach und setzt sich mit den Argumentationslinien und Denkschulen jener Jahre auseinander. Die hierbei gewonnenen Erkenntnisse werden abschließend zusammengefasst und im Zusammenhang der allgemeinen Entwicklung des Staatskirchenrechts betrachtet.
Show Summary Details
Restricted access

4. Teil: Die Relativierung des Koordinationsmodells und Verlagerung der Diskussion

Extract

4. Teil: Die Relativierung des Koordinationsmodells und Verlagerung der Diskussion

Nach der fundamentalen Kritik aus staatsrechtlicher Sicht in der ersten Hälfte der Sechzigerjahre versuchte die herrschende Lehre, vor allem repräsentiert durch K. Hesse2877, einen ausgleichenden Ansatz zu finden.2878 Als Hintergrund wurde auch eine veränderte Position der Kirche in der Verfassungswirklichkeit angeführt, deren pluralistische Züge zu einem zentralen Argument in der Diskussion wurden. K. Obermayer2879 griff die zurückliegende Diskussion auf und legt einen neuen Schwerpunkt auf Art. 4 GG, während H. Quaritsch2880 seine kritische Position gegenüber der herrschenden Lehre noch einmal präzisierte.2881 A. Hollerbach2882 brachte die neue Judikatur des Bundesverfassungsgerichts in die Diskussion ein und P. Mikat2883 beschrieb ein neues Verständnis der katholischen Kirche für eine säkulare und pluralistische Demokratie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil.2884

K. Hesses2885 vierter Beitrag ist ein Referat, das er am 30. April 1965 auf der Heidelberger Tagung der Mitarbeiter der Zeitschrift für evangelisches Kirchenrecht hielt.

Die Entwicklung des Staat-Kirche-Verhältnisses habe in den letzten Jahren eine Bestätigung und Vertiefung der partnerschaftlichen Grundlinie erfahren, die in ← 331 | 332 → der Nachkriegszeit gesetzt worden sei und eine Entproblematisierung und Entspannung gebracht habe.2886 Kirche und Staat regelten ihre Verhältnisse mehr und mehr im rechtlichen Einvernehmen, wie das niedersächsische Konkordat mit dem Heiligen Stuhl zeige.2887 Auch im Saarland und der Rheiland-Pfalz gebe es solche Lockerungsbewegungen.2888 Die freundschaftliche Zusammenarbeit drücke sich ferner in einer Vielzahl von technischen Einzelregelungen aus,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.