Show Less
Open access

Triangulation in der Fremdsprachenforschung

Series:

Edited By Daniela Elsner and Britta Viebrock

Fremdsprachenlernen und Fremdsprachenunterricht sind facettenreiche Forschungsgegenstände, deren Untersuchung ein komplexes Design verlangt. Um ein multidimensionales Bild der ablaufenden Prozesse zu erhalten, werden in der fremdsprachlichen Unterrichtsforschung immer häufiger rekonstruktive und interpretative Verfahren mit standardisierten quantitativen Methoden verbunden. Methoden-, Theorie-, Daten- oder Beobachtertriangulation werden zur Überprüfung von Forschungsergebnissen sowie zur Erweiterung von Erkenntnismöglichkeiten eingesetzt. Die Beiträge in diesem Band zeigen die unterschiedlichen Dimensionen des Triangulationskonzepts, seine theoretischen Grundlagen sowie praktische Anwendungen. Sie sind im Anschluss an die zweite forschungsmethodische Sommerschule der Deutschen Gesellschaft für Fremdsprachenforschung (DGFF) entstanden.
Show Summary Details
Open access

Videografie als Instrument zur Erforschung von Interaktionsprozessen im Elementarbereich

← 80 | 81 →Videografie als Instrument zur Erforschung von Interaktionsprozessen im Elementarbereich

Heidi Seifert

Während im Bereich der empirischen Unterrichts- und Bildungsforschung ein allgemeiner Anstieg videobasierter Forschungsaktivitäten zu verzeichnen ist, wird die Videografie als Instrument zur Erforschung von Bildungsprozessen im Elementarbereich noch selten eingesetzt. Dies spiegelt sich auch in der überschaubaren Publikationslage zur methodischen Anlage von Videostudien im Elementarbereich wider. Der vorliegende Beitrag nimmt dies zum Anlass, um die Einsatzmöglichkeiten der Videografie im Forschungsfeld Kita darzustellen und unter verschiedenen Gesichtspunkten zu diskutieren. Am Beispiel einer Dissertationsstudie zu Erzieherin-Kind-Interaktionen in einer bilingualen Kita werden die einzelnen Phasen im videobasierten Forschungsprozess – von der Vorbereitung der Datenerhebung, die insbesondere die Beachtung datenschutzrechtlicher Aspekte umfasst, über die Durchführung der videobasierten Datenerhebung bis hin zur Aufbereitung und Analyse der Videodaten – explizit aufgegriffen und methodische Überlegungen eingehend diskutiert.

1. Einleitung

Das Verfahren der Videografie konnte sich in den letzten Jahren in der empirischen Unterrichts- und Bildungsforschung zunehmend etablieren. Auch in der Fremdsprachendidaktik findet die videobasierte Beobachtung von Lehr- und Lernprozessen verstärkt Beachtung. Die Zunahme videogestützter Forschungsaktivitäten ist in erster Linie auf technische Entwicklungen zurückzuführen, die gänzlich neue Perspektiven für die Videografie eröffneten. Während in den 70er und 80er Jahren die Durchführung von Videostudien mit einem erheblichen Kosten- und Planungsaufwand verbunden war, ermöglichen technische Neuerungen heutzutage eine vergleichsweise komfortable Aufzeichnung, Verarbeitung und Analyse audiovisueller Daten und führten so zu „einem Qualitätssprung der Videoaufzeichnung bei gleichzeitig sinkenden Kosten“ (Petko et al. 2003: 265). Moderne Camcorder zeichnen in hochauflösendem Digitalformat auf und gewährleisten so ein hohes Maß an Bild- und Tonqualität. Zudem wurden Softwaretools entwickelt (z.B. Videograph, Interact, Catmovie, Atlas.ti), die eine deutlich verbesserte und komfortable Archivierung, Verarbeitung und Analyse selbst großer Datensätze ermöglichen.

← 81 | 82 →Neben den technischen Entwicklungen, die zu einer zunehmenden Beliebtheit der Videografie geführt haben, zeigt ein Vergleich mit der verwandten Methode der teilnehmenden Beobachtung, dass der Einsatz der Videografie – in Abhängigkeit von dem jeweiligen Forschungsgegenstand und dem individuellen Erkenntnisinteresse – für einige Beobachtungsstudien einen forschungsmethodischen Mehrwert bedeuten kann. Während die teilnehmende Beobachtung teilweise von den theoretischen Vorannahmen des Forschers eingefärbt sein kann, ermöglicht die videogestützte Beobachtung eine „relativ theorieunabhängige und komplexitätserhaltende Dokumentation“ (Schramm/Aguado 2010: 186), so dass Videodaten gegenüber Daten aus einer teilnehmenden Beobachtung eine „weniger subjekt- und theoriegebundene Qualität“ (Petko et al. 2003: 265) aufweisen können. Ein weiterer Vorteil gegenüber der teilnehmenden Beobachtung besteht darin, dass die Beobachtung iterativ durchführbar ist, d.h. dass die Beobachtung beliebig oft wiederholt werden kann (vgl. u.a. Knoblauch/Schnettler 2007: 586). Dank der Reproduzierbarkeit der Beobachtung ist es fortan auch möglich, unterschiedliche Fragestellungen und Erkenntnisinteressen verschiedener Forscher/innen an einen einmal erhobenen Videodatensatz heranzutragen (vgl. Pauli/Reusser 2006: 791).

Die Videografie kann demnach als Methode beschrieben werden, die die begrenzte Wahrnehmungs- und Verarbeitungskapazität von Beobachter/innen im Forschungsfeld sowie die Flüchtigkeit des Geschehens überwinden kann. Die videobasierte Beobachtung gilt daher als Erhebungsinstrument, das der Komplexität von Unterrichtsprozessen bzw. Lehr- und Lernprozessen am ehesten Rechnung trägt (vgl. Schramm/Aguado 2010). Aufgrund ihrer dokumentierenden Funktion und Anschaulichkeit können Videodaten darüber hinaus für die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften nutzbar gemacht und als flexibles Medium zur Aneignung professionellen Wissens und professioneller Handlungsstrategien von Lehrkräften eingesetzt werden (zu verschiedenen Einsatzmöglichkeiten von Videos in der Lehrerbildung siehe Fischer/Schratz 2005). Videoaufzeichnungen, die im wissenschaftlichen Kontext erhoben wurden, können beispielsweise als Anschauungsmaterial zur Illustration von Forschungsergebnissen in der Lehrerbildung dienen und so eine „Brücke über die Kluft zwischen didaktischer Theorie und Praxis“ (Petko et al. 2003: 278) schlagen sowie einen „Kristallisationspunkt der fachdidaktischen Verständigung“ (ebd.: 278) bilden.

Parallel zum Anstieg videobasierter Forschungsaktivitäten im Bereich der empirischen Unterrichtsforschung fällt jedoch auf, dass Publikationen zum methodischen Design von Videostudien und zu Einsatzmöglichkeiten des Verfahrens der Videografie vorwiegend im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich zu verorten sind (siehe z.B. Aufschnaiter/Welzel 2001, Hugener et al. ← 82 | 83 →2006). In der (Fremd-)Sprachendidaktik scheinen Methodendiskussionen zur Durchführung von videogestützten Beobachtungsstudien bisher weniger etabliert zu sein. Hinsichtlich der defizitären Publikationslage zur methodischen Anlage von Videostudien stellen so auch Ricart Brede et al. (2010: 259) resümierend fest: „Insgesamt stellt die explizite Beschreibung der Anlage und Durchführung von Videostudien im Bereich des Sprachunterrichts, zumindest des Deutschunterrichts, ein Desiderat dar.“ Darüber hinaus spiegelt die Sichtung der Literatur zur Videografie wider, dass Videostudien bisher vorwiegend im Kontext schulischer Forschung zum Einsatz kommen. Für die videobasierte Erforschung von Lern- und Bildungsprozessen im Elementarbereich liegen zwar erste empirische Studien vor (z.B. König 2006, Ricart Brede 2011), jedoch scheint die Methode für diesen Bildungssektor bisher weniger Beachtung gefunden zu haben als in der empirischen Unterrichtsforschung.

Anliegen des vorliegenden Beitrags ist es daher, die Genese einer Videostudie im Elementarbereich offenzulegen und die methodischen Überlegungen, die bei der Entwicklung des Forschungsdesigns sowie der Planung und Durchführung der videobasierten Datenerhebung eingeflossen sind, zu diskutieren. Dies geschieht am Beispiel eines Dissertationsprojekts zum sprachlichen Interaktionsverhalten von pädagogischen Fachkräften in einer bilingualen Kita. Der Forschungsgegenstand und die Ziele der Studie werden im Folgenden skizziert.

2. Erkenntnisinteresse des Forschungsvorhabens

Die europäische Sprachenpolitik setzt sich angesichts der zunehmenden Globalisierung und Internationalisierung des Arbeitsmarktes für die Förderung der individuellen Mehrsprachigkeit, den Erhalt und die Pflege der Sprachenvielfalt in Europa, sowie ein lebenslanges Fremdsprachenlernen ein (vgl. Europäische Kommission 1996). Insbesondere die Umsetzung der so genannten 3-Sprachenformel (Erstsprache und zwei Fremdsprachen), die es jedem EU-Bürger ermöglichen soll, im Laufe seines Lebens Kompetenzen in mehreren Sprachen zu erwerben, ist ein erklärtes Ziel der europäisches Sprachenpolitik (vgl. ebd.). In den letzten Jahren fanden die sprachenpolitischen Empfehlungen durch die Einrichtung bilingualer Grundschulklassen und der Eröffnung bilingualer Kindergärten erste Umsetzungen. In Deutschland steigt vor allem die Nachfrage an bilingualen Kitas, so dass ihr Anteil allein seit 2007 um 25% angestiegen ist (vgl. FMKS 2010). Einrichtungen mit der Sprachenkombination Deutsch-Englisch nehmen mit 42% eine dominante Stellung unter den bilingualen Vorschulangeboten ein (vgl. ebd.). Viele dieser zweisprachigen Kindergärten arbeiten nach der Methode der Immersion, die aufgrund der Erkenntnisse der kanadischen ← 83 | 84 →Immersionsforschung als eine der erfolgreichsten Methoden der Fremdsprachenfrühvermittlung gilt (vgl. u.a. Genesee 1987, Wode 1995, Zydatiß 2000). Im Rahmen dieser Methode ist die zu erlernende Sprache nicht der Lerngegenstand wie im traditionellen Fremdsprachenunterricht, sondern die Arbeitssprache, die sämtliche Aktivitäten und den gesamten Tagesablauf in der Einrichtung begleitet. Die Sprachverwendung erfolgt innerhalb der Methode der Immersion nach der funktionalen Sprachentrennung gemäß dem Prinzip one person-one language (vgl. Döpke 1992). So interagieren beispielsweise in einer deutsch-englischen Kita die deutschsprachigen Fachkräfte ausschließlich auf Deutsch und die englischsprachigen Fachkräfte ausschließlich auf Englisch mit den Kindern.

Findet kindlicher Spracherwerb in einer bilingualen Kita in einem immersiven Kontext und gemäß der personengebundenen Sprachverwendung statt, kommt der sprachlichen Interaktion zwischen den Kindern und den pädagogischen Fachkräften eine wesentliche Bedeutung für den bilingualen Spracherwerb zu. Die Bedeutung der sozialen Lernumwelt für die Aneignung sprachlicher Kompetenzen greifen sowohl interaktionistisch-kognitivistische als auch soziokulturelle Erklärungsansätze zum Spracherwerb auf wie die Interaktionshypothese nach Long (1996) oder die „Zone der nächsten Entwicklung“ nach Wygotski (1987). Vor dem Hintergrund dieser interaktionistisch-kognitivistisch und soziokulturell geprägten Annahmen zum Spracherwerb kommt pädagogischen Fachkräften in Kitas eine tragende Rolle als Interaktions- und Kommunikationspartner zu, welche die sprachlichen Entwicklungschancen der betreuten Kinder durch ihr sprachliches Interaktionsverhalten entscheidend beeinflussen können.

Trotz der steigenden Beliebtheit bilingualer Kitas sind die spezifischen Rahmenbedingungen, denen der kindliche Spracherwerb in jenen Einrichtungen unterliegt, nach wie vor weitestgehend unerforscht. Das Dissertationsprojekt knüpft an dieses Forschungsdesiderat an, indem es in der deutsch-englischen Kita der TU Darmstadt ausgehend von interaktionistischen und soziokulturellen Erklärungsansätzen zum Spracherwerb Interaktionsprozesse zwischen pädagogischen Fachkräften und Kindern untersucht. In der Einrichtung, in der derzeit 40 Kinder von Bediensteten und Studierenden der TU Darmstadt betreut werden, wird die beschriebene Methode der Immersion und die personengebundene Sprachverwendung als Spracherziehungskonzept eingesetzt. Die leitende Frage des Dissertationsvorhabens ist, wie die deutsch- und englischsprachigen pädagogischen Fachkräfte im Kontext von Immersion und dem Prinzip one person-one language folgend sprachliche Interaktionen mit den ein- bis dreijährigen Kindern gestalten und welche Charakteristika das sprachliche Verhalten in diesen Situationen aufweist. Diese übergeordnete Forschungsfrage wurde in die folgenden Teilfragen aufgeschlüsselt.

← 84 | 85 →1.Welche Arten von Erzieherin-Kind-Kommunikationssituationen kommen während der Freispielzeit in der bilingualen Kita zustande?

2.Welche Charakteristika weist das sprachliche Verhalten der Erzieherinnen auf und welche Formen sprachlicher Unterstützung leisten sie in den verschiedenen Interaktionssituationen?

Mittels der ersten Teilfrage sollen Aktivitäten identifiziert werden, die rahmengebend und Voraussetzung für sprachliche Interaktionsprozesse zwischen pädagogischen Fachkräften und Kindern sind. Darauf aufbauend sollen in einem zweiten Schritt mikroanalytisch einzelne Sequenzen näher in den Blick genommen und das sprachliche Interaktionsverhalten der Erzieherinnen mit einem besonderen Fokus auf den Einsatz von Strategien des Scaffoldings und Aspekten der Responsivität analysiert werden.

Die Ergebnisse der Studie werden dezidiert beschreiben, wie sprachliche Interaktionsprozesse zwischen pädagogischen Fachkräften und Kindern in der bilingualen Kita gestaltet sind. Zugleich sollen sie einen empirisch abgesicherten Einblick in die sprachliche Bildungsarbeit bilingualer Kitas liefern, der bislang in der Form noch nicht vorliegt. Damit können die Ergebnisse einen Beitrag zur Erforschung von Bedingungsfaktoren des kindlichen Spracherwerbs in bilingualen Kitas leisten. Darüber hinaus können die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Untersuchung auch eine Relevanz für die Praxis haben, indem sie als Ausgangsbasis für die Entwicklung von Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen für pädagogisches Personal in bilingualen Kitas dienen können. In diesem Zusammenhang können auch die Videodaten zur Veranschaulichung und Reflexion eingesetzt werden.

3. Der Einsatz von Videografie in der vorliegenden Studie

Ausgehend vom Forschungsgegenstand des Dissertationsprojekts soll in diesem Kapitel erörtert werden, warum die videobasierte Beobachtung eine geeignete Methode zur Bearbeitung der Forschungsfragen darstellt und wie sie in der vorliegenden Studie eingesetzt wird. Im Folgenden soll zunächst beschrieben werden, wie der Entscheidungsprozess für diese Methode in Verbindung mit der Generierung der Forschungsfragen gestaltet war. Darauf aufbauend sollen Punkte thematisiert werden, die bei der Vorbereitung einer videobasierten Datenerhebung im Elementarbereich zu beachten sind. Es werden zentrale Aspekte der Hauptdatenerhebung skizziert, bevor das Kapitel mit einem Ausblick auf das weitere geplante methodische Vorgehen, insbesondere bei der Datenauswertung, schließt.

← 85 | 86 →3.1 Vorüberlegungen

Vor der eigentlichen Datenerhebung wurde das Forschungsfeld mehrere Monate mittels teilnehmender Beobachtung erkundet. Durch die regelmäßigen, d.h. an zwei Vormittagen pro Woche stattfindenden Beobachtungen konnte ein erster Feldzugang geschaffen und ein Vertrauensverhältnis zu den pädagogischen Fachkräften und der Kita-Leitung, aber auch zu den Kindern und deren Eltern aufgebaut werden. Die teilnehmende Beobachtung ermöglichte zudem wertvolle erste Einblicke in den Kita-Alltag mitsamt seiner Routinen, die Außenstehenden in dieser Form nicht zugänglich wären (vgl. Bortz/Döring 2006: 267).

Die Erkundung des Forschungsfeldes kann in diesem Forschungsvorhaben als Prozess verstanden werden, der sich in seinen Grundzügen an den „klassischen“ Phasen einer teilnehmenden Beobachtung orientiert, die von Spradley (1980, zitiert nach Flick 2004: 207) beschrieben wurden. Diese Phasen sind gekennzeichnet durch eine zunehmende Konkretisierung und Konzentration auf einen speziellen Forschungsgegenstand (vgl. Flick 2004: 207). Die teilnehmende Beobachtung erfolgte dabei zunächst als „deskriptive“ (ebd.) oder auch als „freie“, „offene“, „unstandardisierte“ (Bortz/Döring 2006: 269) Beobachtung. Es sollten in einem ersten Schritt, einem qualitativ-explorativ orientierten Forschungsdesign Rechnung tragend, unvoreingenommen alle Aspekte in die Beobachtung einbezogen werden, um dadurch die Komplexität des Forschungsfeldes möglichst differenziert erfassen zu können. Die Eindrücke aus der teilnehmenden Beobachtung sowie umfassende Ereignisabläufe und interessant erscheinende Einzelheiten wurden nach jedem Kita-Besuch in einem Forschungstagebuch festgehalten. Parallel zur teilnehmenden Beobachtung und der Verschriftlichung der Beobachtungsergebnisse im Forschungstagebuch wurde die Forschungsliteratur gesichtet und mit den Eindrücken aus dem Kita-Alltag abgeglichen. Durch diesen zyklischen Prozess verengte und verdichtete sich der Beobachtungsfokus zunehmend zu einer „fokussierten Beobachtung“ (Spradley 1980, zitiert nach Flick 2004: 207) der sprachlichen Interaktionsprozesse zwischen den pädagogischen Fachkräften und den Kindern während der Freispielzeit. Das endgültige Forschungsinteresse wurde schließlich in den oben genannten Forschungsfragen konkretisiert und in mehrere Teilfragen gegliedert. Die teilnehmende Beobachtung fand in der Folgezeit zunehmend „selektiver“ statt (ebd.) und konzentrierte sich größtenteils auf Beobachtungssituationen, die für die formulierte Fragestellung relevant waren.

Im Zuge der Generierung der Forschungsfragen und der Verdichtung des Beobachtungsfokus auf die sprachlichen Interaktionsprozesse zwischen Erzieherinnen und Kindern erfolgten zudem wichtige Vorüberlegungen zum Einsatz der ← 86 | 87 →Videografie als Datenerhebungsinstrument in der vorliegenden Studie. Zwar fungierte die teilnehmende Beobachtung in der Kita als wichtiger Schlüssel, um einen ersten Feldzugang zum Forschungsfeld und den Akteuren herzustellen und um direkt aus dem Feld die Forschungsfragen zu entwickeln, doch erwies sich die Methode als unzulänglich, um einen angemessenen Datenkorpus für die Dissertationsstudie zu erstellen. Aufgrund der Komplexität und Vielschichtigkeit des Forschungsgegenstandes – sprachliche Interaktionen enthalten sowohl verbale, paraverbale und nonverbale Elemente – stellte es sich äußerst schwierig dar, diese Fülle an Informationen zu protokollieren. Zudem konnte meistens erst im Anschluss an die Beobachtung und nicht direkt in der Situation protokolliert werden. Da Erinnerungen an konkrete Situationen jedoch nur zeitlich begrenzt abrufbar sind, waren die Protokolle oft lückenhaft und anfällig für Beobachtungsfehler und subjektive Verzerrungen. In Verbindung mit der Flüchtigkeit und mangelnden Konservierbarkeit der Daten aus der teilnehmenden Beobachtung wurde es zudem als zunehmend unbefriedigend empfunden, dass die Daten in ihrer Authentizität und Informationsfülle nicht unmittelbar mit anderen Forscher/innen zu Zwecken der kommunikativen Validierung geteilt werden konnten. Diese anhand der Beobachtungsprotokolle vorzunehmen, muss als äußerst schwierig erachtet werden, da die Daten an sich bereits subjekt- und theoriegeleiteten Interpretationen durch die beobachtende Person unterliegen. Die genannten Schwächen der teilnehmenden Beobachtung, wie die Komplexität der Daten, deren begrenzte Dokumentierbarkeit und die Flüchtigkeit der Beobachtung, waren in Kombination mit den eingangs erwähnten Vorzügen der videobasierten Beobachtung die Hauptargumente für den Einsatz der Videografie als Datenerhebungsinstrument.

Mit der Entscheidung für den Einsatz der Videografie sind vor der eigentlichen Datenerhebung wichtige Vorbereitungen zu treffen. Zum einen müssen die Akteure im Feld ihre Zustimmung zur Teilnahme an der Videostudie geben. Zum anderen ist ein geeignetes Aufnahmekonzept, das eine Standardisierung der Aufnahmesituation ermöglicht, zu entwickeln und zu pilotieren. Wie diese beiden Schritte in der beschriebenen Dissertationsstudie bewältigt wurden, soll im Folgenden dargelegt werden.

Datenschutz

Bei Videodaten handelt es sich um äußerst sensible Daten. Anders als bei Audioaufnahmen oder Interviews ist eine komplette Anonymisierung der Daten nur unter großem technischen Aufwand möglich, was gleichzeitig mit einem erheblichen Authentizitätsverlust und einer Einschränkung der Aussagekraft des Datenmaterials einhergeht (vgl. Petko et al. 2003: 269). Insbesondere bei ← 87 | 88 →Analysen, bei denen die Mimik der beobachteten Personen einbezogen werden soll, ist eine Anonymisierung der Daten problematisch. Dieser Umstand erfordert einen äußerst sensiblen und verantwortungsvollen Umgang mit dem erhobenen Videomaterial sowie den Richtlinien des Datenschutzes. Sollen Personen zu wissenschaftlichen Zwecken gefilmt werden, müssen alle an der Videostudie Beteiligten in schriftlicher Form ihr ausdrückliches Einverständnis dafür erteilen. Die rechtliche Grundlage für dieses Vorgehen findet sich im allgemeinen Persönlichkeitsrecht (APR) und ist im Grundgesetz rechtlich verankert (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung 1998: 13).

Diese Einverständniserklärung, auch informed consent form (Mackey/Gass 2005: 26)1, sollte einführende Informationen zur Durchführung und zum Ziel der Studie enthalten und transparent machen, wie die Daten bearbeitet, archiviert und anonymisiert werden. Darüber hinaus sollte eine Kontaktadresse für Rückfragen und im Falle von Dissertationsstudien auch die betreuenden Professoren bzw. Professorinnen genannt werden. Die angefragten Personen sollten in einem letzten Schritt der Erklärung unterzeichnen, dass sie a) über die Studie aufgeklärt worden sind b) damit einverstanden sind, dass von ihnen/ihrem Kind Videoaufnahmen angefertigt werden und c) dass diese Daten zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet werden dürfen.

In der vorliegenden Studie ist es durch den kontinuierlichen und intensiven Kontakt zum Forschungsfeld gelungen, eine hohe Kooperationsbereitschaft von Seiten der pädagogischen Fachkräfte und der Eltern (stellvertretend für ihre Kinder) zu erzielen2. Dazu trug auch ein möglichst hohes Maß an Transparenz bei, da bei Elternabenden, Themenabenden und in persönlichen Gesprächen mit den Erzieherinnen und Eltern offene Fragen geklärt und Zweifel größtenteils beseitigt werden konnten3. Dass diese hohe Teilnahmebereitschaft keine ← 88 | 89 →Selbstverständlichkeit ist, zeigen Angaben anderer videobasierter Studien wie der DESI-Studie, bei der lediglich 50% der angefragten Lehrkräfte bereit waren, ihren Unterricht videografieren zu lassen (vgl. u.a. Göbel 2010: 300). Die Teilnahmebereitschaft an Videostudien wird daher auch immer von der Gesamtgröße der Stichprobe beeinflusst. So war es in der beschriebenen Dissertationsstudie aufgrund der Stichprobengröße möglich, im Vorfeld einen persönlichen Kontakt zu allen potentiellen Teilnehmenden der Studie herzustellen, was sich vermutlich positiv auf die Teilnahmebereitschaft ausgewirkt hat. Dies ist jedoch bei Studien mit einer größeren Stichprobe oft nicht möglich.

Neben dem schriftlichen Einverständnis der pädagogischen Fachkräfte und der Eltern wurde auch die schriftliche Einwilligung des Trägers der Einrichtung eingeholt, Videoaufzeichnungen in den Räumlichkeiten der Kita anfertigen und diese zu wissenschaftlichen Zwecken nutzen zu dürfen. Wie in der TIMSS-Videostudie (vgl. Petko et al. 2003: 270) so unterzeichnete auch die wissenschaftliche Hilfskraft, die an der Datenerhebung und Aufbereitung der Daten beteiligt war, eine Vertraulichkeitsvereinbarung, in der sie sich verpflichtete, keinerlei personenbezogenen Informationen aus den Daten an Dritte weiterzugeben.

Es sei abschließend nochmals darauf hingewiesen, dass in Deutschland nach wie vor eine größtenteils ablehnende oder zumindest skeptische Haltung bezüglich der Teilnahme an Videostudien zu beobachten ist (vgl. Göbel 2010: 300). Gerade deshalb nimmt der Schritt der Anfrage bei den zu beobachtenden Personen und die Aufklärung über die Ziele und das Vorgehen der Studie in Form einer informed consent form eine Schlüsselposition in Videostudien ein.

Entwicklung eines geeigneten Aufnahmekonzepts

Im Rahmen wissenschaftlicher Analysen sollten Videodaten nach einem eigens entwickelten Aufnahmekonzept erhobenen werden, das eine Standardisierung und somit auch eine Qualitätssicherung und Vergleichbarkeit der Daten ermöglicht. Das Aufnahme- oder auch Kamerakonzept sollte dabei den spezifischen Charakteristika des Forschungsfeldes Rechnung tragen und relevante Daten zur Beantwortung der Forschungsfragen liefern. Für die großen Schulleistungsstudien wurden einige Aufnahmekonzepte erarbeitet und auch publiziert (siehe z.B. Petko 2006: 15-38). Wie bereits angedeutet, liegen für die Videografie von Bildungsprozessen im Elementarbereich wesentlich weniger und spärlicher methodische ← 89 | 90 →Überlegungen vor (vgl. Ricart Brede 2011: 97). Bei der Entwicklung eines Aufnahmekonzepts für den Elementarbereich ist zu bedenken, dass schulische Lernsettings und der Kita-Alltag grundsätzlich verschieden sind. Während die beteiligten Akteure im Unterrichtsgeschehen zumeist feste Sitzplätze haben, ist die Kindergartenpraxis durch ein hohes Maß an Bewegungsaktivitäten charakterisiert. Zudem finden im Kindergarten viele Aktivitäten in einem Raum parallel statt, anstatt, wie im klassischen Unterrichtsgeschehen, auf die Person der Lehrkraft fokussiert zu sein. Eine nicht zu unterschätzende Herausforderung stellen des Weiteren die enorme Geräuschkulisse und der Lärmpegel in einer Kita dar. Insgesamt ist die Aufnahmesituation im Elementarbereich daher im Vergleich zur schulischen Unterrichtsbeobachtung als unübersichtlicher und komplexer zu charakterisieren.

In der vorliegenden Studie wurde die Aufnahmesituation Anfang 2012 pilotiert. In diesem Rahmen wurden an fünf Filmtagen verschiedene Kamerapositionierungen und Kameraeinsatzszenarien in einer der vier Kita-Gruppen erprobt. Die Vorüberlegungen zum Kameraeinsatz basieren dabei auf den Kameramanualen bestehender Videostudien im Elementarbereich (z.B. König 2006, Ricart Brede 2011) und beziehen sich im weiteren Sinne auch auf schulische Videostudien wie TIMSS und DESI. Mittels der Pilotierungsphase sollten in Vorbereitung auf die Hauptdatenerhebung insbesondere die Positionierung und Ausrichtung der Kamera(s) in den Kita-Gruppenräumen sowie die Bedienung der Kamera(s) getestet werden. Darüber hinaus sollten auch die Reaktion der beobachteten Personen auf die Kamerapräsenz und die Kameraeffekte in die Erarbeitung eines geeigneten Aufnahmekonzepts einfließen. Zudem wurde im Rahmen der Pilotierung der Frage nachgegangen, wie ein angemessenes Verhalten der Filmpersonen bei der Bedienung hinter der Kamera aussehen sollte, um das zu beobachtende Geschehen so wenig wie möglich zu beeinflussen.

Dieser Phase kommt im Forschungsprozess einer Videostudie eine tragende Rolle zu. Da die vorliegende Dissertationsstudie den Anspruch erhebt, natürliche und authentische Daten aus dem Alltag der bilingualen Kita zu erheben, die möglichst unbeeinflusst durch den Forscher zustande kommen (vgl. Silverman 2005), sollten die Aufzeichnungen ein Verhalten widerspiegeln, dass die Beobachteten auch ohne die Kameraanwesenheit zeigen würden. Gleichzeitig handelt es sich bei den videobasierten Beobachtungen dieser Studie um offene Beobachtungen, d.h. die Beobachteten wussten zu jedem Zeitpunkt der Aufnahme, dass sie aufgenommen werden. Allein dieses Wissen um die Anwesenheit der Kamera und die Aufnahmesituation kann allerdings auf Seiten der Beobachteten zu Verhaltensänderungen führen, die durch die Beobachtungssituation hervorgerufen werden. Dieses Phänomen wird in der Methodenliteratur zur Videografie als „Invasivität“ (Petko et al. 2003: 270) und zum Teil auch als „Reaktivität“ oder ← 90 | 91 →„Reaktanz“ (Knoblauch/Schnettler 2007: 588) bezeichnet. Das Aufnahmekonzept dieser Studie sollte daher so geartet sein, dass mögliche Effekte der Erhebungssituation berücksichtigt und nach Möglichkeit Strategien zur Vermeidung von Invasivität eingesetzt werden.

Die Pilotierung hat zusammengefasst gezeigt, dass ein zurückhaltendes Verhalten seitens der Filmpersonen angebracht ist, um möglichst wenig Aufmerksamkeit auf die Erhebungssituation zu lenken. In Anlehnung an bereits bestehende Videostudien erwies es sich auch für dieses Vorhaben als vorteilhaft, sich als Filmperson vornehmlich auf die Bedienung der Kameraausrüstung zu konzentrieren und Interaktionen mit den Beobachteten und dem Forschungsfeld zu vermeiden (vgl. Petko et al. 2003: 270). Unterstützt werden sollte dies durch unauffällige und für Kinder uninteressante Kleidung, d.h. es sollte auf auffällige Farben und Geräusche durch Schmuck verzichtet werden. Zudem fanden die Aufnahmen in dem alltäglichen Gruppenraum der Kita statt, so dass sich sowohl die Kinder als auch die Erzieherinnen in ihrer gewohnten und vertrauten Umgebung befanden. Darüber hinaus erhielten die Erzieherinnen vor den Aufnahmen ein Schreiben zur Vorbereitung, in dem sie gebeten wurden, sich während der Aufnahmesituation möglichst normal zu verhalten und explizit gemacht wurde, dass an den Filmtagen keine speziell vorbereiteten und geplanten Aktivitäten stattfinden müssen. Um die Kinder besser auf die Aufnahmesituation vorzubereiten, wurden die Kameras bereits einige Tage vor der Pilotierung im Gruppenraum aufgestellt, so dass sich die Kinder an die Ausrüstung (Kamera, Stativ) gewöhnen konnten.

Um die Invasivität der Kamerapräsenz auf das Verhalten der Beobachteten abschätzen zu können, wurde im Anschluss an die Aufzeichnungen in der Pilotierung ein Reflexionsgespräch mit den pädagogischen Fachkräften geführt, in dem sie äußern durften, inwieweit sie sich von dem an diesem Tag erprobten Kamerakonzept „gestört“ und „beobachtet“ gefühlt haben. Da die Erzieherinnen die Kinder zudem besser kennen, konnten sie auch Auskunft darüber geben, wie die Aufnahmesituation das Verhalten der Kinder beeinflusst hat. Auf Grundlage dieser Rückmeldungen wurden die Aufnahmebedingungen stetig weiterentwickelt und die zu beobachtenden Personen in den Forschungsprozess und die Gestaltung der Aufnahmebedingungen aktiv mit einbezogen. Dies geschah unter der Annahme, dass die Personen nur dann ein natürliches Verhalten zeigen werden, wenn sie sich in der Aufnahmesituation nicht gestört, sondern wohl fühlen. Das Aufnahmekonzept, das schließlich der Hauptdatenerhebung zugrunde gelegt wurde, ist daher das Resultat eines gemeinsamen Entwicklungsprozesses, an dem sowohl die hauptverantwortliche Doktorandin und wissenschaftliche Hilfskraft als auch die Beobachteten, in diesem Fall die Erzieherinnen, beteiligt waren.

← 91 | 92 →Die Erkenntnisse aus der Pilotierung und das entwickelte Aufnahmekonzept wurden schließlich in einem Kameraskript zusammengefasst. Dieses stellt im Rahmen von Videostudien ein wichtiges Instrument zur Standardisierung und Qualitätssicherung dar (vgl. Hall 2000). Durch das Aufstellen von Richtlinien zur Erhebungssituation (Position/Ausrichtung der Kameras, Bedienung der Kameras, Verhalten der Filmpersonen) ist es möglich, Videoaufnahmen untereinander vergleichbar zu machen (vgl. Petko 2006: 15). Mithilfe dieser ausführlichen Anleitung, die als Kameramanual oder Kameraskript bezeichnet wird, kann somit gewährleistet werden, dass die Erhebungsbedingungen an den verschiedenen Aufnahmetagen in der bilingualen Kita vergleichbar sind.

3.2 Datenerhebung

Nach der Pilotierung der Aufnahmebedingungen und einer erneuten Feinabstimmung der Erhebungsinstrumente fand die Hauptdatenerhebung in der bilingualen Kita der TU Darmstadt von Oktober bis Dezember 2012 statt. In diesem Zeitraum wurden alle vier Gruppen der Einrichtung an jeweils fünf Tagen videografiert. Es entstand somit ein Datenkorpus von über zwanzig Stunden Videomaterial. Während der Durchführung der videobasierten Datenerhebung zeigte sich, dass die Vorerfahrungen aus der Pilotierung insbesondere mit der Handhabung des Equipments eine unerlässliche Vorarbeit darstellten. So war die Aufgabenverteilung zwischen den durchführenden Personen (die hauptverantwortliche Doktorandin, die die Kamerabedienung übernahm und die wissenschaftliche Hilfskraft, die für die Überprüfung der Funktionstüchtigkeit vor jedem Aufnahmetag und den Aufbau der Kameraausrüstung in der Kita verantwortlich war) zu Beginn der Datenerhebung schon aufeinander abgestimmt und alle technischen Fragen im Rahmen der Pilotierung geklärt. In seinen Grundzügen konnten die im Kameraskript formulierten Richtlinien daher umgesetzt werden. Allerdings bringt es der Kita-Alltag mit sich, dass trotz sorgfältiger Vorbereitung nicht alle Vorkommnisse vorher planbar sind. Beispielsweise machten es Krankheitsfälle seitens der pädagogischen Fachkräfte oder die Eingewöhnungsphase von neuen Kindern in die Kita nötig, von den zuvor festgelegten Richtlinien abzuweichen, bzw. diese an den betreffenden Filmtagen flexibler zu handhaben und zu modifizieren. In diesem Zusammenhang weisen auch Petko et al. (2003: 271) darauf hin, dass eine restlose Standardisierung aufgrund unvorhersehbarer Zwischenfälle nicht möglich ist und das Kameraskript somit immer „einen Balanceakt zwischen Standardisierung und Offenheit“ darstellt. Um die Umsetzbarkeit und eventuelle Abweichungen vom Kameramanual zu dokumentieren, wurde begleitend zu den Filmtagen ein Aufnahmeprotokoll geführt, in ← 92 | 93 →dem Aspekte der Umsetzbarkeit des Aufnahmekonzepts und auch Zwischenfälle bzw. Besonderheiten während der Aufnahmen protokolliert wurden. In Bezug auf die bereits genannten Invasivitätseffekte wurde auf einen anschließenden Fragebogen zur Typikalität der Aufzeichnungen, wie er in der TIMSS-Studie zum Einsatz gekommen ist (vgl. Petko et al. 2003: 270), bewusst verzichtet. Durch den intensiven Feldkontakt vor der Datenerhebung war es auch ohne nachträgliche Befragung möglich, die Typikalität der Videoaufzeichnungen einzuschätzen. Insgesamt kann wohl Petko et al. (vgl. 2003: 270) zugestimmt werden, wenn sie sagen, dass (Lehr-)Personen zwar tendenziell versuchen, einen aus ihrer Sicht von ihnen erwünschtes oder gutes Verhalten zu zeigen, doch muss auch angenommen werden, dass eine spontane und gleichzeitig grundlegende Verhaltensänderung aufgrund der Aufnahmesituation nicht ohne weiteres möglich sein wird (siehe z.B. auch Wahl 1991).

Nach Abschluss der Datenerhebung stellt die Aufbereitung und Auswertung der Videodaten den nächsten Arbeitsschritt dar. Im Folgenden soll daher ein Ausblick auf das geplante Vorgehen gegeben werden.

3.3 Ausblick auf Aufbereitung und Auswertung der Videodaten

Parallel zur Datenerhebung wurde mit der Aufbereitung der Videodaten begonnen. Diese umfasst die doppelte Speicherung der Daten an zwei verschiedenen Orten, um die Gefahr eines Datenverlusts zu verringern. Das Videomaterial, das in Full-HD-Qualität aufgenommen wurde, wurde in ein stark komprimiertes MPEG2-Format umgewandelt.4 Die Komprimierung des Datenmaterials verfolgte dabei zwei Ziele. Zum einen sollte die zu speichernde Datenmenge reduziert werden (das MPEG2-Format ist weniger hochauflösend und benötigt daher weniger Speicherplatz). Zum anderen sollte es in ein Format umgewandelt werden, das von gängigen computerbasierten Analysetools unterstützt wird, da diese Analysesoftwares z.T. erhebliche Probleme mit zu großen Datenmengen haben. Das Ausgangsmaterial in Full-HD-Qualität steht jedoch nach wie vor zur Verfügung und kann beispielweise zu Präsentationszwecken zum Einsatz kommen. Zur Anonymisierung der Daten wurden den videografierten pädagogischen Fachkräften und den einzelnen Filmtagen Codes zugeordnet, die für Außenstehende eine Zuordnung zu Personen unmöglich machen.

Die Analyse der Videodaten soll in zwei aufeinander aufbauenden Schritten erfolgen. In einem ersten Schritt soll das Material makroanalytisch, d.h. auf der Ebene des gesamten videografierten Kita-Vormittags erfolgen, um in einem ← 93 | 94 →zweiten Schritt mikroanalytisch einzelne Sequenzen zu fokussieren. Dies ist ein gängiges Verfahren videogestützter Forschung und ein Forschungsdesign, das auch vielen bekannten Videostudien, wie beispielweise der DESI-Studie zugrunde liegt (vgl. Helmke et al. 2007: 38). Aufgrund der sequenziellen, aber auch logisch-inhaltlichen Verknüpfung dieser beiden Teilanalysen spricht man auch von einem sequential mixed-method-Stichprobengenerierungsverfahren (Teddlie/Yu 2007: 77), bei dem sowohl quantitative als auch qualitative Analyseverfahren zum Einsatz kommen. Die Annäherung an den Analysegegenstand mithilfe einer Kombination zweier oder mehrerer Methoden wird als mixed methods approach (vgl. Jick 1979) oder als Methoden-Triangulation bzw. methodologische Triangulation bezeichnet (siehe die Klassifikation nach Denzin (1970/1989), sowie die zusammenfassende Klassifikation im Einleitungsbeitrag von Settinieri in diesem Band). Der Einsatz mehrerer Methoden verfolgt dabei nicht das Ziel einer „einseitigen oder wechselseitigen Validierung der Einzelergebnisse“ (Flick 2011: 19), sondern die eingesetzte Methodenvielfalt soll gemäß einer neueren Vorstellung von Triangulation zu einer umfassenden Gegenstandsabbildung beitragen (vgl. Flick 2011: 18). Vor allem, da es sich bei sprachlichen Interaktionsprozessen um einen äußerst komplexen Forschungsgegenstand handelt (vgl. Abschnitt 2 dieses Beitrags), bietet sich eine Kombination mehrerer Methoden im Analyseprozess an. Das Vorgehen der einzelnen Analyseschritte und die Kombination der Methoden im Sinne der Triangulation sollen im Folgenden erläutert werden.

Analyseschritte

In Vorbereitung auf die erste Teilanalyse sollen die Videodaten zunächst aufbereitet und in überschaubare Einheiten eingeteilt werden, welche die spätere Analyseeinheit bilden. Grundsätzlich stehen zur so genannten Sequenzierung, d.h. für die Einteilung des Materials in einzelne Sequenzen, zwei Verfahren zur Verfügung: das time-sampling oder das event-sampling (vgl. Bakeman/Gottman 1994). Beim time-sampling wird das gesamte Material in gleich lange Zeitintervalle, z.B. in Abschnitte von jeweils 30 Sekunden, unterteilt. Beim event-sampling hingegen erfolgt die Sequenzierung ereignisbezogen, d.h. immer wenn eine neue Aktivität einsetzt, wird ein Sequenzwechsel kodiert. So entstehen durch die inhaltsbezogene Segmentierung5 Handlungsphasen und Videoabschnitte unterschiedlicher Länge (vgl. Petko et al. 2003: 274). Das event-sampling ist ein durchaus übliches Verfahren der videogestützten Forschung, das auch in anderen ← 94 | 95 →Studien zum Einsatz gekommen ist (vgl. z.B. Hugener et al. 2006: 48). Auf der Grundlage dieser Sequenzierung soll dann im Rahmen der ersten Teilanalyse eine Basiskodierung mithilfe eines niedrig-inferenten Beobachtungsinstruments vorgenommen werden. Bei niedrig-inferenten Beobachtungsinstrumenten handelt es sich um Kategorien, die direkt beobachtbar sind, d.h. auf Sichtstrukturen beruhen, während hoch-inferente Beobachtungsinstrumente ein höheres Maß an interpretativen Schlussfolgerungen (Inferenzen) erfordern (vgl. Clausen et al. 2003, Seidel et al. 2003). Mithilfe der niedrig-inferenten Basiskodierung soll daher eine möglichst präzise Beschreibung der inhaltlichen Nutzung der Freispielzeit, d.h. der Gestaltung, der Ereignisse und Organisationsformen vorgenommen werden. Als Ziel und Ergebnis dieses Schritts steht daher die Identifizierung von Handlungssequenzen und inhaltlichen Gestaltungsmerkmalen, die die rahmengebenden Aktivitäten für das Zustandekommen von sprachlichen Interaktionen zwischen pädagogischen Fachkräften und Kindern während der Freispielzeit in der bilingualen Kita (vgl. erste Teilfrage der Forschungsfrage) bilden.

Die Diskussion der Methode der teilnehmenden Beobachtung hat bereits gezeigt, dass Beobachtungen anfällig für subjektive Einflüsse durch den Beobachter sind und durch theorie- und vorwissensgeleitete Interpretationen eingefärbt sein können. Um „Verzerrungen durch die Person des Forschers aufzudecken bzw. zu minimieren“ (Flick 2011: 14) und zu prüfen, ob die entwickelten Beobachtungsinstrumente transparent und intersubjektiv nachvollziehbar sind, wird die Basiskodierung für einen Teil des Datensatzes durch zwei verschiedene Beobachter/innen vorgenommen. Der Einsatz von zwei Beobachter/innen wird in Anlehnung an die Klassifikation von Triangulations-Typen nach Denzin (1970/1989) als Investigator Triangulation oder auch Beobachtertriangulation bezeichnet (Denzin 1970/1989, zitiert nach Flick 2011: 12f.).

Auf Grundlage der eher quantitativ angelegten niedrig-inferenten Basiskodierung sollen im zweiten Analyseschritt aus dem Pool der beschriebenen Handlungseinheiten einzelne Sequenzen ausgewählt und mikroanalytisch untersucht werden. Um die Charakteristika der sprachlichen Interaktion aus der Perspektive der pädagogischen Fachkraft präzise beschreiben zu können, müssen die Videosequenzen transkribiert und in einzelne Turns segmentiert werden. Anhand der erstellten Transkripte soll dann untersucht werden, wie Erzieherinnen ihr sprachliches Verhalten in der Interaktion mit den ein- bis dreijährigen Kindern gestalten und welche Charakteristika diesen Interaktionsprozessen zugrunde liegen. Insbesondere soll in diesem zweiten Analyseschritt auf Aspekte der Responsivität und den Einsatz von Scaffolding-Elementen (u.a. Kontextualisierungsstrategien und Strategien der Verständnissicherung) eingegangen werden. Für diesen Auswertungsschritt soll ein Beobachtungssystem entwickelt werden, das ← 95 | 96 →die charakteristischen Scaffolding-Elemente in der bilingualen Kita möglichst gegenstandsangemessen abbildet. Dazu sollen zunächst aus der Forschungsliteratur und bereits bestehenden Studien vorläufige Kategorien deduktiv in das Beobachtungssystem aufgenommen werden, um diese dann am Material zu pilotieren und um weitere, induktiv aus dem Material ableitbare Kategorien zu erweitern und auszudifferenzieren.

Bezug nehmend auf die zweite Teilfrage der Forschungsfrage wird dieser qualitative und mikroanalytische Auswertungsschritt anhand ausgewählter Beispiele aus der Praxis der bilingualen Kita Aufschluss darüber geben, wie sprachliche Interaktionsprozesse zwischen pädagogischen Fachkräften und Kleinkindern in unterschiedlichen Situationen organisiert sind und welche Merkmale das sprachliche Interaktionsverhalten der deutsch- und englischsprachigen Fachkräfte gegenüber den Kindern kennzeichnen.

4. Fazit und Ausblick

Anliegen des vorliegenden Beitrags war es, die Einsatzmöglichkeiten der Methode der Videografie im Elementarbereich am Beispiel einer Dissertationsstudie zur Erforschung von sprachlichen Interaktionsprozessen in einer bilingualen Kita aufzuzeigen. Die einleitenden Ausführungen haben verdeutlicht, dass die videobasierte Unterrichtsforschung vor allem vor dem Hintergrund technischer Neuerungen wie der Digitalisierung und der größeren Speicherkapazität von Computern und angesichts der Grenzen der teilnehmenden Beobachtung einen enormen Entwicklungsschub erfahren hat. So ist es heute im Gegensatz zu noch vor einigen Jahren aus technischer Sicht mit einem vergleichsweise geringen Aufwand möglich, große Mengen an audiovisuellen Daten zu produzieren (vgl. Abschnitt 1). Die methodischen Überlegungen im Kontext der beschriebenen Studie sollten jedoch auch veranschaulichen, dass neben technischen Gesichtspunkten noch weitaus mehr Faktoren bei der Entwicklung eines videobasierten Forschungsdesigns und der Vorbereitung einer Datenerhebung mittels Videgrafie berücksichtigt werden müssen. Dies betrifft vor allem die Überlegungen zum Datenschutz, die in Videostudien eine nicht zu unterschätzende Bedeutung haben sowie die Kamera- und Invasivitätseffekte, die bei der Entwicklung eines Aufnahmekonzepts bedacht werden sollten (vgl. Abschnitt 3).

Im Zuge videogestützter Beobachtungsverfahren entstehen komplexe und reichhaltige Daten. Aus diesem Grund sollte die methodische Herangehensweise an Videostudien ebenso mehrperspektivisch erfolgen. Die Videografie bietet sich daher für die Einnahme von unterschiedlichen Perspektiven auf einen Forschungsgegenstand und die Beantwortung von Forschungsfragen im Sinne ← 96 | 97 →der Triangulation geradezu an. Das beschriebene Forschungsdesign versucht durch eine Kombination unterschiedlicher Methoden (Methodentriangulation) mit einer ersten quantifizierenden Basiskodierung, auf die die qualitative Mikroanalyse einzelner Sequenzen folgt, einen prinzipiellen Erkenntniszuwachs anzustreben (vgl. Flick 2011: 12). Ebenso verfolgt der Einsatz von zwei Beobachter/innen (Beobachtertriangulation/Forschertriangulation) bei der Basiskodierung das Ziel, Beobachtereinflüsse abzufedern und zu vertieften Erkenntnissen zu gelangen. Exemplarisch sei hier auch auf den vielversprechenden Vorschlag von Schramm/Aguado (vgl. 2010: 198) hingewiesen, die deskriptive Analyse von Videodaten mit introspektiven Datenquellen (z.B. lautes Denken, video-stimulierte retrospektive Interviews, videostimulierte Retrospektion) im Sinne einer Datentriangulation zu kombinieren.

Da die technischen Herausforderungen der Videografie mittlerweile bewältigt sind, sollte sich die zukünftige Diskussion um den Einsatz der Videografie verstärkt der methodologischen Weiterentwicklung des Instruments und der Systematisierung von Auswertungsansätzen videobasierter Beobachtungsdaten widmen. Dieser Punkt scheint angesichts der Publikationslage bis dato eine Lücke darzustellen. In diesem Kontext sollten vermehrt auch Ansätze der Triangulation in die Diskussion einbezogen werden, da es insbesondere für Videostudien lohnenswert sein kann, durch eine Kombination von verschiedenen Methoden, Daten, Theorien oder den Einsatz mehrerer Beobachter/innen einen mehrperspektivischen Zugang zum Forschungsgegenstand einzunehmen und dadurch einen prinzipiellen Erkenntniszuwachs bzw. Erkenntnisse auf unterschiedlichen Ebenen zu erzielen.

Literatur

Aguado, Karin / Schramm, Karen / Vollmer, Helmut Johannes (Hrsg.) (2010). Fremdsprachliches Handeln beobachten, messen, evaluieren. Reihe KFU, Band 37. Frankfurt/Main: Lang.

Aufschnaiter, Stefan von / Welzel, Manuela (Hrsg.) (2001). Nutzung von Videodaten zur Untersuchung von Lehr-Lern-Prozessen. Aktuelle Methoden empirischer pädagogischer Forschung. Münster: Waxmann.

Bakeman, Roger / Gottman, John (1994). Observing Interaction: An Introduction to Sequential Analysis. Cambridge: Cambridge University Press.

Bortz, Jürgen / Döring, Nicola (2006). Forschungsmethoden und Evaluation. 4. Aufl. Heidelberg: Springer.

Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.) (1998). Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland. Ulm: Ebner.

← 97 | 98 →Clausen, Marten / Reusser, Kurt / Klieme, Eckhard (2003). Unterrichtsqualität auf der Basis hoch-inferenter Unterrichtsbeurteilungen: Ein Vergleich zwischen Deutschland und der deutschsprachigen Schweiz. Unterrichtswissenschaft 31/2, 122-141.

Denzin, Norman ([1970] 1989). The Research Act. 3. Aufl. Englewood Cliffs, N.J.: Prentice Hall.

Dinkelaker, Jörg / Herrle, Matthias (2009). Erziehungswissenschaftliche Videografie. Eine Einführung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Döpke, Susanne (1992). One Parent-One Language. An Interactional Approach. Amsterdam: Benjamins.

Europäische Kommission (1996). Weißbuch Lehren und Lernen: Auf dem Weg zur kognitiven Gesellschaft. Online. http://ec.europa.eu/languages/documents/doc409_de.pdf [10.3.2014].

Fischer, Dietlind / Schratz, Michael (2005). Videos in der Lehrerbildung. Journal für LehrerInnenbildung 5/2, 4-7.

Flick, Uwe (2011). Triangulation. Eine Einführung. 3. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Flick, Uwe (2004). Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung. Reinbek: Rowohlt.

FMKS (2010). Bilinguale Kitas in Bundesländern. Stand August 2010. Online: http://www.fmks-online.de/download.html# [10.3.2014].

Genesee, Fred (1987). Learning through Two Languages: Studies of Immersion and Bilingual Education. Cambridge, MA: Newbury House.

Göbel, Kerstin (2010). Videografie als Verfahren zur Erforschung von Lehr-/ Lernprozessen im Fremdsprachenunterricht. In: Aguado, Karin et al. (Hrsg.), 277-305.

Hall, Rogers (2000). Videorecording as Theory. In: Kelly, Anthony / Lesh, Richard (Hrsg.). Handbook of Research Design in Mathematics and Science Education. Mahwah, New Jersey: Lawrence Erlbaum Associates, 647-664.

Helmke, Andreas / Helmke, Tuyet / Kleinbub, Iris / Nordheider, Iris / Schrader, Friedrich-Wilhelm/Wagner, Wolfgang (2007). Die DESI-Videostudie. Unterrichtstranskripte für die Lehrerausbildung nutzen. Der fremdsprachliche Unterricht Englisch 90, 37-45.

Hugener, Isabelle / Rakoczy, Katrin / Pauli, Christine / Reusser, Kurt (2006). Videobasierte Unterrichtsforschung: Integration verschiedener Methoden der Videoanalyse für eine differenzierte Sicht auf Lehr-Lernprozesse. In: Rahm, Sibylle/Mammes, Ingelore/Schratz, Michael (Hrsg.). Schulpädagogische ← 98 | 99 →Forschung, Band 1, Unterrichtsforschung – Perspektiven innovativer Ansätze. Innsbruck: Studienverlag, 41-53.

Jick, Todd D. (1979). Mixing Qualitative and Quantitative Methods: Triangulation in Action. Administrative Science Quarterly 24/4, 602-611.

Knoblauch, Hubert / Schnettler, Bernt (2007). Videografie. Erhebung und Analyse qualitativer Videodaten. In: Buber, Renate / Holzmüller, Hartmut (Hrsg.). Qualitative Marktforschung. Theorie, Methode, Analysen. Wiesbaden: Gabler, 585-599.

König, Anke (2006). Dialogisch-entwickelnde Interaktionsprozesse zwischen ErzieherIn und Kind(-ern). Eine Videostudie aus dem Alltag des Kindergartens. Inauguraldissertation. Dortmund. Online: https://eldorado.tu-dortmund.de/bitstream/2003/24563/1/Diss_veroeff.pdf [10.3.2014].

Long, Michael (1996). The role of linguistic environment in second language acquisition. In: Ritchie, William / Bhatia, Tej (Hrsg.). Handbook of Second Language Acquisition. San Diego: Academic Press, 413-468.

Mackey, Alison / Gass, Susan M. (2005). Second Language Research. Methodology and Design. Mahwah, New Jersey: Lawrence Erlbaum Associates.

Pauli, Christine / Reusser, Kurt (2006). Von international vergleichenden Video Surveys zur videobasierten Unterrichtsforschung und -entwicklung. Zeitschrift für Pädagogik 52/6, 774-798.

Petko, Dominik / Waldis, Monika / Oauli, Christine / Reusser, Kurt (2003). Methodologische Überlegungen zur videogestützten Forschung in der Mathematikdidaktik. Ansätze der TIMSS 1999 Video Studie und ihrer schweizerischen Erweiterung. ZDM (Zentralblatt für Didaktik der Mathematik) 35/6, 265-280. Online: http://subs.emis.de/journals/ZDM/zdm 036a4.pdf [10.3.2014].

Petko, Dominik (2006). Kameraskript. In: Klieme, Eckhard / Pauli, Christine / Reusser, Kurt (Hrsg.). Dokumentation der Erhebungs- und Auswertungsinstrumente zur schweizerisch-deutschen Videostudie „Unterrichtsqualität, Lernverhalten und mathematisches Verständnis“. Teil 3: Videoanalysen. Frankfurt/Main: GFPF, 15-38.

Ricart Brede, Julia / Knapp, Werner / Gasteiger Klicpera, Barbara / Kucharz, Dietmut (2010). Die Entwicklung von Beobachtungssystemen in der videobasierten Forschung am Beispiel videobasierter Qualitätsanalysen vorschulischer Sprachfördereinheiten. In: Aguado, Karin et al. (Hrsg.), 257-275.

Ricart Brede, Julia (2011). Videobasierte Qualitätsanalyse vorschulischer Sprachfördereinheiten. Freiburg im Breisgau: Fillibach.

← 99 | 100 →Schramm, Karen / Aguado, Karin (2010). Videografie in den Fachdidaktiken - Ein Überblick. In: Aguado, Karin et al. (Hrsg.), 185-214.

Seidel, Tina / Kobarg, Mareike / Rimmele, Rolf (2003). Aufbereitung der Videodaten. In: Seidel, Tina / Prenzel, Manfred / Duit, Reinders / Lehrke, Manfred (Hrsg.). Technischer Bericht zur Videostudie „Lehr-Lern-Prozesse im Physikunterricht“. Kiel: IPN, 47-67.

Settinieri, Julia (2014). Forschst Du noch, oder triangulierst Du schon? In: Elsner, Daniela / Viebrock, Britta (Hrsg.). Triangulation in der Fremdsprachenforschung. Frankfurt/Main: Lang, 17-35.

Silverman, David (2005). Doing Qualitative Research. A Practical Handbook. London: SAGE Publications.

Teddlie, Charles / Yu, Fen (2007). Mixed Methods Sampling. A Typology With Examples. Journal of Mixed Methods Research 1/1, 77-100.

Wahl, Diethelm (1991). Handeln unter Druck. Der weite Weg vom Wissen zum Handeln bei Lehrern, Hochschullehrern und Erwachsenenbildnern. Weinheim: Deutscher Studien Verlag.

Wode, Henning (1995). Lernen in der Fremdsprache: Grundzüge von Immersion und bilingualem Unterricht. Ismaning: Hueber.

Wygotski, Lev (1987). Ausgewählte Schriften. Band 2: Arbeiten zur psychischen Entwicklung der Persönlichkeit. Köln: Pahl-Rugenstein.

Zydatiß, Wolfgang (2000). Bilingualer Unterricht in der Grundschule: Entwurf eines Spracherwerbskonzepts für zweisprachige Immersionsprogramme. Ismaning: Hueber.

______________

1 Mackey/Gass (2005) diskutieren ausführlich die ethischen Gesichtspunkte, die im Vorfeld und während einer empirischen Studie mit Zweitsprachenlernenden bedacht werden sollten. In diesem Zusammenhang geben sie auch hilfreiche und praxisnahe Informationen zur Erstellung von Einverständniserklärungen und liefern Beispiele für den Aufbau derartiger Dokumente (ebd.: 33), die als Orientierungshilfe dienen können.

2 Die Kinder, für die keine von den Eltern unterschriebene Einverständniserklärung zur Teilnahme an der Videostudie vorlag, wurden an den Tagen der Videoaufzeichnungen in einer anderen Kita-Gruppe betreut.

3 Da die bilinguale Kita der TU Darmstadt von vielen Kindern mit Eltern nicht-deutscher Erstsprache besucht wird, wurden die Einverständniserklärungen in Anlehnung an die Vorschläge für die Erstellung von Einverständniserklärungen für nichterstsprachliche Proband/innen (vgl. Mackey/Gass 2005: 32) neben Deutsch auch auf Englisch ausgehändigt. Durch zusätzliche mündliche Rückfragen an die Eltern wurde sichergestellt, dass mindestens eines der beiden Elternteile den Inhalt der deutschen oder englischen Einverständniserklärung versteht und so eine informierte Einwilligung zum Filmen des eigenen Kindes geben kann.

4 Die Bearbeitung der Videodaten erfolgte mithilfe der Software Pinnacle Studio 14.

5 Dinkelaker/Herrle (2009: 52) bezeichnen dieses Vorgehen daher auch als Segmentierungsanalyse.