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Häusliche und institutionelle Pflege älterer Menschen als kriminologisches Problem

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Tina Drescher

Die Autorin geht in ihrem Buch davon aus, dass die Probleme in der Altenpflege nicht als feststehende Wirklichkeit zu begreifen sind, sondern ihrerseits gesellschaftlich hergestellt werden. Aus diesem Blickwinkel erscheint die Pflegegewalt als ein Problem, das wegen seines kriminologischen Bezugs gerade auch durch kriminologische Theorie aufgebaut wird. Tina Drescher analysiert die Problemgeschichte im Lichte des viktimologischen, des situationsbezogenen und des auf Kriminalitätskontrolle abstellenden Diskurses, präventive Aspekte inbegriffen. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Gestalt des Problems der Pflegegewalt in vielerlei Hinsicht als Auswirkung der neueren theoretischen Ausrichtung in der kriminologischen Wissenschaft begreifen lässt.
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C. Geschichte des Gewaltproblems in Pflegebeziehungen – Darstellung des Prozesses der „Entdeckung“, Thematisierung und Problematisierung

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C. Geschichte des Gewaltproblems in Pflegebeziehungen – Darstellung des Prozesses der „Entdeckung“, Thematisierung und Problematisierung

Die Rekonstruktion der „Entdeckung“ bestimmter Handlungs- und Verhaltensweisen im Pflegebereich als Gewaltproblem setzt zunächst ein Verständnis für die einzelnen Gewaltdiskurse in Politik und Wissenschaft voraus. Diese bringen die verschiedenen Erscheinungsformen der Gewalt überhaupt erst als solche zur Sprache und zum Vorschein. Dem zeitlichen Wandel bei der Wahrnehmung von Gewalt kommt in diesem Zusammenhang besondere Bedeutung zu.

Seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts werden in der Öffentlichkeit Gewaltdiskurse mit wachsender Intensität geführt. Fünf Problemkreise werden immer wieder thematisiert.

Der erste Problembereich betrifft den Krieg221 und die Abschreckung durch Massenvernichtungswaffen. Ihre Thematisierung kulminierte in der Auseinandersetzung um den NATO-Doppelbeschluss Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts und wurde im Zusammenhang mit dem Golfkrieg 1990 wieder aufgenommen.222

Als zweiter Problemkreis lässt sich die politisch motivierte Gewalt223 identifizieren. Diese bildete sich in Deutschland in der Auseinandersetzung von unterschiedlichen Protestbewegungen mit staatlichen Organen, vor allem Sicherheitskräften, heraus. Der öffentliche Diskurs intensivierte sich angesichts des zunehmenden Linksterrorismus durch die RAF in der zweiten Hälfte der ← 45 | 46 → 70er Jahre. Er wurde durch die Auseinandersetzungen um Flughafenerweiterungen wie beispielsweise die Startbahn 18 West in Frankfurt am Main und durch Protestaktionen gegen Kernkraftprojekte wie in Wackersdorf in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts neu belebt. Zu Beginn der 90er Jahre konzentrierte er sich auf fremdenfeindliche Gewalt.224 So wurde etwa im Jahre 1993 der „Brandanschlag von Solingen...

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