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Mediation als kindgerechtes Verfahren

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Holke-Leonie Doench

Nicht zuletzt durch das Inkrafttreten des Mediationsgesetzes hat das Mediationsverfahren in Deutschland an Bedeutung gewonnen und sich als Methode zur Vermittlung in familiären Konflikten etabliert. Weitestgehend ungeklärt ist jedoch die Rolle des Kindes in der Mediation. Sollte das Kind an der Mediation beteiligt werden? Führt diese zu einer Deeskalation des elterlichen Konfliktes und fördert sie die Wahrnehmung elterlicher Verantwortung? Wie steht es um den Schutz des Kindes in der Mediation? Die Arbeit nimmt sich diesen Fragestellungen an und untersucht das Mediationsverfahren aus dem Blickwinkel des Kindeswohls. Die zentrale Frage, ob das Verfahren kindgerecht ist, wird unter Rückgriff auf empirische Daten und Praxisberichte sowie anhand der Analyse rechtlicher Rahmenbedingungen beantwortet. In einem Leitfaden werden die wesentlichen Ergebnisse praxisgerecht zusammengefasst.
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§ 3 Familien in Trennung und Scheidung

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§ 3 Familien in Trennung und Scheidung

Nachdem die Wirkungsweisen und der Ablauf der Familienmediation dargestellt wurden, soll der Blick auf die Situation von Familien gelenkt werden, die sich in Trennung und Scheidung befinden. Ein Verfahren kann nur dann effektiv sein, wenn es die Bedürfnisse der Menschen, für die es ausgestaltet wurde, berücksichtigt. Kenntnisse über die sozialpsychologischen Hintergründe einer Trennung und Scheidung sowie über die Dynamik familiärer Konflikte sind daher Voraussetzung einer bedürfnisorientierten Verfahrensgestaltung.111

A. Familiäre Konflikte bei Trennung und Scheidung

Familiäre Konflikte im Zusammenhang mit Trennung und Scheidung sind allgegenwärtig. Allein im Jahr 2012 wurden in Deutschland 179.147 Ehen geschieden – davon waren 143.022 minderjährige Kinder betroffen.112 In Großstädten erlebt jedes zweite Kind die Trennung seiner Eltern.113 Im gesamten deutschsprachigen Raum wird die jährliche Zahl von Scheidungskindern auf ca. 250.000 geschätzt.114 Hinzu kommen die bislang statistisch nicht erfassten Trennungen von nicht verheirateten Paaren mit Kindern.

Die hohen Trennungszahlen wirken sich auch auf die Berufsgruppen und die wissenschaftliche Forschung aus. Nicht nur die Juristen im Bereich des Familienrechts115 – sondern insbesondere die Vertreter sozialwissenschaftlicher Berufe ← 31 | 32 → beschäftigen sich ausführlich und zum Teil auch kontrovers mit den Auswirkungen von Trennungen und Scheidungen auf die Familien. Es finden sich Ratgeber für Eltern (mit Verhaltensvorschlägen und rechtlichen Hinweisen), sozialwissenschaftliche Studien, die die Entwicklung von Scheidungskindern untersuchen sowie zahlreiche Schriften über die psychischen und psychosomatischen Auswirkungen der Trennung auf die...

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