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Mediation als kindgerechtes Verfahren

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Holke-Leonie Doench

Nicht zuletzt durch das Inkrafttreten des Mediationsgesetzes hat das Mediationsverfahren in Deutschland an Bedeutung gewonnen und sich als Methode zur Vermittlung in familiären Konflikten etabliert. Weitestgehend ungeklärt ist jedoch die Rolle des Kindes in der Mediation. Sollte das Kind an der Mediation beteiligt werden? Führt diese zu einer Deeskalation des elterlichen Konfliktes und fördert sie die Wahrnehmung elterlicher Verantwortung? Wie steht es um den Schutz des Kindes in der Mediation? Die Arbeit nimmt sich diesen Fragestellungen an und untersucht das Mediationsverfahren aus dem Blickwinkel des Kindeswohls. Die zentrale Frage, ob das Verfahren kindgerecht ist, wird unter Rückgriff auf empirische Daten und Praxisberichte sowie anhand der Analyse rechtlicher Rahmenbedingungen beantwortet. In einem Leitfaden werden die wesentlichen Ergebnisse praxisgerecht zusammengefasst.
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§ 6 Denkmodelle und Optimierungsmöglichkeiten

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§ 6 Denkmodelle und Optimierungsmöglichkeiten

Die Verfahrensanalyse hat gezeigt, dass das Mediationsverfahren viele Eigenschaften vereint, die es zu einem kindgerechten Verfahren machen. Dieser positive Befund veranlasst zu der Frage, wie eine Förderung der Mediation zu erreichen ist und welche ergänzenden Maßnahmen sinnvoll sind, um dem Kind und den Familien bestmöglich durch die schwierige Phase von Trennung und Scheidung zu helfen. Unter Berücksichtigung der aktuellen Rechtslage soll überlegt werden, inwieweit ein „verändertes Denken zum Wohle des Kindes“680 erforderlich ist. Insbesondere soll erörtert werden, welche Schritte sinnvoll sind, um in der Praxis von den Vorteilen der Mediation profitieren zu können.

A. Ausgangslage

Im Jahre 2010 schrieb Trenczek über die Situation der Mediation in Deutschland: „Großes Angebot – geringe Nachfrage“681 und brachte damit die Situation auf den Punkt. Während der Ausbildungsmarkt „boomt“ und immer mehr Menschen Mediatoren werden und Mediationen anbieten, ist die Inanspruchnahme der Mediation vergleichsweise gering.682

Für die im internationalen Vergleich geringe Nachfrage von Mediation in Deutschland gibt es viele Gründe. Nicht nur das Vorhandensein unterschiedlicher Rechtssysteme und anderer Kommunikations- und Konfliktstrukturen, sondern auch die Verfügbarkeit und Effizienz des Gerichtswesens spielen eine große Rolle.683 Die Dauer der Gerichtsverfahren ist in Deutschland ← 159 | 160 → im Vergleich zum Ausland gering und dem deutschen Gerichtswesen wird eine gute Effizienz und Qualität zugesprochen.684 Gleichzeitig scheint die Zugangsschwelle zur Mediation in Deutschland zu hoch, die Mediationslandschaft zu unübersichtlich und intransparent zu...

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