Show Less
Restricted access

Sachverständigengutachten im Strafverfahren zur Glaubwürdigkeit und zur Schuldfähigkeit im Falle der Untersuchungsverweigerung des zu Begutachtenden

Series:

Sandra Beckert

Glaubwürdigkeits- und Schuldfähigkeitsgutachten sind im Strafverfahren von großer Bedeutung. Sie werden zuweilen auch dann in Auftrag gegeben, wenn der zu Begutachtende die für eine Untersuchung erforderliche Einwilligung versagt. Der Sachverständige muss dann auf andere Weise vorgehen. Die Arbeit geht der Frage nach, ob es im Falle der Untersuchungsverweigerung zulässig ist, einen Sachverständigen hinzuzuziehen. Außerdem wird überprüft, welchen Wert auf diese Weise zustande gekommene Gutachten haben können. Hierbei wird sowohl die Sichtweise von Richtern als auch von Sachverständigen beleuchtet. Im Ergebnis kann es die Amtsaufklärungspflicht in Ausnahmefällen erfordern, solche Gutachten einzuholen. Dieses Ergebnis lässt sich auch aus menschenrechtlicher Sicht halten.
Show Summary Details
Restricted access

Kapitel I. Maßstäbe für die Gutachtertätigkeit des Sachverständigen, insbesondere bezüglich Glaubwürdigkeits- und Schuldfähigkeitsbegutachtungen

Extract



Die Thematik der Sachverständigengutachten im Strafverfahren zur Glaubwür­digkeit und zur Schuldfähigkeit im Falle der Untersuchungsverweigerung des zu Begutachtenden ist durch eine ausschließlich juristische Betrachtung nicht zu fassen; vielmehr bedarf es auch einer genauen Auseinandersetzung mit einem interdisziplinären Bereich, dem Berufsbild und der Tätigkeit des Sachverständi­gen, um die Frage nach der Rechtmäßigkeit einer solchen Begutachtung und deren Wert für die Wahrheitssuche beantworten zu können.

Aufgrund der Amtsaufklärungspflicht (§ 244 Abs. 2 StPO) muss das Gericht einen Sachverständigen heran­ziehen, sofern ihm auf diese Weise die Möglichkeit, weitere Erkenntnisse – etwa in Bezug auf die Glaubhaftigkeit einer Aussage oder in Bezug auf die Schuldfähigkeit – zu erhalten, dargeboten wird.27 Es gilt hier demnach zu untersuchen, ob es der Amtser­mittlungsgrundsatz auch verlangt – zumindest in bestimmten Konstellationen – eine Begutachtung im Falle der Untersuchungsverweigerung vornehmen zu lassen.

In diesem Kapitel sollen die Grundlagen zur Beantwortung dieses Problems herausgearbeitet werden. Die Frage, welche Rechte und Pflichten der Sachverständige bezüglich der Vornahme von Glaubwürdigkeits- bzw. Schuldfähigkeitsbegutachtungen (im Falle der Untersuchungsverweigerung des zu Begutachtenden) hat, wird dabei den Kern bilden.

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.