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Inszenierungen des Essens in der Kinder- und Jugendliteratur

Aufklärung – Romantik – Biedermeier

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Sonja Jäkel

Das Motiv des Essens ist in der Kinder- und Jugendliteratur allgegenwärtig – und bisher dennoch kaum erforscht. Dabei weist es weit über seine unmittelbare Körperlichkeit hinaus und trägt als formen- und funktionsreiches Motiv zur Gestaltung literarischer Welten bei. Anhand exemplarischer Texte der Aufklärung, der Romantik und des Biedermeier lotet die Studie aus, wie sich im Mikrokosmos des Essens gesellschaftliche Makrostrukturen und epochenspezifische Konzepte von Kindheit offenbaren. Damit wendet sich die Studie erstmals dem überraschend vielschichtigen Potenzial kinderliterarischer Essensinszenierungen zu und liefert nicht nur einen innovativen Forschungsbeitrag zur Literaturwissenschaft, sondern auch zum interdisziplinären Diskurs um Essen, Kultur und Gesellschaft.
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1. Einleitung

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Relevanz der Untersuchung und Forschungsüberblick

„Essen ist stets mehr als Essen gewesen“, so leitet Schultz die von ihm herausgegebene Kulturgeschichte des Essens ein (1995: 9) und liefert Beispiele quer durch Zeit und Raum: der Wein etwa, der im griechischen Symposium kreist und Freundschaft symbolisiert, die Festessen der Medici als Ausdruck politisch-wirtschaftlicher Verbundenheit, die affektiv-soziale Bedeutung von Hochzeitsmahl und Leichenschmaus, das christliche Abendmahl und andere religiös konnotierte Essensrituale oder die Weltsicht, die in einer Tasse japanischen Tees steckt.

Essen ist alles andere als nur alltäglich-schlichter Ausdruck des menschlichen Grundbedürfnisses nach Nahrung. Auch die zahlreichen Bonmots und Sprichwörter, in denen das Essen seinen Niederschlag gefunden hat, vergegenwärtigen die umspannenden Zusammenhänge, auf die das Thema verweist. Menschen haben einander zum Fressen gern oder sie haben sich satt, dann lassen sie sich womöglich am ausgestreckten Arm verhungern, schicken sich dorthin, wo der Pfeffer wächst, oder hauen sich in die Pfanne. Man kann mit jemandem ein Hühnchen rupfen, ihn wie eine heiße Kartoffel fallen lassen oder durch den Kakao ziehen. Dinge, die noch nicht gegessen sind, liegen schwer im Magen. Wenn jemand die Weisheit mit Löffeln gefressen hat, dann ist alles in Butter. Wer den Braten dagegen nicht riecht, der hat vielleicht Tomaten auf den Augen. Man kann die Suppe auslöffeln, die man sich eingebrockt hat, und in den sauren Apfel beißen oder um den heißen Brei reden.

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