Show Less
Restricted access

Inszenierungen des Essens in der Kinder- und Jugendliteratur

Aufklärung – Romantik – Biedermeier

Series:

Sonja Jäkel

Das Motiv des Essens ist in der Kinder- und Jugendliteratur allgegenwärtig – und bisher dennoch kaum erforscht. Dabei weist es weit über seine unmittelbare Körperlichkeit hinaus und trägt als formen- und funktionsreiches Motiv zur Gestaltung literarischer Welten bei. Anhand exemplarischer Texte der Aufklärung, der Romantik und des Biedermeier lotet die Studie aus, wie sich im Mikrokosmos des Essens gesellschaftliche Makrostrukturen und epochenspezifische Konzepte von Kindheit offenbaren. Damit wendet sich die Studie erstmals dem überraschend vielschichtigen Potenzial kinderliterarischer Essensinszenierungen zu und liefert nicht nur einen innovativen Forschungsbeitrag zur Literaturwissenschaft, sondern auch zum interdisziplinären Diskurs um Essen, Kultur und Gesellschaft.
Show Summary Details
Restricted access

3.3. Inszenierungen des Essens im Biedermeier

Extract



So sehr die romantische Kinder- und Jugendliteratur an den aufklärerischen Prinzipien rüttelte, so hat sie den kinderliterarischen Markt doch nie dominiert. Zum einen, weil sie relativ wenig spezifische Kinder- und Jugendliteratur hervorbrachte, dagegen mehr auf die Selbstwirksamkeit und Variation von Folklore und volkstümlichen Texten zielte, zum anderen, weil sich im Medium Kinder- und Jugendliteratur Änderungen und Paradigmenwechsel noch schleppender durchsetzen als in der Allgemeinliteratur. Pädagogische Mittelsmänner und, seltener, -frauen hielten den erzieherischen Gedanken und das Vernünftige hoch und ließen das Phantastische und Wunderbare als kinderliterarisches Element in eigenem Recht nicht ohne Weiteres zu. So konstatiert Ewers für die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts: „Die große Masse des Schrifttums für Kinder und Jugendliche setzt die pädagogischen und literaturdidaktischen Traditionen der Aufklärung fort.“ (1984: 52)

Während also die romantische Strömung aufklärerische Traditionen offensichtlich herausfordert, bewahrt eine andere, teils parallele Strömung das aufklärerische Erbe, setzt es fort und formt es um. In der Forschung wird diese Strömung meist als Biedermeier bezeichnet.205 Allerdings ist der Terminus, mehr noch als andere Periodisierungen, die als plakative Konstrukte erscheinen, problematisch. Peter Stein etwa kritisiert in seinem Beitrag zur deutschen Literaturgeschichte, dass der Terminus Biedermeier ← 219 | 220 → zur Kennzeichnung der Literaturperiode zwischen ca. 1815 bis 1848 unzulänglich sei, da er nur das Unpolitisch-Kleinbürgerliche hervorhebe. Auch der Begriff Restauration, der den Bezug auf den politischen Kontext unter Einfluss von Metternich betont, trage der literarischen...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.