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Inszenierungen des Essens in der Kinder- und Jugendliteratur

Aufklärung – Romantik – Biedermeier

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Sonja Jäkel

Das Motiv des Essens ist in der Kinder- und Jugendliteratur allgegenwärtig – und bisher dennoch kaum erforscht. Dabei weist es weit über seine unmittelbare Körperlichkeit hinaus und trägt als formen- und funktionsreiches Motiv zur Gestaltung literarischer Welten bei. Anhand exemplarischer Texte der Aufklärung, der Romantik und des Biedermeier lotet die Studie aus, wie sich im Mikrokosmos des Essens gesellschaftliche Makrostrukturen und epochenspezifische Konzepte von Kindheit offenbaren. Damit wendet sich die Studie erstmals dem überraschend vielschichtigen Potenzial kinderliterarischer Essensinszenierungen zu und liefert nicht nur einen innovativen Forschungsbeitrag zur Literaturwissenschaft, sondern auch zum interdisziplinären Diskurs um Essen, Kultur und Gesellschaft.
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4. Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse

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Ob in der Kinder- und Jugendliteratur der Aufklärung, der Romantik oder des Biedermeier: Es hat sich gezeigt, dass Essensrepräsentationen formen- und funktionsreich auftreten, sich in verschiedenen Spielarten zeigen und Einblicke in kulturelle Konzepte gewähren. Da die Ergebnisse jedes Kapitels bereits epochenspezifisch zusammengefasst wurden, soll hier eine epochenübergreifende Schlussfolgerung entlang der eingangs gestellten Forschungsfragen gezogen werden, bevor auf weitere Entwicklungen der kinderliterarischen Essensmotivik geblickt wird und Vertiefungsmöglichkeiten für künftige Forschungsvorhaben aufgezeigt werden.

– Welche Dimensionen des Essens finden Eingang in die kinder- und jugendliterarischen Texte und zu welchem Zweck? Welcher Erziehungsdiskurs verbirgt sich hinter jenem der Essenserziehung, und welchen Beitrag leisten die Inszenierungen des Essens für den Transport epochenspezifischer Mentalitäten?

Die untersuchten kinder- und jugendliterarischen Texte inszenieren mit grundverschiedenen Absichten die kulturell-geformte und die natürlich-sinnliche Dimension des Essens. Die aufklärerische Kinder- und Jugendliteratur nutzt das Essen in seiner kulturellen Formung als Konstituente des bürgerlichen Sozialisationsprozesses. Sowohl in Campes Robinson der Jüngere als auch in den moralischen Beispielgeschichten dienen Essenssituationen als Anlass, den bürgerlichen Tugendkanon durchzuspielen und auf einer kindgerechten Ebene zu illustrieren. So offenbaren sich hinter einer konkret-informativen Ebene (Was sind Kartoffeln oder Kokosnüsse? Wie wird Feuer gemacht und Fleisch gebraten?) und eindringlichen gesundheitlichen Appellen (Süßigkeiten als Auslöser für faulende Zähne, tödliche Bauchschmerzen, Siechtum) das bürgerliche Selbstbewusstsein samt seiner Abgrenzung vom Ungeformt-Wilden (Esswerkzeuge, Überführung des Fleisches vom rohen in den gekochten Zustand) sowie Kardinaltugenden...

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