Show Less
Restricted access

Inszenierungen des Essens in der Kinder- und Jugendliteratur

Aufklärung – Romantik – Biedermeier

Series:

Sonja Jäkel

Das Motiv des Essens ist in der Kinder- und Jugendliteratur allgegenwärtig – und bisher dennoch kaum erforscht. Dabei weist es weit über seine unmittelbare Körperlichkeit hinaus und trägt als formen- und funktionsreiches Motiv zur Gestaltung literarischer Welten bei. Anhand exemplarischer Texte der Aufklärung, der Romantik und des Biedermeier lotet die Studie aus, wie sich im Mikrokosmos des Essens gesellschaftliche Makrostrukturen und epochenspezifische Konzepte von Kindheit offenbaren. Damit wendet sich die Studie erstmals dem überraschend vielschichtigen Potenzial kinderliterarischer Essensinszenierungen zu und liefert nicht nur einen innovativen Forschungsbeitrag zur Literaturwissenschaft, sondern auch zum interdisziplinären Diskurs um Essen, Kultur und Gesellschaft.
Show Summary Details
Restricted access

5. Ausblick

Extract



Mit der Untersuchung der kinderliterarischen Essensinszenierungen in ihren verschiedenen Erscheinungsformen und Funktionen hat die vorliegende Arbeit versucht, zum einen eine thematische Forschungslücke zu füllen und zum anderen eine neue Perspektive auf den literarischen Kindheitsdiskurs zu eröffnen. Sie möchte ein historisches Fundament bereitstellen, auf dem weitere Forschungsarbeiten zum Essensmotiv in der Kinder- und Jugendliteratur aufbauen können. Denn erst das Bewusstsein um Quellen und Traditionen eines literarischen Gegenstandes ermöglicht es, seine spezifische Gestalt und sein Wirkungspotenzial vertieft zu erfassen. Auch für die kinderliterarischen Essensinszenierungen gilt, was Ewers für die Opposition von aufklärerischem und romantischem Erbe allgemein formuliert:

Der im Gegeneinander von […] aufgeklärt-didaktischer und romantischer Kinderliteratur erstmals sich manifestierende Antagonismus wird im Laufe der geschichtlichen Entwicklung in unzähligen Verkleidungen wiederkehren; noch in der allerjüngsten Debatte schimmert er durch. (1990 (b): 99)

So ist die historisch bedingte Spannung zwischen der Instrumentalisierung des Essens als Anlass für Erziehung und kulturelle Formung einerseits und für sinnlich-spontanes Erleben andererseits auch für das Verständnis der Essensmotivik in späterer Kinder- und Jugendliteratur wichtig. Der Gegensatz von sinnlich-triebhaften Wünschen und ihrer erzieherischen Domestizierung ist zum Beispiel deutlich in den bis heute beliebten Schlaraffenland-Variationen abzulesen. Während in Campes Robinson der Jüngere (1779) noch vehement vor der Schlaraffenland-Utopie gewarnt wird, widmen ihr die Brüder Grimm (1815) und Ludwig Bechstein (1845) eigene Märchen, und auch in Nußknacker und Mausekönig (1816) hält sie...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.