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Eine empirische Analyse der Anreize zur informellen Pflege

Impulse für Deutschland aus einem europäischen Vergleich

Series:

Christian Maier

Seit dem Jahr 1995 existiert in Deutschland die Pflegeversicherung als eigenständige Säule der sozialen Sicherung. Vor dem Hintergrund der sich vollziehenden demografischen Entwicklung offenbart sich zunehmender Reformbedarf und es sind Lösungsansätze vonnöten, welche die Finanzierbarkeit des Systems bei gleichzeitiger Ausrichtung an den Präferenzen der Bürger gewährleisten. Dies legt eine Förderung der Bereitschaft und Möglichkeit zur informellen Pflege nahe, da diese Form sowohl als kostengünstigste als auch gefragteste Pflegeleistung gilt. In dieser Arbeit schließt sich an die Darstellung des Status quo sowie der modelltheoretischen Grundlagen eine empirische Analyse der Anreize zur informellen Pflege in Europa an. Die gewonnenen Erkenntnisse ermöglichen einen Vergleich mit den Anreizwirkungen in Deutschland sowie die Ableitung von Politikimplikationen.
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2 Demografie

← 12 | 13 → 2 Demografie

2.1 Demografische Entwicklung in Deutschland

2.1.1 Status quo

Die Ausgestaltung der Gesetzlichen Rentenversicherung nach dem Umlageverfahren und somit auf Grundlage des Generationenvertrags rechtfertigte der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer im Jahr 1957 mit dem Ausspruch „Kinder kriegen die Leute immer“. Diese wichtige Voraussetzung für das Funktionieren des Generationenvertrags – und somit auch des Umlageverfahrens - ist in Zeiten des demografischen Wandels kritisch zu hinterfragen. Der Generationenvertrag, der im Laufe der vergangenen beiden Jahrhunderte ständigem Wandel unterlag (vgl. Hardach (2006)), sichert als fiktive und nicht einklagbare Verpflichtung zukünftiger Generationen die Ansprüche der Einzahlenden im Vertrauen, in der eigenen post-aktiven Phase von diesem System zu profitieren. Die schematische Skizze in Abbildung 2 verdeutlicht die Funktionsweise des auf einen Entwurf10 von Schreiber zurückgehenden Umlageverfahrens der Gesetzlichen Rentenversicherung, die sich auf Grund des zeitlichen Auseinanderfallens von Einzahlung und Inanspruchnahme des Leistungsversprechens11 auf die Soziale Pflegeversicherung übertragen lässt (vgl. Kasperbauer und Engel (2009), S. 227). Theoretische Grundlage bildet das Modell sich überlappender Generationen (Overlapping Generations- bzw. OLG-Modell), bei dem die Lebenszeit der Individuen sich in Erwerbs- und somit Einzahlungsphase einerseits und die anschließende Phase des Leistungsbezugs andererseits aufteilt.12 Neben ← 13 | 14 → der Skizzierung der Funktionsweise des Umlageverfahrens (die Einzahlungen der aktiven Generation werden für die Leistungsempfänger derselben Periode t verausgabt [Zt ]) wird das alternative Kapitaldeckungsverfahren (die Einzahlungen der aktiven Generation werden angespart und kommen in t+1 dieser Generation als Leistungsempfänger zugute [St ]) gegenübergestellt (vgl. Breyer und Buchholz (2009), S. 121f.).

Abbildung 2: Umlage- und Kapitaldeckungsverfahren im Vergleich

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Quelle: Breyer und Buchholz (2009), S. 123.

Das Umlageverfahren ist stark davon abhängig, dass die einzahlenden Kohorten die Ansprüche der Leistungsbezieher auch befriedigen können. Der formale Zusammenhang image (vgl. Breyer und Buchholz (2009), S. 121f.) vereinfacht sich zu

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mit

Z

Leistungsausgaben

N

arbeitende Bevölkerung

b

bruttolohnbezogener Pflegeversicherungsbeitragssatz

w

Lohnsatz

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Arbeitszeit (konstant)

und beschreibt die Einfluss nehmenden Faktoren und Stellschrauben. Es wird deutlich, dass eine signifikant kleiner werdende Anzahl Einzahlender ein vergleichbares Leistungsvolumen nur durch starkes Lohnwachstum oder eine drastische Beitragssatzerhöhung leisten kann. Andererseits ergibt sich bei gleichbleibenden Faktoren auf der rechten Seite der Gleichung die Konsequenz einer sinkenden Leistungshöhe pro Anspruchsberechtigtem. Eine der wichtigsten Bestimmungsgrößen der Veränderung stellt folglich das Ausmaß des ← 14 | 15 → demografischen Wandels dar, der im Folgenden näher beschrieben und hinsichtlich seiner Ausprägungen sowie deren Auswirkungen auf die Pflegeversicherung in Deutschland analysiert wird.

Untersuchungsgegenstand der Bevölkerungswissenschaft bzw. Demografie ist die Erforschung der menschlichen Bevölkerung nach ihrer Größe und ihrer Struktur sowie ihre Veränderung (Dynamik). Die Determinanten dieser Stromgröße sind Fertilität, Mortalität und Wanderungen; die Bestandsgröße „Bevölkerung“ spiegelt darüber hinaus auch ein Trägheitsmoment früherer Bevölkerungsdynamik (siehe beispielhaft den Artikel von Keyfitz (1971)) wider. Dieser Umstand führt dazu, dass die Auswirkungen aktueller Entwicklungen ihren Niederschlag zum Teil erst weit in der Zukunft erfahren, sie in ihrer Struktur aber bereits heute determiniert sind. Für Deutschland und andere Länder mit anhaltend geringer Fertilität führt dies zu einem allmählich zunehmenden Geburtendefizit, wie auch die Grundgleichung der Bevölkerungsdynamik verdeutlicht (vgl. Ulrich (2012), S. 329f.):

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mit

Pt

Bevölkerung zum Ausgangszeitpunkt

B

Geburten

D

Sterbefälle

I

Zuzüge

E

Fortzüge

Es zeigt sich, dass sich die Größe einer Bevölkerung aus der Bevölkerungszahl der Vorperiode, korrigiert um die Geburten- (Saldo aus Geburten und Sterbefällen) und die Wanderungsbilanz (Saldo aus Zu- und Fortzügen) der aktuellen Periode, bestimmt. Der Ausdruck des demografischen Wandels, welcher per se weder positiv noch negativ besetzt ist, beschreibt die resultierenden Veränderungen in der Alterszusammensetzung einer Gesellschaft. Wenngleich strenggenommen in seiner Richtung unbestimmt, konzentrieren sich Betrachtungen zu diesem Thema in den letzten Jahrzehnten auf einen Anstieg des gesellschaftlichen Durchschnitts- bzw. Medianalters (vgl. Pack (2000), S. 8). Obschon die Ergebnisse beider Messmethoden hinsichtlich des Ausmaßes voneinander abweichen, stimmen sie im Trend doch überein. Die Entwicklung des Medianalters in den vergangenen 50 Jahren wird in Abbildung 3 deutlich, in der ausgehend von einem Medianalter von 34,8 Jahren im Jahr 1960 nach einem seit den siebziger Jahren kontinuierlich verlaufendem Anstieg und einer Zunahme von nahezu 10 Lebensjahren ein Wert von 44,2 Jahren im Jahr 2010 erreicht wird. ← 15 | 16 → Der vorläufige Wert für das Jahr 2011 liegt bei 44,6 Jahren. Verglichen mit der Entwicklung in den 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union stellt dieser Anstieg keine Ausnahme dar. Wurde im Mittel über alle 27 Staaten im Zeitraum 1985 – 2010 eine Entwicklung von 34,1 Jahren zu 40,9 Jahren und somit ein Zuwachs von 6,8 Jahren realisiert, so entspricht dies exakt dem beobachteten Anstieg für Westdeutschland13 – wenngleich sich dieser auf höherem Niveau vollzog (vgl. eurostat (2012)). Differenziert nach Geschlechtern ergibt sich für das Jahr 2010 für Männer ein Medianalter von 43,5 Jahren (Durchschnittsalter: 42,3 Jahre), das der Frauen liegt bei 45,7 Jahren (Durchschnittsalter: 45,0 Jahre). Die abweichende Differenz zum Durchschnittsalter erklärt sich aus der unterschiedlichen geschlechtsspezifischen Kohortenstärke (vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (2012)).

Abbildung 3: Entwicklung des Medianalters in Deutschland14 (1960 – 2010)

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Quelle: eigene Darstellung mit Daten von eurostat (2012).

← 16 | 17 → Die Entwicklung des Medianalters deutet auf Veränderungen in der Größe und der Struktur der Bevölkerung hin, welche sich aus den Salden von Geburten- und Sterberate einerseits und Zu- und Abwanderung andererseits bemessen (vgl. Ulrich (2006b), S. 241f.). Im Folgenden werden die aktuellen Ausprägungen dieser Faktoren sowie deren Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten dargestellt. So wurden bspw. für das Jahr 2010 in Deutschland 677.947 Lebendgeburten registriert, was einer zusammengefassten Geburtenziffer von weniger als 1,4 Kindern je Frau im Alter von 15 bis 49 Jahren entspricht. Die Zahlen für die in Abbildung 4 dargestellten Geburtenziffern der letzten zwei Jahrzehnte verdeutlichen die Stabilität dieser Entwicklung. Einzig das Geburtentief in den neuen Bundesländern in den Jahren direkt nach der deutschen Wiedervereinigung mit anschließender Angleichung des Geburtenniveaus markiert einen Einschnitt. Wenngleich sich die durchschnittliche Kinderzahl im Osten und im Westen Deutschlands auf vergleichbarem Niveau bewegt, gründet sie doch auf abweichenden Fertilitätsmustern: Während der Trend zum Einzelkind die ostdeutsche Geburtenziffer prägt, zeichnet sich in Westdeutschland eine hohe generelle Kinderlosigkeit verantwortlich (vgl. Statistisches Bundesamt (2012a), S. 26f.).

Abbildung 4: Zusammengefasste Geburtenziffer in Deutschland (1990 - 2010)

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Quelle: eigene Darstellung mit Daten von destatis (2012).

← 17 | 18 → Der langfristige Trend stark rückläufiger Geburtenzahlen seit dem Nachkriegsrekordjahr 1964 (1.357.304 Lebendgeburten) wird deutlich anhand der in Abbildung 5 skizzierten Abnahme der Anzahl der Geburten je 1.000 Einwohner im betreffenden Jahr. Als Gründe hierfür werden unter anderem der sogenannte Pillenknick und ein gesellschaftlicher Wertewandel in zahllosen Veröffentlichungen angeführt15, was jedoch bei Betrachtung der in Deutschland, mit Ausnahme kurzer Phasen nach den beiden Weltkriegen und der Weltwirtschaftskrise, schon seit den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts rückläufigen Geburtenrate anzuzweifeln ist. Insbesondere der Pillenknick ist somit weniger als Auslöser, sondern vielmehr als ein stabilisierender Faktor eines niedrigen Geburtenniveaus zu sehen. Bemerkenswerterweise wurde die bestandserhaltende Zahl von gut 2,1 Kindern pro Frau bereits weit vor Einsetzen des häufig auf die sechziger und siebziger Jahres des 20. Jahrhunderts datierten Wertewandels von der Frauengeneration des Jahrgangs 1905 unterschritten (vgl. Birg (2004), S. 77). Als alternativer Erklärungsansatz sollte laut Birg in Erwägung gezogen werden, dass es sich - gemäß einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung – um „[…]das ungeplante, ungewollte und unvermeidliche Ergebnis des sozio-ökonomischen Entwicklungsprozesses[…]“ (Birg (2004), S. 77) handelt. Das bedeutet, dass ein in seiner Entwicklung fortschreitendes Land mit dem Auf- und Ausbau kollektiv finanzierter wohlfahrtsstaatlicher Einrichtungen (wie beispielsweise der Pflegeversicherung) umso empfindlicher von den Folgen dieser biographischen Entscheidung in Form abnehmender Geburtenraten getroffen wird, je größer individueller Wohlstand und kollektive Wohlfahrt sind (vgl. Birg (2004), S. 72ff.). Eine wissenschaftlich zweifelsfreie Kausalität hinsichtlich der Determinanten der beobachteten demografischen Entwicklung zu identifizieren, scheint auf Grund der zeitlichen Divergenz von Ursache und Wirkung nahezu unmöglich. Als isoliert betrachtete, langfristige Folge hingegen stellt sich ein Bevölkerungsrückgang ein, da eine derartige Fertilitätsrate zu einer um ein Drittel kleineren Kindergeneration verglichen mit der Elterngeneration führt (vgl. Kröhnert et al. (2007), S. 7).

← 18 | 19 → Abbildung 5: Geburten je 1.000 Einwohner in Deutschland (1960 - 2010)

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Quelle: eigene Darstellung mit Daten von destatis (2012).

Den zweiten Einfluss nehmenden Faktor auf das Medianalter stellen die Sterbefälle dar. Die in Abbildung 6 abgebildeten absoluten Zahlen weisen für Deutschland im Zeitablauf eine nur geringe Varianz auf und schwanken um 900.000. Die Anzahl der im Jahr 2010 Verstorbenen beispielsweise entspricht recht genau dem langjährigen Mittel seit 1990 (858.768 zu 859.267). Verglichen mit dem deutlichen Rückgang der Geburten in Abbildung 5 hingegen deutet die Grafik der Verhältniszahlen der sogenannten rohen Sterberate in Abbildung 7 den nur leicht rückläufigen langfristigen Trend bei den Verstorbenen je 1.000 Einwohner und Jahr an. Erweitert man den Betrachtungshorizont, so wird deutlich, dass der Rückgang der Sterblichkeit auf das heutige Niveau sich als ein langer und sich kontinuierlich vollziehender Prozess darstellt. Ausgehend von der Abnahme der Säuglings-, Kinder- und Müttersterblichkeit zum Ende des 19. Jahrhunderts als erstem einschneidenden Rückgang sorgte in der Folge eine Vielzahl unterschiedlicher Faktoren wie bspw. Verbesserungen der Hygiene- und Wohnbedingungen, der Ernährungsgewohnheiten oder Fortschritte in der medizinischen Versorgung für eine weitere Verringerung. Im 20. Jahrhundert wiederum prägten vor allem externe Mortalitätseinflüsse wie Kriege, Naturkatastrophen oder Krankheitsepidemien die Entwicklung der Sterblichkeit, wohingegen sich der zweite, entscheidende Rückgang der Sterblichkeit seit Mitte des 20. Jahrhunderts vor allem in den höheren Altersgruppen manifestiert.

← 19 | 20 → Abbildung 6: Anzahl der Sterbefälle in Deutschland (1960 - 2010)

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Quelle: eigene Darstellung mit Daten von destatis (2012).

Abbildung 7: Verstorbene je 1.000 Einwohner in Deutschland (1960 - 2010)

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Quelle: eigene Darstellung mit Daten von destatis (2012).

← 20 | 21 → Die oben beschriebenen Verläufe der Geburts- und Sterbezahlen erklären in weiten Teilen den deutlichen Anstieg des Medianalters in Deutschland in den vergangenen 50 Jahren. Bis Anfang der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts herrscht in Deutschland Geburtenüberschuss; in Folge der absinkenden und fortan mehr oder weniger konstant niedrigen Geburtenrate in Kombination mit der nur leicht rückläufigen Sterberate kommt es neben der Erhöhung des Medianalters auch zu einem Schrumpfen der Gesellschaft. Die Kurve in Abbildung 8 dokumentiert das Ausmaß des auf der natürlichen Bevölkerungsbilanz (Saldo aus Geburten und Sterbefällen) beruhenden Rückgangs der Einwohnerzahl in Deutschland, welches im Jahr 1975 mit einem Minus von 207.339 Personen den Höhepunkt erreicht, aber auch in jüngerer Vergangenheit dieser Marke nahe kommt.

Abbildung 8: Natürliche Bevölkerungsbilanz in Deutschland (1960 - 2010)

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Quelle: eigene Darstellung mit Daten von destatis (2012).

Neben der demografischen Alterung prägt laut Abschlussbericht der Enquetekommission „Demographischer Wandel“ aus dem Jahr 2002 insbesondere der Wanderungssaldo die demografische Entwicklung in Deutschland (vgl. Deutscher Bundestag (2002), S. 15). Vornehmlich gemeint ist damit der Saldo der Außenwanderung, also die Grenzen der Bundesrepublik Deutschland überschreitende Zu- und Fortzüge. Diese Größe wird in den Abbildung 9 und Abbildung 10 beschrieben.

← 21 | 22 → Abbildung 9: Zuzüge nach und Fortzüge aus Deutschland (1960 - 2010)16

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Quelle: eigene Darstellung mit Daten von destatis (2012).

Bei Betrachtung der Entwicklung der Zuzüge nach Deutschland fällt im Zeitablauf eine deutlich höhere Volatilität verglichen mit der Anzahl der Fortzüge auf. Während letztgenannte zwar ebenfalls größeren Schwankungen unterliegt, weist die Migrationskurve hohe Ausschläge auf. Die Unterschiede liegen in der mutmaßlich divergierenden Motivation, welche sich in aller Regel auf das Herkunftsland bezieht, beider Gruppen begründet: Während für Personen, die Deutschland den Rücken kehren, in erster Linie demnach die Situation und Rahmenbedingungen hierzulande eine Rolle spielen, trifft dies im umgekehrten Fall auf das jeweilige Herkunftsland gleichermaßen zu. Erst in zweiter Linie werden dann die Faktoren im angestrebten Destinationsland einbezogen. Auf Grund der relativen Stabilität im Inland ist der Trend der Fortzüge somit vergleichsweise gut kalkulierbar, wohingegen für Zuzüge neben der Attraktivität Deutschlands als Zielland auch die Entwicklungen im Heimatland potenzieller Migranten relevant sind.

Der resultierende Wanderungssaldo in Abbildung 10 spiegelt dies wider. Ebenfalls wird deutlich, dass mit Ausnahme von neun Jahren, in denen ← 22 | 23 → ein - verhältnismäßig geringer – negativer Wanderungssaldo realisiert wurde, Deutschland ein Einwanderungsland ist. Dies veranschaulicht der Überschuss der Zu- über die Fortzüge in Höhe von rund zehn Millionen Menschen im betrachteten Zeitraum.

Abbildung 10: Wanderungssaldo Deutschland (1960 - 2010)17

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Quelle: eigene Darstellung mit Daten von destatis (2012).

Für das Jahr 2010 teilen sich die 798.282 Zuzüge und 670.605 Fortzüge saldiert nach Altersgruppen wie Abbildung 11 zeigt, auf. Es wird deutlich, dass in den Kategorien der unter 55-Jährigen ausschließlich positive, und im Bereich über 55 Jahren durchweg negative Wanderungssalden zu verzeichnen sind. Die umfangreichsten Zuwächse sind bei den 20 - 25-Jährigen, bzw. weiter gefasst im Alter von 15 bis 35 Jahren, auszumachen, während der Saldo der Abwanderungen mit Eintritt in das Rentenalter kulminiert und danach wieder abflacht.

Im Kontext der informellen Pflege im Allgemeinen und des informellen Pflegepotenzials im Speziellen dürfen aber auch die Effekte der insbesondere seit der ← 23 | 24 → Wiedervereinigung zu verzeichnenden starken Binnenwanderungen nicht vernachlässigt werden, da sie die räumliche Distanz zwischen Familienmitgliedern tendenziell erhöhen (vgl. Bogedan et al. (2008), S. 15f.). Um das Ausmaß der individuellen Mobilität, ausgedrückt in der durchschnittlichen Distanz zwischen altem und neuem Wohnort, besser zu quantifizieren, bietet sich folgende grobe Unterscheidung an:

Umzug innerhalb einer Gemeinde;

Umzug in eine andere Gemeinde des selben Bundeslandes;

Umzug in eine andere Gemeinde eines anderen Bundeslandes.

Abbildung 11: Wanderungssaldo Deutschland nach Alterskategorien in 2010

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Quelle: eigene Darstellung mit Daten von destatis (2012).

Während Wanderungen der ersten Kategorie mangels Bedeutung für diese Arbeit nicht näher betrachtet werden, dürfen die Wanderungsbewegungen der zweiten und dritten Kategorie nicht außer Acht gelassen werden und weisen große regionale Unterschiede auf Bundesland- oder gar Kreisebene auf (vgl. Sommer (2005), auf Basis der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung).18 Wie in Abbildung 12 deutlich wird, nehmen die beiden Kurven für Umzüge innerhalb eines Bundeslandes wie auch für Umzüge über Bundeslandgrenzen hinweg einen ähnlichen Verlauf. Nach einer Plateauphase bis Mitte der 70er Jahre nahm die Umzugstätigkeit zunächst stark ab. ← 24 | 25 → Betrachtet man die absoluten Zahlen, wurde dieser Rückgang ab Ende der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts bis Mitte der 1990er Jahre kompensiert und im Falle der Wanderungen innerhalb eines Bundeslandes sogar überkompensiert. Während die Zahl der letztgenannten Umzüge seitdem wieder abnimmt, verharrt die Zahl der Wanderungen zwischen den Bundesländern auf dem erreichten Niveau. Berücksichtigt man den wiedervereinigungsbedingten Sondereffekt, ist die Gesamtzahl der Umzüge beider Kategorien zusammen klar rückläufig. Waren im Jahr 1965 noch rund 3,6 Millionen Umzüge zu verzeichnen, nahm diese Zahl bis zur Wiedervereinigung auf unter drei Millionen Bewegungen ab und auch die Zahl für Gesamtdeutschland liegt im Jahr 2010 knapp unter dem Ausgangswert aus dem Jahr 1965.

Abbildung 12: Wanderungen innerhalb Deutschlands (1965 - 2010)19

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Quelle: eigene Darstellung mit Daten von destatis (2012).

Die bisherigen Betrachtungen legen nahe, dass das sich aus der Summe der betrachteten, teils gegenläufigen, Effekte ergebende Wachstum der Bevölkerung Deutschlands bis zum Jahr 2002 (siehe auch Abbildung 13) auf Grund der seit 1972 negativen natürlichen Bevölkerungsbilanz allein auf dem im ausklingenden 20. Jahrhundert positiven Migrationssaldo beruht (vgl. Ulrich und Schmähl (2001), S. 9ff. und Kontula und Söderling (2008), S. 6). Die bestehende Lücke zum bestandserhaltenden Niveau kann langfristig auch durch die im letzten Viertel ← 25 | 26 → des vergangenen Jahrhunderts zunächst ansteigende Migrationsrate (vgl. Philipov und Schuster (2010), S. 29) aber nicht geschlossen werden, zumal dieser Wanderungsgewinn seit dem Jahr 2003 eine rückläufige Tendenz aufweist. Darüber hinaus reicht auch zukünftig die maximale in den Vorausberechnungen unterstellte Nettozuwanderung von bis zu 9,4 Millionen Menschen bis zum Jahr 2060 (vgl. Statistisches Bundesamt (2009)) zur Überkompensation nicht aus, da dies mehr als 350.000 Nettozuzüge pro Jahr bedingen würde (vgl. SVR (2011), S. 37). Vielmehr konstatiert Sinn, dass Zuwanderung unter gewissen Umständen auf Grund der vielfältigen Verflechtungen der Systeme der sozialen Sicherung in Deutschland „[…] kein Beitrag zur Lösung, sondern ein Beitrag zur Vergrößerung der Probleme des Sozialstaats[…]“ (Sinn (2005), S. 80) sein kann. In besonderem Maße trifft dies bei nicht übereinstimmender Lohnerwartung mit der eigenen Arbeitsproduktivität zu (vgl. Graf von der Schulenburg (2006), S. 194). Des Weiteren stellt der Zuzug von Ausländern keine verlässlich kalkulierbare Größe dar, wie die in Folge der sinkenden Attraktivität des deutschen Arbeitsmarktes rückläufigen Zahlen während der neunziger Jahre zeigen (vgl. Münz et al. (1999), S. 21ff.). Auch die isolierte Betrachtung des Gesundheits- und Pflegesektors lässt keinen anderen Schluss zu, ist doch auf Grund der jüngeren Altersstruktur der Migranten, trotz zunächst geringerer Ausgabeneffekte, sozialepidemiologisch gesehen eine alterskorrelierte Dynamik zukünftig nicht auszuschließen (vgl. Schulz-Nieswandt (1997), S. 50).

Abbildung 13: Bevölkerungsentwicklung in Deutschland (1950 - 2010)20

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Quelle: eigene Darstellung mit Daten von destatis (2012).

← 26 | 27 → Abbildung 14: Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland (1910, 1950, 2008)

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Quelle: Statistisches Bundesamt (2009).

Die beschriebenen Entwicklungen resultieren, wie Abbildung 14 zeigt, in den folgenden sichtbaren Veränderungen im Altersaufbau der Bevölkerung in den Jahren 1910, 1950 und 2008. Während zunächst die idealtypische Pyramiden- oder Dreiecksform eines Landes mit rasch wachsender Bevölkerung noch deutlich zu erkennen ist, zeigen sich im Jahr 1950 deutliche Einschnitte in die eigentlich zu erwartende Glockenform des Bevölkerungsaufbaus. Diese gehen auf die Krisen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, umrahmt durch die beiden Weltkriege, zurück. Die Pilzform des Jahres 2008 kennzeichnet die Entwicklung in Staaten, welche sich den Herausforderungen des demografischen Wandels nach heutigem Verständnis ausgesetzt sehen.

Die beschriebene demografische Entwicklung stellt in den meisten Industrienationen die wichtigste Triebfeder zur Reform der Systeme der sozialen Sicherung dar. Dabei wird unter dem Schlagwort des demografischen Wandels sowohl die Zukunftsfestigkeit der Kranken-21, Renten-22 und Arbeitslosen-, insbesondere aber auch der Pflegeversicherung immer wieder kritisch analysiert. Dies basiert in der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur insbesondere auf dem Phänomen des doppelten Alterungsprozesses (double aging; vgl. Börsch-Supan und Chiappori (1991), S. 107), welches umlagefinanzierte Sozialversicherungen in erster Linie finanzierungsseitig vor erhebliche Probleme stellt (vgl. Fetzer (2005), S. 1). Aus der Kombination von anhaltendem Geburtenrückgang ← 27 | 28 → bei gleichzeitig steigender Lebenserwartung folgt, dass neben bedeutenden gesellschaftlichen auch volkswirtschaftliche Veränderungen ausgelöst werden (vgl. Ulrich (2001) am Beispiel der GKV sowie Zweifel (2001b)).

Als Maße zur Verdeutlichung des Anteils der wirtschaftlich Abhängigen, von den durch die arbeitende Bevölkerung im Umlageverfahren aufzubringenden monetären Mitteln, haben sich der Alten-, Jugend- und Gesamtquotient etabliert. Hierbei wird, wie Formel 3 am Beispiel des Altenquotienten AQ65 zeigt, die Bevölkerung älter 65 Jahre ins Verhältnis gesetzt zu 100 Personen im erwerbsfähigen Alter, welches auf den Bereich zwischen 20 und 64 Jahren festgelegt wird. Andere Abgrenzungen sind – im Zähler wie im Nenner – möglich und nicht unüblich, wie der Vorschlag einer flexiblen Altersdefinition von de Santis (2003) zeigt.23

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Die Entwicklung des Altenquotienten seit den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts zeigt zunächst einen verhältnismäßig gleichbleibenden Wert von ca. 25, welcher seit Anfang der 1990er Jahre allerdings stark anwächst und derzeit einen Wert von rund 35 Personen im Alter von mehr als 65 Jahren je 100 Personen zwischen 20 und 64 Jahren ausweist. In Kombination mit dem Jugendquotienten, also dem Anteil der Bevölkerung jünger als 20 Jahre, welcher im selben Zeitraum von über 50 auf unter 30 gesunken ist und sich dort in den letzten Jahren stabilisiert hat, weist die Bundesrepublik für das Jahr 2008 ein Verhältnis von rund 65 wirtschaftlich abhängigen Personen aus (vgl. Statistisches Bundesamt (2006), S. 24 und Statistisches Bundesamt (2009)). Letztgenannter Wert ist zur Erfüllung des sogenannten Drei-Generationenvertrags (vgl. Fetzer (2005), S. 4) relevant, da er die Bedeutung der Größe der erwerbstätigen Generation für die von ihr Abhängigen hervorhebt.

Im Kontext der vorliegenden Arbeit greift diese Einschränkung auf einen Teil der Komponenten der demografischen Entwicklung somit jedoch zu kurz. Die Auswirkungen des double aging-Effekts liefern zwar einen wichtigen Beitrag, erklären im Bereich der nicht-professionellen Pflege jedoch nur unvollständig die für die Abschätzung der zukünftigen Bereitschaft zur informellen Pflegeleistung wichtigen Einflussfaktoren. Der Themenkomplex Demografie wird bei Betrachtungen zur informellen Pflege in allen Dimensionen angesprochen, was eine differenziertere und umfassende Betrachtung der Veränderungen in unserer ← 28 | 29 → Gesellschaftsstruktur nötig macht. Wie kaum ein anderer Bereich ist die informelle Pflege doppelt betroffen, da die demografische Entwicklung sowohl auf Seiten der Empfänger pflegerischer Leistungen als auch auf Seiten der Pflegeperson selbst Einfluss nimmt. Dies liegt begründet in den zahlreichen Facetten des demografischen Wandels, der in diesem Kontext mehr ist als zahlenmäßiges Schrumpfen bei gleichzeitiger Alterung, wie auch die Anpassung der zeitlichen Ausdehnung alter und Herausbildung neuer, für die jeweilige Zeit charakteristischer, Abschnitte in den Lebensläufen der Individuen belegen. Diese Änderungen fließen ein in Hurrelmanns idealtypische Skizzierung der veränderten Strukturierung der Lebensphasen (siehe Abbildung 15), welche den Wandel zu vier verschiedenen Zeitpunkten dokumentieren und prognostizieren (vgl. Hurrelmann (2007), S. 16f.; siehe hierzu auch Nave-Herz (2003), insbesondere S. 81ff.).

Abbildung 15: Strukturierung von Lebensphasen (1900, 1950, 2000, 2050)

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Quelle: Hurrelmann (2007), S. 17.

Diese Änderungen sind Ausdruck des Wandels der Selbstwahrnehmung und des Selbstverständnisses des Einzelnen einerseits, wie auch Reaktion auf die einströmenden Einflüsse und gesellschaftlichen Veränderungen andererseits. Hierzu gehört auch, dass seit den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts ein verändertes Familienverständnis zum Tragen kommt. Wenngleich das Familienbild mit Ehe und Kind(ern) nach wie vor dominierte (vgl. Alt (2001), S. 63ff.), drängten eine abnehmende Heiratsneigung und steigende Scheidungsraten (siehe Abbildung 16) die Familie als vorherrschende Lebensform immer weiter zurück ← 29 | 30 → (vgl. BMFSFJ (2003), S. 67 und Röttger-Liepmann (2007), S. 40ff.). Die daraus folgende Singularisierung und Pluralisierung der Lebensverhältnisse der derzeit rund 40 Millionen Haushalte in Deutschland spiegelt sich in der im Laufe der vergangenen 50 Jahre immer stärkeren Verbreitung von Ein- und Zwei-Personen-Haushalten und einer sinkenden durchschnittlichen Zahl der Haushaltsmitglieder wider (vgl. Hullen (2004), S. 22f. und Schmidt und Moritz (2009), S. 39f.). So konnte sich der Anteil der Ein-Personen-Haushalte von gut 20 % auf über 40 % nahezu verdoppeln und auch die Zwei-Personen-Haushalte dehnten ihr relatives Gewicht von 26,5 % im Jahr 1961 auf 34,4 % im Jahr 2011 aus. Dementgegen steht ein Rückgang der Drei-Personen-Haushalte (von 22,6 % auf 12,6 %), Vier-Personen-Haushalte (von 16,0 % auf 9,4 %) und Haushalten mit fünf oder mehr Personen (von 14,3 % auf 3,4 %) im gleichen Zeitraum (vgl. destatis (2012)).

Abbildung 16: Eheschließungen und –scheidungen in Deutschland (1960 - 2010)24

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Quelle: eigene Darstellung mit Daten von destatis (2012).

Diese bis heute nebeneinander existierende und akzeptierte Vielfalt der Lebensformen25 bringt den Generationenvertrag insbesondere hinsichtlich der ← 30 | 31 → Pflegeversicherung durch das zukünftige Fehlen familiärer informell Pflegender an die Grenzen der Belastbarkeit und stellt die staatliche Familienpolitik – nicht nur bezüglich der Pflege - vor große Herausforderungen (vgl. Hantrais (2004), S. 67ff.). Es stellen sich auch direkte Folgen für die Staatsfinanzen ein (vgl. Ehrentraut und Heidler (2007)) und es kommt zu Wechselwirkungen mit anderen, ebenfalls durch die Auswirkungen des demografischen Wandels geprägten, Zweigen der sozialen Sicherung und der Wirtschaft, bspw. in Form eines sich verändernden Arbeitsmarktes. Zahlreiche Regierungsinitiativen zielten in den vergangenen zwei Jahrzehnten auf eine Stärkung der Erwerbsbeteiligung der Bundesbürger ab (für eine Übersicht siehe Gessler und Stübe (2008), S. 17), wodurch die Quote der informell Unterstützenden von derzeit gut 11 % in der Altersgruppe der 40- bis 85-jährigen Deutschen (vgl. Künemund (2006), S. 304ff.) in Zukunft tendenziell schrumpfen dürfte. Hierzu tragen die Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters und die damit verbundene steigende Erwerbsbeteiligung von (Jung-)Senioren ebenso bei, wie bereits ihre Wirkung entfaltende Maßnahmen zur Arbeitsmobilität26 mit räumlicher Flexibilität. Diese Entwicklung tritt, wie in Abbildung 17 ablesbar, im Verlauf der letzten 20 Jahre deutlich zu Tage. Während die obere Linie, die die Beschäftigungsquote der gesamten Bevölkerung zwischen 20 und 64 Jahren abbildet, über die Zeit einen moderaten Anstieg verzeichnet, verdeutlichen die beiden darunter liegenden Kurven die Gründe. Zum einen nähert sich die Erwerbsbeteiligung der Frauen der ihrer männlichen Kollegen an und steigt von unter 60 % auf über 70 % an. Zum anderen erfolgt in der Gruppe der 55 - 64-Jährigen ein rasanter Aufholprozess. Die Beschäftigungsquote steigt von knapp 38 % im Jahr 2001 auf annähernd 60 % im Jahr 2011.

Abbildung 17: Beschäftigungsquoten in Deutschland (1992 - 2011)

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Quelle: eigene Darstellung mit Daten von eurostat (2012).

← 31 | 32 → Die beschriebenen Trends dürften sich durch ein Absinken des Erwerbspersonenpotenzials und daraus resultierenden Lohnsteigerungen, welche die Attraktivität der Aufnahme einer Beschäftigung nochmals erhöhen, zukünftig noch verstärken. Die daraus folgende Dezimierung des Pools der für informelle Pflegezwecke potenziell zur Verfügung Stehenden hat Folgen für die gewachsene Sozialstruktur und vermindert die Belastbarkeit familiärer Netzwerke.

2.1.2 Bevölkerungsprojektion und Ausblick

Struktur und Größe der Bevölkerung der kommenden Jahre und Jahrzehnte sind bereits heute in weiten Teilen festgelegt und lassen sich, wenngleich mit Unsicherheit behaftet (vgl. Bieber (2011), S. 39f.), mittels sogenannter Bevölkerungsprojektionen quantifizieren. Diese erweitern das Spektrum der Handlungsoptionen über das Nachvollziehen vergangener Entwicklungen und damit einhergehender Reaktion hinaus um die Möglichkeit proaktiven Handelns und vorausschauender Planung zur Gestaltung der Zukunft. Die Notwenigkeit hierzu wird nicht nur anhand der im Folgenden näher beleuchteten 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung für Deutschland bis zum Jahr 2060 deutlich, vielmehr veranschaulichen Prognosen - etwa das Jahr 2025 betreffend (siehe Bertelsmann-Stiftung (2009)) – den sich rapide verengenden zeitlichen Spielraum. Wenngleich sich deutlich von Prognosen abgrenzend, sind die den Projektionen vorangestellten Annahmen mit der vergleichsweise hohen Anzahl von zwölf daraus resultierenden Szenarien (für Details siehe Statistisches Bundesamt (2009)) Ausdruck der herrschenden Unsicherheit zukünftige Entwicklungen betreffend (vgl. Ulrich (2012), S. 331f.).

Obschon mit Unsicherheit hinsichtlich des Ausmaßes behaftet, bestehen an dem generellen Faktum einer in den kommenden Jahrzehnten zahlenmäßig schrumpfenden Gesellschaft in Deutschland keine Zweifel. Abbildung 18 veranschaulicht die im Rahmen der mittleren, moderaten Bevölkerungsentwicklung prognostizierte Bandbreite der Einwohnerzahl und weist die demnach maximal und minimal zu erwartende Anzahl in Deutschland bis zum Jahr 2060 lebender Menschen aus. Es wird deutlich, dass in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends mit rund 82,5 Millionen Einwohnern der Höchststand erreicht wurde und bis zum Jahr 2060 in etwa das Niveau des Jahres 1950 realisiert wird. Der in diesem Jahr ausgewiesene Bevölkerungsstand von 68,7 Millionen Menschen kommt dem Mittel der oberen und unteren Grenze der dargestellten Prognose (64,7 - 70,1 Millionen) nahe.

← 32 | 33 → Abbildung 18: Bevölkerungsentwicklung in Deutschland (1950 - 2060)27

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Quelle: eigene Darstellung mit Daten von destatis (2012) (bis 2010) und Statistisches Bundesamt (2009) (ab 2011).

Der Anstieg der Lebenserwartung bei Geburt, welcher im Vergleich der Geburtsjahrgänge 1950 und 2050 ca. 15 Jahre betragen wird, und die mit der Erhöhung der fernen Lebenserwartung einher gehende Zunahme der Anzahl Hochbetagter28 bleibt nicht ohne Folgen für das Medianalter. Es wird im Jahr 2060 bei rund 52 Jahren liegen (eigene Berechnung mit Daten von Statistisches Bundesamt (2009)), was sich auch im Altersaufbau der Bevölkerung widerspiegelt (siehe Abbildung 19). Für den Altenquotienten AQ65 ist demnach in Prognosevariante 1-W1 ein Wert von über 67 zu erwarten. In Verbindung mit dem zukünftig als verhältnismäßig stabil prognostizierten und bei etwa 30 liegenden Jugendquotienten ergibt sich, wie Abbildung 20 zeigt, für den ← 33 | 34 → Gesamtquotienten ein Wert von 98,4 wirtschaftlich Abhängigen je 100 Personen im Alter von 20 bis 64 Jahren. Dies bedeutet, dass theoretisch jede Person im erwerbsfähigen Alter im Umlageverfahren Mittel für die Leistungen einer noch nicht im erwerbsfähigen Alter oder bereits im Rentenalter befindlichen Person einbringen muss. Die im Zuge der Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre vorgenommene Verlängerung der Lebensarbeitszeit wirkt sich, wie die Kurve zeigt, zukünftig nahezu proportional aus und senkt den Altenquotienten um acht Punkte.

Abbildung 19: Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland (2008 und 2060)

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Quelle: Statistisches Bundesamt (2009).

← 34 | 35 → Abbildung 20: Alten-, Jugend- und Gesamtquotient in Deutschland (2008 - 2060)

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Quelle: eigene Berechnung und Darstellung mit Daten von destatis (2012) (für 2008) und Statistisches Bundesamt (2009) (ab 2020).

Diese Effekte und Auswirkungen auf aggregierter nationaler Ebene dienen der Verdeutlichung der Dimension der ablaufenden Veränderungen. Eine entscheidende Rolle spielt jedoch die unterschiedlich starke, regionale Ausprägung der beschriebenen Entwicklung (siehe hierzu bspw. Kröhnert (2011)). In diesem Zusammenhang sind auch Versuche, dem Rückgang bspw. durch eine regional ausdifferenzierte Migrationspolitik (siehe von Loeffelholz (2010) am Beispiel Ostdeutschlands) entgegenzuwirken zu sehen.

2.2 Demografische Entwicklung in Europa

2.2.1 Status quo

Die sich derzeit in Deutschland vollziehende demografische Entwicklung stellt keinen Einzelfall dar, vielmehr ist sie Teil eines, zwar regional unterschiedlich stark ausgeprägten, globalen Phänomens (vgl. Schimany (2005), S. 11ff. und Huinink und Konietzka (2007), S. 75ff.). Neben der Alterung der Bevölkerung tragen in nahezu allen Ländern der Europäischen Union regionale Wanderungen und eine steigende (Arbeits-)Mobilität innerhalb der Staaten, aber auch zwischen den Ländern zu diesem Trend bei. Während Deutschlands Bevölkerung im Zeitraum 1990 bis 2010 jedoch lediglich um ← 35 | 36 → rund 3,4 % gewachsen ist, nahm die Zahl der Bürger in Frankreich, Belgien und Österreich (also in jenen Ländern, die im Verlauf der Arbeit näher betrachtet werden) um jeweils rund 10 % zu. Die damit einhergehende Veränderung des Medianalters illustriert Abbildung 22. Es wird deutlich, dass alle Staaten der demografischen Alterung unterliegen, obgleich diese den Wert für Deutschland nicht erreichen.29

Abbildung 21: Entwicklung des Medianalters in Europa (1990 - 2010)30

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Quelle: eigene Darstellung mit Daten von eurostat (2012).

Hinzu kommen Veränderungen in der Sozialstruktur und auch Aufholprozesse hinsichtlich der Beschäftigungsquoten lassen sich identifizieren, welche das informelle Pflegepotenzial bedrohen. Insbesondere Letztgenannte (siehe Abbildung 22, Abbildung 23 und Abbildung 24) erhöhen in den zurückliegenden Jahrzehnten, unter anderem duch eine in allen betrachteten Ländern nachweisbare steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen (vgl. Lewis (2004), S. 69ff.) und älteren Arbeitnehmern, den Reformdruck bezüglich der Pflegeabsicherung.

← 36 | 37 → Abbildung 22: Beschäftigungsquoten in Frankreich (1992 - 2011)

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Quelle: eigene Darstellung mit Daten von eurostat (2012).

Abbildung 23: Beschäftigungsquoten in Belgien (1992 - 2011)

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Quelle: eigene Darstellung mit Daten von eurostat (2012).

← 37 | 38 → Abbildung 24: Beschäftigungsquoten in Österreich (1994 - 2011)31

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Quelle: eigene Darstellung mit Daten von eurostat (2012).

Wie in den Abbildungen ersichtlich, beruhen die Beschäftigungsquoten zu großen Teilen neben landespezifischen Charakteristika auch auf den jeweiligen Rechtsgrundlagen und daraus erwachsenden Anreizen. Unverkennbar ist jedoch der generelle, aber unterschiedlich stark ausgeprägte Trend zu einer Zunahme der Beschäftigungsquoten älterer Arbeitnehmer und Frauen, welche in Summe einem Großteil der Erhöhung des Anteils der Gesamtbevölkerung im erwerbsfähigen Alter, der einer Beschäftigung nachgeht, ausmacht. Am deutlichsten fällt in allen Ländern der Zuwachs im Bereich der Beschäftigten im Alter 55+ aus, wenngleich keines der hier betrachteten Länder an die in Deutschland realisierte Beschäftigungsquote von nahezu 60 % heranreicht.

Die historische Entwicklung des Altenquotienten32, wie in Abbildung 25 abgetragen, offenbart deutliche Differenzen zwischen dem Wert für Deutschland ← 38 | 39 → und denen der anderen Länder. Seit Beginn des neuen Jahrtausends erhöht sich der Altenquotient deutlich schneller, als es in Frankreich, Belgien und Österreich der Fall ist. Dies ist eine direkte Folge einer anhaltend und zum Teil bedeutend niedrigeren Geburtenrate als in den anderen Ländern. Lediglich Österreich, deren Altenquotient seit dem Jahr 2005 ebenfalls stark steigt, hat in den vergangenen Jahrzehnten eine vergleichbar niedrige Rate zu verzeichnen.

Abbildung 25: Altenquotient in Europa (1960 - 2010)33

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Quelle: eigene Darstellung mit Daten von eurostat (2012).

Wenngleich die wirtschaftlichen Entwicklungen in Europa den (noch schwachen) Wachstumstrend der Geburtenraten in den letzten Jahren zunächst durchbrechen konnte, scheint zumindest ein weiteres Absinken unwahrscheinlich (vgl. Bongaarts und Sobotka (2011), S. 41f.). Die Auswirkungen der sich rasant wandelnden ökonomischen Rahmenbedingungen in Europa als Ganzes aber auch bezüglich einzelner Länder führen des Weiteren dazu, dass die Auswirkungen bisheriger Migrationsbewegungen (wie bspw. in Philipov und Schuster (2010) analysiert) nur eingeschränkt für Prognosen verwendbar sind.

← 39 | 40 → 2.2.2 Bevölkerungsprojektion und Ausblick

Obwohl der Bevölkerungsvorausschätzung der Europäischen Union nicht die gleichen Annahmen zu Grunde liegen wie der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung für Deutschland, erscheinen die ermittelten Prognosen dennoch gleichfalls realistisch. Der für die Bevölkerungszahl in Deutschland im Jahr 2060 ermittelte Wert von rund 66,36 Millionen Menschen liegt innerhalb der Bandbreite der in Kapitel 2.1.2 dargestellten Extremwerte einer mittleren Bevölkerungsentwicklung. Die Entwicklung der für Frankreich, Belgien und Österreich ausgewiesenen Größen zeigt Abbildung 26.34 Es wird deutlich, dass für Frankreich und Belgien auch in den kommenden 50 Jahren noch mit moderaten, aber sich abschwächenden Zuwächsen zu rechnen ist, während sich in Österreich die Auswirkungen der niedrigen Geburtenrate bereits in einer ab dem Jahr 2050 abnehmenden Bevölkerungszahl bemerkbar machen. Gemein ist allen drei betrachteten Staaten, dass sie sich, ebenso wie Deutschland, der Herausforderung einer bis zum Jahr 2060 mehr als verdreifachenden absoluten Anzahl der 85 und mehr Lebensjahre zählenden Hochbetagten im Land stellen müssen.

Abbildung 26: Bevölkerungsentwicklung in Europa (2010 - 2060)

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Quelle: eigene Darstellung mit Daten von eurostat (2012).

← 40 | 41 → Die Prognose des Altenquotienten35 bis zum Jahr 2060 (siehe Abbildung 27) verfestigt das bislang gewonnene Bild: Alle betrachteten Länder spüren bereits die Auswirkungen des demografischen Wandels und sind von diesem erfasst (vgl. Wöhlcke et al. (2004), S. 89ff.). Jedoch lassen sich Unterschiede hinsichtlich des Zeitpunkts seiner jeweiligen Zuspitzung sowie seiner generellen Intensität ausmachen. Bezogen auf die zukünftige Entwicklung des Altenquotienten bedeutet dies, dass jedes Land mit einem Anstieg des Quotienten zu rechnen hat. Allerdings wird sich die Differenz des Wertes für Deutschland zu den übrigen Staaten von gut fünf Punkten im Jahr 2010 schon bis zum Jahr 2035 länderabhängig auf mindestens 10 Punkte für Österreich und sogar ca. 15 Punkte zu Belgien erhöht haben und diesen Abstand in etwa bis zum Jahr 2060 auch beibehalten. Dies verdeutlicht darüber hinaus, dass es auch zwischen den neben Deutschland beleuchteten Staaten zu Differenzierungen kommen wird.

Abbildung 27: Altenquotient in Europa (2010 - 2060)

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Quelle: eigene Darstellung mit Daten von eurostat (2012).

Betrachtet man Prognosen mit noch längerer Frist, so gehen diese mit einer weiteren Erhöhung der Unsicherheit einher. Die von den Vereinten Nationen vorgenommene Projektion des Medianalters bis zum Jahr 2100 in der im Folgenden präsentierten mittleren Variante hinsichtlich der zu Grunde liegenden ← 41 | 42 → Annahmen zeigt zum einen den sich bereits vollziehenden und deutlich stärker als in den anderen Ländern ausfallenden Anstieg dieses Wertes in Deutschland (siehe Abbildung 28). Allerdings offenbart der extrem lange Prognosehorizont zum anderen auch, dass einerseits Österreich einen vergleichbaren Prozess mit einer Verzögerung von rund einem Jahrzehnt ebenfalls durchläuft und andererseits sich die Lücke zwischen Deutschland und Frankreich - sowie eingeschränkt auch zu Belgien - bis zum Jahr 2100 wieder nahezu vollständig geschlossen haben wird.

Diese Beobachtungen finden auch Bestätigung durch die von den Vereinten Nationen prognostizierte Entwicklung des Anteils der über 80-Jährigen an der jeweiligen Gesamtbevölkerung. Die entsprechenden Werte betragen im Jahr 2100

für Deutschland 12,6 %,

für Frankreich 12,6 %,

für Belgien 11,4 % und

für Österreich 13,5 % (vgl. unpd (2012)).

Abbildung 28: Medianalter in Europa (1950 - 2100)

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Quelle: eigene Darstellung mit Daten von unpd (2012).

Auch auf aggregierter Ebene der Europäische Union (EU-15) werden die angesprochenen Herausforderungen evident. Die von Lutz und Scherbov unter Vernachlässigung der zukünftigen Entwicklung der Lebenserwartung berechneten ← 42 | 43 → Korridore möglicher Ausprägungen von Fertilität und Migration zeigen, dass - selbst bei gemeinschaftlichem Eintreten von in den vergangenen Jahrzehnten im Mittel nicht erreichten Raten – mindestens eine Verdopplung des Altenquotienten bis zum Jahr 2050 zu erwarten steht (vgl. Lutz und Scherbov (2003a), S. 13).

2.3 Zwischenfazit

Die Alterszusammensetzung unserer Gesellschaft unterliegt einem steten Wandel, welcher - zum Teil bereits spürbar, zum Teil erst in den kommenden Jahrzehnten - Einfluss auf viele Teilbereiche unseres täglichen Lebens, auch und insbesondere aber auf die Ausgestaltung der sozialen Sicherung, nimmt bzw. nehmen wird. Durch die Absicherung des Pflegerisikos nach dem Umlageverfahren kommen diese Auswirkungen voll zum Tragen, wie im Verlauf des Kapitels anhand historischer, aktueller sowie prognostizierter Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung und -zusammensetzung in Deutschland und ausgewählten europäischen Ländern gezeigt wird.

Zwar wird deutlich, dass die meisten entwickelten Länder sich dieser Herausforderung früher oder später stellen müssen, allerdings erscheint die Diskussion möglicher Lösungsansätze für Deutschland als eines der ersten und mit am umfangreichsten betroffenen Länder dringend geboten. Dies ist vonnöten, denn wenngleich die Prognosen der Vereinten Nationen bis zum Jahr 2100 auf einen zeitlich begrenzten Effekt schließen lassen, wird Deutschland in den bevorstehenden Jahrzehnten derart umfangreiche Folgen der sich vollziehenden Veränderungen gestalten müssen, wie sonst nur wenige Länder der Welt. Da die Auswirkungen der demografischen Alterung sowohl auf die inter- als auch auf die intragenerationellen Beziehungen Einfluss nehmen werden (vgl. Gessler und Stübe (2008), S. 33), erscheint zügiges Handeln in Bezug auf die Pflegeversicherung umso dringlicher. ← 43 | 44 →

______________________

10 Schreiber (2004) beschreibt die Entwicklung der „klassischen“ deutschen Sozialversicherung, kritisiert diese und stellt im Anschluss einen Reformvorschlag zur Rentenversicherung vor. Dabei stützt er seine Argumentation unter anderem auf die sogenannte Mackenroth-These, nach der die Sozialausgaben einer Volkswirtschaft vollständig aus dem laufenden Volkseinkommen zu bestreiten sind (vgl. Mackenroth (1952); für eine Diskussion der Mackenroth-These siehe Homburg (1988), S. 66ff.)

11 Für eine detaillierte Übersicht alters- und geschlechtsspezifischer Beitrags- und Leistungsprofile siehe Häcker und Raffelhüschen (2008), S. 15ff.

12 Während im Rahmen der Gesetzlichen Rentenversicherung die aktive und die post-aktive Phase des Erwerbslebens angesprochen sind, betrifft dies im Fall der Sozialen Pflegeversicherung das Leben ohne bzw. mit festgestellter Pflegebedürftigkeit.

13 Die Zunahme des Medianalters für Gesamtdeutschland beträgt im angegebenen Zeitraum 7,3 Jahre.

14 Sofern nicht anders ausgewiesen, gilt für alle Abbildungen und Tabellen dieses Kapitels: Bis einschließlich 1990 für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik, ab 1991 für das gesamte Bundesgebiet.

15 Unter den zahlreichen, oftmals empirischen Analysen der Gründe sei beispielhaft auf die Arbeiten von Kontula (2008) und Höhn et al. (2007) sowie zu den Ursachen der Veränderungen im Rollenverständnis von Mann und Frau auf Rump (2009), S. 21ff. und zur rechtlichen Stellung und Familienpolitik in Europa auf Hantrais und Letablier (1996) verwiesen.

16 Erfasst sind bis einschließlich des Jahres 1990 ausschließlich die Werte für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. Darüber hinaus bis 1990 exklusive Personen mit Herkunfts- oder Zielgebiet „ungeklärt“ und „ohne Angabe“, ab 1991 einschließlich Personen mit Herkunfts- oder Zielgebiet „ungeklärt“ und „ohne Angabe“.

17 Erfasst sind bis einschließlich des Jahres 1990 ausschließlich die Werte für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. Darüber hinaus bis 1990 exklusive Personen mit Herkunfts- oder Zielgebiet „ungeklärt“ und „ohne Angabe“, ab 1991 einschließlich Personen mit Herkunfts- oder Zielgebiet „ungeklärt“ und „ohne Angabe“.

18 Für weitere Ausführungen zum Thema regionale demografische Unterschiede, seine Bestimmungsfaktoren und seine Auswirkungen siehe Kröhnert et al. (2007) sowie Gans und Schmitz-Veltin (2006), hierin insbesondere Schlömer (2006).

19 Erfasst sind bis einschließlich des Jahres 1990 ausschließlich die Werte für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland.

20 Für die Jahre von 1950 bis 1989 mit Daten des früheren Bundesgebiets und der DDR insgesamt, ab 1990 für Deutschland.

21 Siehe hierzu sowie zu möglichen Reformoptionen beispielhaft Wille (2001) und Beiträge in Ulrich und Ried (2007).

22 Siehe hierzu sowie zur Weiterentwicklung des Systems beispielhaft Schmähl (2001), Börsch-Supan (2001) und Sinn (2005). Für eine empirische Analyse der ergänzenden, kapitalgedeckten privaten Riester-Rente siehe Pfarr und Schneider (2012).

23 In Bezug auf die Pflegeversicherung erscheint auch Ansatz nach Robine et al. (2007) bedeutsam. Er vergleicht die Entwicklung der Gruppenstärke der über 85-Jährigen (als die am stärksten von Pflegebedürftigkeit betroffenen) mit der Gruppe der 50-74-Jährigen, also jener der prozentual am intensivsten informell Pflegenden (vgl. Schneekloth (2005), S. 77).

24 Zu beachten sind die geänderte Definition der Bundesstatistik nach Inkrafttreten des Ersten Gesetzes zur Reform des Ehe- und Familienrechts zum 1. Juli 1977 sowie eine Untererfassung der Ehescheidungen in Bayern von schätzungsweise 1900 Fällen im Jahr 2009.

25 Eine weitaus detailliertere Darstellung findet sich in BMFS (1994), S. 18ff. für Deutschland sowie in Leira (2004), S. 190f. und Beiträgen in Hantrais et al. (2006) für Europa.

26 Eine Charakterisierung und Quantifizierung zum Thema berufliche Mobilität sowie ein Ausblick findet sich bei Schneider et al. (2009).

27 Für die Jahre von 1950 bis 1989 mit Daten des früheren Bundesgebiets und der DDR insgesamt, ab 1990 für Deutschland.

28 Die Anzahl der Menschen der Altersgruppe 85+ in Deutschland wird gemäß der Prognosen der Europäischen Union von rund 1,8 Millionen Menschen im Jahr 2010 auf über 6,1 Millionen Menschen im Jahr 2055 ansteigen, bevor ein leichter Rückgang einsetzt (vgl. eurostat (2012)). Dies ist dem Trend geschuldet, dass seit den 1960er Jahren das relative Wachstum der fernen Lebenserwartung 65-Jähriger den Zuwachs der Lebenserwartung bei Geburt noch übersteigt (vgl. Hoffmann et al. (2009), S. 93f.).

29 Für Details zu den Entwicklungen in einzelnen Regionen der betrachteten Länder siehe Kröhnert et al. (2008).

30 Die Einschränkung des Betrachtungszeitraums ist der mangelnden Verfügbarkeit der Daten geschuldet.

31 Die Einschränkung des Betrachtungszeitraums ist der mangelnden Verfügbarkeit der Daten geschuldet.

32 Auf Grund der abweichenden Definition auf europäischer Ebene wird Deutschland zur besseren Vergleichbarkeit ebenfalls betrachtet. Entgegen der in Kapitel 2.1.2 Verwendung findenden unteren Grenze von 20 Jahren zur Abgrenzung des erwerbsfähigen Alters gilt für die Darstellungen dieses Kapitels ein Alter von 15 Jahren. Der Altenquotient berechnet sich demnach als Anteil der Bevölkerung im Alter von 65 und mehr Jahren bezogen auf die Bevölkerung im Alter von 15 bis 64 Jahren.

33 Die Einschränkung des Betrachtungszeitraums für Frankreich ist der mangelnden Verfügbarkeit der Daten geschuldet.

34 Berechnungen für insgesamt 44 europäische Staaten finden sich in Mamolo und Scherbov (2009).

35 Für Details zur Berechnung siehe Fußnote 32.