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Wissensproduktion und koloniale Herrschaftslegitimation an den Kölner Hochschulen

Ein Beitrag zur «Dezentralisierung» der deutschen Kolonialwissenschaften

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Anne-Kathrin Horstmann

Köln und seine Hochschulen blicken auf eine lange, bisher vernachlässigte koloniale Vergangenheit zurück. Sowohl in der Zeit des realen Kolonialbesitzes als auch im Zuge des Kolonialrevisionismus der Weimarer Republik und der NS-Zeit spielten «koloniale Themen» eine kontinuierliche Rolle in Wissenschaft und Öffentlichkeit, obwohl Köln nicht auf den ersten Blick als Kolonialmetropole erscheint und es in der Stadt nie ein «Kolonialinstitut» gab. Wissensproduktion und koloniale Herrschaftslegitimation waren dennoch eng miteinander verknüpft. Die Studie spürt dieser vielschichtigen Verbindung nach und liefert durch ihren lokalhistorischen und postkolonialen Ansatz nicht nur neue Erkenntnisse für die Universitäts- und Stadtgeschichte, sondern auch für eine kritische Wissenschafts- und Kolonialgeschichte.
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1. Einleitung

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Das wissenschaftliche Interesse an Afrika hat in Köln eine lange Tradition. Besonders während der deutschen Kolonialzeit1 begannen sich verschiedene Disziplinen mit dem Kontinent zu beschäftigen. In der 1901 gegründeten Städtischen Handelshochschule, direkte Vorgängerinstitution der heutigen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln spielten ‚koloniale Themen‘ mit einem besonderen Fokus auf die deutschen Kolonien in Afrika von Beginn an eine wichtige Rolle und waren fest im Lehrplan integriert. Vor allem als Teilgebiete der Wirtschaftswissenschaften, der Geographie und der Völkerkunde fanden sie unter Berücksichtigung kaufmännischer Bedürfnisse Eingang in die Lehranstalt. Sie waren Teil der so genannten Kolonialwissenschaften2, die sich im Zuge der kolonialen Expansion des Deutschen Reiches herausbildeten und die deutsche Kolonialherrschaft wissenschaftlich zu fundieren und zu legitimieren suchten.3

← 11 | 12 → Verschiedene Disziplinen und Fachvertreter4 stellten ihr ‚Expertentum‘ daher in den Dienst des kolonialen Projekts, generierten ‚koloniales Wissen‘5 in den Kolonien und verarbeiteten und archivierten es anschließend in den Wissenschaftsbetrieben des Reiches. Vor allem in den so genannten ‚Kolonialmetropolen‘ wurden eigene Institutionen für diesen Zweck gegründet: 1887 entstand an der Universität Berlin das Seminar für orientalische Sprachen, 1901 wurde das Institut für Schiffs- und Tropenkrankheiten und 1908 das Kolonialinstitut in Hamburg eröffnet.6

Auch nach dem Verlust der deutschen Kolonien endete die enge Verbindung zwischen Wissenschaft und Kolonialismus nicht. Renommierte Wissenschaftler propagierten im Rahmen der kolonialrevisionistischen Bewegung die Notwendigkeit der Rückgewinnung der ehemals deutschen...

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