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Wissensproduktion und koloniale Herrschaftslegitimation an den Kölner Hochschulen

Ein Beitrag zur «Dezentralisierung» der deutschen Kolonialwissenschaften

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Anne-Kathrin Horstmann

Köln und seine Hochschulen blicken auf eine lange, bisher vernachlässigte koloniale Vergangenheit zurück. Sowohl in der Zeit des realen Kolonialbesitzes als auch im Zuge des Kolonialrevisionismus der Weimarer Republik und der NS-Zeit spielten «koloniale Themen» eine kontinuierliche Rolle in Wissenschaft und Öffentlichkeit, obwohl Köln nicht auf den ersten Blick als Kolonialmetropole erscheint und es in der Stadt nie ein «Kolonialinstitut» gab. Wissensproduktion und koloniale Herrschaftslegitimation waren dennoch eng miteinander verknüpft. Die Studie spürt dieser vielschichtigen Verbindung nach und liefert durch ihren lokalhistorischen und postkolonialen Ansatz nicht nur neue Erkenntnisse für die Universitäts- und Stadtgeschichte, sondern auch für eine kritische Wissenschafts- und Kolonialgeschichte.
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4. Köln als „Kolonialmetropole des Westens“: Basis für die kolonialwissenschaftliche Forschung an den Kölner Hochschulen

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Köln hat eine lange und vielfältige ‚koloniale Vergangenheit‘.216 Und das nicht nur, weil es einst selbst als ‚Colonia Claudia Ara Agrippinensium‘ römische Kolonie war, sondern vor allem darum, weil es in Köln während der Deutschen Kolonialzeit und des Kolonialrevisionismus eine sehr aktive koloniale Bewegung gab. Diese steuerte über viele Jahrzehnte die kolonialen Aktivitäten in der Stadt, sorgte für eine prokoloniale Stimmung in der Bevölkerung und machte Köln zur „Kolonialmetropole des Westens“.217 Ohne diese ‚koloniale Wirklichkeit‘ vor Ort wäre auch eine wissenschaftliche Beschäftigung mit den Kolonien und ‚kolonialen Themen‘ wie sie in Köln stattfand, nicht möglich gewesen. Daher wird die Kölner Kolonialbewegung im Folgenden etwas näher betrachtet, bevor sich dann dem eigentlichen Untersuchungsgegenstand der Studie, den Kolonialwissenschaften in Köln, zugewendet wird.

Die erste koloniale Großveranstaltung in Köln fand bereits im Januar 1885 mit dem so genannten ‚Stanley-Tag‘ statt. Dafür wurde Henry Morton Stanley, der für den belgischen König Leopold II. an der Aneignung des Kongo beteiligt und zu diesem Zeitpunkt als Gast auf der Berliner ‚Afrikakonferenz‘ geladen war, von dem Kölner Unternehmer Eugen Langen218, einer der einflussreichsten Personen der Kölner Kolonialbewegung, in die Domstadt geholt, um auch dort für den Kolonialgedanken zu werben und über seine ‚Heldentaten‘ zu berichten. Im Namen der Wissenschaft propagierte der vermeintliche ‚Afrikaforscher‘ ← 79 | 80 → gekonnt das koloniale Projekt – 1700 Personen lauschten seinen Worten, die lokale Presse...

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