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Wissensproduktion und koloniale Herrschaftslegitimation an den Kölner Hochschulen

Ein Beitrag zur «Dezentralisierung» der deutschen Kolonialwissenschaften

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Anne-Kathrin Horstmann

Köln und seine Hochschulen blicken auf eine lange, bisher vernachlässigte koloniale Vergangenheit zurück. Sowohl in der Zeit des realen Kolonialbesitzes als auch im Zuge des Kolonialrevisionismus der Weimarer Republik und der NS-Zeit spielten «koloniale Themen» eine kontinuierliche Rolle in Wissenschaft und Öffentlichkeit, obwohl Köln nicht auf den ersten Blick als Kolonialmetropole erscheint und es in der Stadt nie ein «Kolonialinstitut» gab. Wissensproduktion und koloniale Herrschaftslegitimation waren dennoch eng miteinander verknüpft. Die Studie spürt dieser vielschichtigen Verbindung nach und liefert durch ihren lokalhistorischen und postkolonialen Ansatz nicht nur neue Erkenntnisse für die Universitäts- und Stadtgeschichte, sondern auch für eine kritische Wissenschafts- und Kolonialgeschichte.
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7. Schlussbetrachtung und Ausblick

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„Wissen ist Macht“ – dieser im 17. Jahrhundert von dem englischen Philosophen Francis Bacon formulierte und mittlerweile, nicht zuletzt durch den Einfluss von Michel Foucault, zum ‚geflügelten Wort‘ gewordene Satz, greift vieles auf, womit sich diese Arbeit beschäftigt.

Am Beispiel der Kölner Hochschulen wurde gezeigt, wie eng die Produktion von (kolonialem) Wissen mit kolonialen Herrschaftsstrukturen verbunden und koloniale Herrschaftsstrukturen an die Produktion von (kolonialem) Wissen und damit an tatsächliche oder vermeintliche Macht bzw. Machtansprüche gekoppelt war. Die Analysen bestätigten die Ausgangsthese, dass Wissen, vor allem das über die ‚Anderen‘ (und damit auch über das ‚Eigene‘) nicht einfach so aus sich selbst heraus entstanden ist oder etwa als ‚naturgegeben‘ angenommen werden könnte, sondern in ganz bestimmten Kontexten mit ganz bestimmten Intentionen produziert, hergestellt und diskursiv hervorgebracht wurde und vor allem die Wissenschaften und ihre ‚Protagonisten‘ in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle spielten. Sie waren es, die in besonderer Weise an der Konstituierung des ‚hegemonialen Diskurses‘ – des in einer Gesellschaft anerkannten ‚richtigen Wissens‘ – beteiligt waren und gerade durch ihren wissenschaftlichen Hintergrund die Macht hatten, ihr Wissen zum wahren Wissen zu machen. Ihnen wurde Glaube und Gehör geschenkt und auf ihre ‚Expertise‘ vertraut.

Im Kontext von Kolonialismus und Imperialismus muss die (akademische) Wissensproduktion daher als ein Herrschaftsinstrument verstanden werden, sowohl epistemologischer als auch herrschaftssichernder Art. Verschiedene Disziplinen und Fachvertreter stellten sich in den ‚Dienst‘ des kolonialen Projekts, legitimierten dieses mit ihren Theorien oder machten es in vielen Teilen überhaupt erst...

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